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Ryisbroeck - Voll sanfter Nachsicht

Tag

Nun

Abgrund

Leiden

Reize

Erinnerung

Die Bleibe

Loslösung

Nichts wird anders sein

Gedichte

Ryisbroeck - Voll sanfter Nachsicht

Voll sanfter Nachsicht sei mit allen,
die hitzig sind und jählings fallen
in Zorn und Groll, Gemurr und Schelten
und sich versöhnen wollen selten;
die dünkelhaft auf niemand hören
und voller Trutz gleich Rache schwören;
die lieblos sind und barsch und neidig
und schlimm und roh und stets unleidig.

Der sich von irdschen Dingen wendet,
dem wird Erbarmen reich gespendet.
Ein feine Waag Erbarmen ist,
die niedersinkt und schwerer mißt
als Eltern, Freunde, Fleisch und Blut;
sie gibt zu aller Tugend Mut.

Die dem Erbarmen sich ergeben,
die sind die Reichsten, die da leben.
Ihr Haupt, kühn können sie es tragen,
und niemand brauchen sie zu fragen.

Ryisbroeck

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Tag

war's ein schöner Tag im Jahr
war so lieblich, war so fein
war so voll von Glück sogar
so könnt es gerne öfter sein

Doch je schöner, um so mehr
schmerzt das zwingend Schwinden
das Gut gewirkte gähnt nun leer
und er muss Trübsaal überwinden

War doch gestern noch mit Lieben
durch die alte Stadt gezogen
und nun schlagen ihn mit Hieben
Illusionen – wurd betrogen

Dies hier alles, kann nicht heben
im Sinn der sichren Ewigkeit
zum sichren Glücke kann nur streben
wer zu innrem Wohl bereit

Das Wohl, das ohne Außen
sich selber schmeckt und dann
das trügerische Draußen
ganz unbekümmert lassen kann

Stell Dich auf die Wandrung ein
und hetze nicht, hab immer Mut
zunächst wirst Du noch einsam sein
doch schon vorm Ende wird es gut

Hüt' den Schlüssel zu dem Strome
der nicht versiegen kann so schnell
der alle Mühen wohl belohne
so wird das Herz Dir wieder hell

Das Wohl, das ohne Außen
sich selber schmeckt und dann
das trügerische Draußen
ganz unbekümmert lassen kann

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Nun

Heller wird's und sanftes Beben
hebt mich auf zum Licht am Ende
will mich immer höher heben
zieht empor mich, sanft, behende

Und dann, im strahlend hellen Schein
erscheint ein Wesen dort im Schweben
schaut nicht auf mein Anders-Sein
und schaut mit mir zurück auf's Leben

Ist so sanft, so lieblich weilend
nimmt mich - und auch mein Scheitern
schaut mich an und wirkt so heilend
möchte Wesen wohl erheitern

Fühl mich bedingungslos geliebt
alles scheint so gut zu sein
wusste nicht, dass es dies gibt
hab das Gefühl, jetzt komm ich heim

Wie kann ich so wohl länger weilen
fängt eine Frage an zu schieben
und das Wesen will mich heilen
fragt mich: "Wie stark kannst du lieben."

Und nun fang ich's an zu fassen
das Geheimnis dieses Seins
ich sollte nie vom Lieben lassen
kein Wesen missen, wirklich keins

Wenn auch die Taten mich verstören
soll dieses nicht mein Maßstab sein
will weiter auf die Liebe hören
mein Herz soll immer offen sein

So hab ich mir's fest vorgenommen
denn diese Sätze sind geblieben
dies Wesen strahlt wie tausend Sonnen:
"Sag mir, wie stark kannst du lieben."

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Abgrund

Schrecklich ist des Abgrunds Grollen
dunkle Kälte steigt herauf
und, doch tief im Bergesstollen
schlagen sengend Flammen auf

Starre voller Angst und Grauen
in die Tiefen dieses Leidens
weiß, dass sie dort Schmerzen brauen
trotz aller Mühen des Vermeidens

Unter meinen Füßen brechen
schon die Felsen, ach, welch Pein
es wolln sich meine Triebe rächen
dunkles Schaffsal, so wird's sein

In all der Finsternis der kalten
schwingt ein heller, strahlend Schein
reck ich mich, kann ich mich halten
er lädt zur letzten Hoffnung ein

Welch ein Kampf in wildem Stürzen
rasend ist der Lüste Blenden
wolln mein Dasein hier verkürzen
wolln vermeiden dieses Wenden

Strahlend Schein durchleuchte
all dies bunte, dunkle Rasen
zeig mir, dass ich dies nicht bräuchte
nicht all die dunklen Daseinsphasen

Nur langsam lichten sich die Schwaden
wolln die Herrschaft nicht verlieren
wolln mich in Verblendung baden
wolln den Ausweg mir blockieren

Und noch lange werd ich hier
in der Dunkelheit noch ringen
inzwischen weiß ich wohl wofür
leise wachsen helle Schwingen

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Leiden

Tag um Tag im Lauf der Jahre
Muss ich dieses Leiden tragen
Dieses wird bis hin zur Bahre
Nicht um Erlaubnis hierfür fragen

Oftmals ist's mir nicht im Sinne
Hab zu tun gar viele Dinge
Die mich versuchen, blenden,
Und täuschen mich mit Gauklerhänden

Den Weg, ich kenn ihn; grad für mich
Bäumt er sich ganz fürchterlich
Manches mal entgegen
Alle dem, was mir gelegen

Dann spüre ich die Leere
Tief in mir als dunkle Schwere
Kann trotz allem guten Wissen
Nicht gut sehen, bin zerissen

Und find es dann so ungerecht
Und fühle mich so furchtbar schlecht
Und will doch trotzdem weitergehn
Und will nicht hier im Dunkeln stehn

Soll es hierbei ewig bleiben?
Soll der Dämon mich zerreiben?
Soll'n die Schatten irgendwann
mich nicht entlassen aus dem Bann?

Ich bin so furchtbar tief versunken
Hab den Kontakt nicht zu dem Funken
Der mich zurück ins Helle zieht
Der alles Gute deutlich sieht

Nun denn, so soll ich hier wohl sehn
Auch das Dunkle muss vergehn
Und wenn das Ende nicht in Sicht
so lohnt sich Ungeduld wohl nicht

Manchmal sind die Kräfte schwach
Manchmal ist der Geist nicht wach
Manchmal muss man dies so nehmen
Irgendwann vergehn die Schemen

Vielleicht kann ich das nicht noch nicht glauben
Doch Weitergehen ist so wichtig
Nicht soll dieser Feind berauben
Mich um das was niemals nichtig

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Reize

Tag ein, Tag aus da blenden
Die Sinnendinge, reizen kräftig
Mit kunstbegabten Zauberhänden
Oft merk ich's nicht, bin zu geschäftig

Erst wenn es wieder Abend
Da mag ich dies erkennen
Das alles - scheinbar labend
Kann als Attrappe ich benennen

Wie schillernd sie sich geben
Welch Wohl sie stets versprechen
Nur manchmal kann ich mich erheben
Um diesen Zauberbann zu brechen

Und weiter greifen sie nach mir
Und hecken neuen Zauber aus
Und sticheln dieses wilde Tier
Und dabei will ich doch nach Haus

Schon wieder schleichen sie heran
Und schenken Streichholzlicht
Und lassen mich alsdann
Im Dunkeln, doch im Hellen nicht

Der Kampf, er wird noch dauern
Oft werden sie noch siegen
Nicht will ich wegen Stürzen trauern
Will weiter auf dem Weg zum Frieden

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Erinnerung

Warum wählt' ich diese Lehre
warum fasst' ich Zuversicht
dieser Meister, den ich ehre
weshalb glaub ich, was er spricht?

Mit jedem Handeln, allem Denken
Erfreuliches wir so sehr suchen
bemühn' uns, unser Glück zu lenken
bemühn' uns, übles abzuwenden.

Doch unsre Mühn' sind meist vergeblich
erreichen nicht, was wir ersehnen
all der Aufwand zehrt erheblich
in dieser Welt aus Trug und Schemen.

Alles Wohl in diesem Sein
lenkt uns zur Gegensätzlichkeit
aller warmer Sonnenschein
führt uns in kalte Winterzeit.

Kein Glück von dieser Wandelwelt
uns von Vergänglichkeit befreit
mit der Zeit es stets zerfällt
und nichts, nichts schenkt Geborgenheit

Solls am Ende nicht gelingen?
Wills' erzwingen, wills' erhalten
und der Sinnenlüste Scheinwohl
mit geschickter Hand verwalten

Und, nach tausend Fehlversuchen
dringt ein Ruf durchs Totenreich
von Ruhe spricht er, und vom Frieden
und dass es heller wird, schon gleich

Und bereits im ersten Denken
nach des Weisen Rat und Lehre
merk ich; dies wird Frieden schenken
Sicherheit und Trost; es schwindet Schwere

Wie lang ersehnter Sonnenschein
wie die Erfrischung nach dem Brande
strömt Sinn und Kraft ins Handeln ein
und schon rührt es an die Bande

Wo Blindheit herrscht, entsteht nun Sehen
wo Ödniss quälte, funkelt Licht
voller Eifer geh'n wir weiter,
steigen hoch die Himmelsleiter



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Die Bleibe

Aus den Winkeln und den Ecken
dieser Vielfaltswelt der bunten
aus geheimnisvolln Verstecken
die Glückseligkeit verkunden
dringt ein lockend Ehrenwort;
deine Sehnsucht diese stete
wird erfüllt an diesem Ort!

Wie oft schon hab ich dort gesucht
und hab es doch noch nicht gefunden
hab geweint und hab geflucht
hab mein Herz daran zerschunden.
Womöglich lag ich kurz daneben
hab es noch nicht recht gemacht
war vielleicht mein ganzes Streben
nicht am rechten Ort vollbracht?

Freudgen Tages heller Morgen
eine Stimme mir entsandt;
tief in meinem Tal der Sorgen
ich den Weg zum Glück erkannt';
Suche nicht dort außen mehr
erschöpf Dich nicht an Truges Tücke;
setze Dich dem Wahn zur Wehr
nach innen führt der Weg zum Glücke.

Schaubar wird es mehr und mehr
diese Welt dort außen kann
es mir versprechen noch so sehr
sie reicht nicht an das Glück heran.
In der wilden Wogen Gang
kann nichts sein das Zuflucht schenkt
und auch am Horizont entlang
sich die Hoffnung selbst ertränkt.

Doch ein fester Felsen reckt
sich empor aus dem Gewühl
und wer sich ernsthaft nach ihm streckt
dem schenkt er höhres Wohlgefühl.
Von hier aus kann der wilden Wogen
Unstetigkeit gesehen sein
von hier aus wird der Schluss gezogen;
hier wahrlich, fühl ich mich daheim.

Und wenn auch oft die lockend Tücke
Glückseligkeit mir noch verspricht;
wohlwollend und mit sanftem Blicke
das bessre Wissen zu mir spricht
dein wohlig Heim, das ist hier innen,
draußen, nein- dort findst du's nicht.



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Loslösung

Freiheit von den Fesseln üben,
nicht aneignen diese Welt
übe für den Pfad nach drüben,
vieles gibt's, was uns noch hält.

Müh' dich, höhres Wohl zu finden,
erschreck vor dunklem Ufer hier
nur Gefahren, die dich binden,
ewges Wandeln drohet dir.

Nur der Eintritt, der noch fern,
uns Sicherheit gewähren will
die große Macht des dunklen Herrn
wandelt alles, steht nie still.

Doch, wir dürfen helle Freude
spüren schon in dieser Zeit.
Sodass ich diese nicht vergeude,
bemüh ich mich um Achtsamkeit.

Rechte Ansicht hat begonnen,
und vom Ziel ein sanft Empfinden
hab oft schon drüber nachgesonnen,
und der Wahn beginnt zu schwinden.



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Nichts wird anders sein

oder das Beharrungsvermögen der Triebe

Voller Hoffen, voller Bangen
sehe ich zur Zukunft hin;
in dem Daseinskampf dem langen
ich immer noch nicht glücklich bin

Denk; wenn dies erst ist
wird's besser sein
Wenn meine Habe Durchschnitt misst
ist auch mein Empfinden fein

Doch täuschend ist des Denkens Sinn
es wird so nicht erscheinen
Denn zum Glück, zum Wohlsein hin
gibt's keinen Schritt, nicht einen;
wenn das Herz nicht neigt zum Reinen

Auch in Zukunft werd ich bangen
um was nicht steht, nicht sicher ist
werd nach Lösungen verlangen
so dass ihr Fehlen mich zerfrisst

Werd mich sehnen nach den Dingen
will sie haben, mich erfreun
will Verzückendes verschlingen
viel Wohlgefühl soll es mir bringen

Werde Unliebsames fliehen
werde suchen es zu meiden
will nicht in die Kälte ziehen
will nicht von der Wärme scheiden

Und, jetzt kann ich's sehen;
alles noch das alte Ding
Nur die Namen obendrauf
malen Unterschiede hin

Ist's doch noch das selbe Sehnen
gar nichts hat sich hier getan
wenn nicht innen, hier im Herzen
sich geändert jene Bahn
um recht zu tilgen diese Schmerzen

So wird auch in Zukunftsferne
nichts wirklich besser sein
wenn ich hier im Jetzt nicht lerne
nicht zu rechnen heut und morgen;
vorbei gehn nicht die drückend Sorgen

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