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Seitenverzeichnis

Verhinderung des Suizids

Worte von Paul Debes

Das sonnige Märchen vom Glück

Der ewige Streit

Buddhismus - Einleitung für Skeptiker

Die eigene Haustür und der Umgang mit Fortschritten

Weitermachen

Naturwissenschaften und dergleichen

Angst vor den Anderen

Fantasiegeschichte Samuel

Mārā parisā - Dämonen und ihre mögliche Beeinflussung

Sanftmut im Konflikt

Bitte höre, was ich nicht sage!

Überforderung und Gangart

Ungewöhnliche Lösungsansätze

Karmische Grenzen

Rechtes Zuhören

Zeit mit Freunden

Tod des Partners

Nidana-Reihe

Lehrsicherheit?

war P.D. Sotapann?

Nach dem Übergang

Tagebuch


Ansatz

Immer wieder kommt es (erfreulicherweise) vor, dass bestimmte Lehrinhalte den Geist beschäftigt halten. Manchmal ist es dann so, dass es sich lohnen würde, diese Inhalte auf Papier zu bringen, so dass sie entweder zu einem späteren Zeitpunkt nochmals hervorgeholt werden, oder auch anderen Freunden besser mitgeteilt werden können. Darüber hinaus drängt ein schriftliches Festhalten dazu, diese Inhalte in einer sinnvollen und schlüssigen Form zu sortieren, um vielleicht auch anhand von Quellenbelegen die jeweiligen Gedanken zu untermauern. Auch kann sich hierdurch die Lehrauseinandersetzung für jemanden selbst, wie auch für die am Eintrag Beteiligten vertiefen.
Dies sind Ansatz und Zielsetzung auch dieses Tagebuches; ein, ganz im Sinne des "ehern-flexiblen-Maßstabes", von Freude begleitetes Auseinandersetzen mit Lehrinhalten, welches, wenn es auch nicht zur vollen Tiefe der Inhalte vordringt, eine Distanzierung vom banalen Alltag erlauben möge.
Ferner erheben die Einträge nicht den Anspruch, alle Aspekte des jeweiligen Themas in vollem Umfang erfasst zu haben. Doch auch wenn das Geschriebene primär als Denkanstoß genutzt werden kann, mag dies zur aktiven Auseinandersetzung mit Lehrinhalten beitragen.

Erläuterung

Die Einträge sind dem Kalendertag entsprechend geordnet, wobei sich die jüngsten Einträge stets an oberster Position befinden. Ein entsprechendes Verzeichnis findet sich in der rechten Spalte der Seite.

Füller

Verhinderung des Suizids

04. März 2018



Der folgende Text wurde für ein Forum für Depressionen, Burnout und Boderline verfasst und bezieht sich auf buddhistische Grundannahmen. Dies jedoch, ohne den weltlichen Leser darauf aufmerksam zu machen, oder dies auch nur durchscheinen zu lassen. Hier wurde der Versuch unternommen, mittels naturwissenschaftlicher Einsichten, welche für den Westler wohl die größte Seriösität besitzen, eine Ahnung zu erschaffen für außersinnliche und überweltliche Gesetzmäßigkeiten bzw. ein eventuelles Weiterleben nach dem körperlichen Tod.

Eintrag
Hinsichtlich intensiver suizidaler Gedanken, welche 2009 ein extremes Ausmaß bei mir erreichten, entstand damals eine Einsicht, welche bis heute jeden dieser Gedanken radikal neutralisiert. Ob dieser Effekt jedoch eintritt, hängt sicherlich von Persönlichkeit und Überzeugung des einzelnen ab.

Wir alle handeln ausnahmslos aus vier Grundmotiven heraus: Erwünschtes erreichen oder Erwünschtes bewahren - oder Unerwünschtes vermeiden oder Unerwünschtes beseitigen. Dies gilt auch für den Suizidenten, der sich durch den Suizid ein Ende seines Leidens erhofft (Unerwünschtes beseitigen). Oder auch für denjenigen, der einen Gegenbeweis erbringen will und sich selbst schädigt - um somit jedoch die (gewünschte) Situation des erfolgreichen Widerlegens zu erreichen.
Diese Grundmotive sind jederzeit im eigenen Wirkensmechanismus beobachtbar.

Wenn also der Suizid keine Besserung, sondern eine (potenzielle) Verschlechterung in Aussicht stellt, wird er nicht realisiert bzw. bedacht werden. Wäre es z.B. sicher, dass sich der Leidensgrad nach dem Suizid erhöht, käme es zu keiner entsprechenden Durchführung.

Der uns (i.d.R.) wohl am seriösesten erscheinende Forschungsbereich stellt sich durch die Naturwissenschaften dar. Diese weisen unmissverständlich darauf hin, dass die Annahme eines "absoluten Endes" nach Versagen der Körperfunktionen nichtig sei - dass also eine Wahrscheinlichkeit für fortgesetzte Wahrnehmung nach dem körperlichen Tod mit einkalkuliert werden muss: Der Direktor des Werner-Heisenberg-Institutes am Max-Planck-Institut für Physik in München, Hans Peter Dürr, stellte fest, [...] "dass es eine objektivierbare Welt, also eine gegenständliche Realität, wie wir sie bei unserer objektiven Betrachtung als selbstverständlich voraussetzen, gar nicht gibt, sondern dass diese nur eine Konstruktion unseres Denkens ist" [...] (vgl. Fritz Schäfer, PhysT, S.12).

Ferner veranschaulicht das Doppelspaltexperiment von Thomas Young, unter anderem, dass Beobachter und Beobachtungsobjekt nicht differenziert werden können, dass also die Annahme subjektiver und objektiver Beschaffenheiten nichtig sei.

Diesen Aussagen wurde bis dato nicht widersprochen, was in der Naturwissenschaft absoluten Ausnahmecharakter aufweist.

Zusammenfassend kann konstatiert werden, dass die Existenz psychische, aber keine physischen Eigenschaften aufweist, sich also wie ein Traum darstellt - welcher jedoch im Vergleich zum Nachttraum ein unvergleichlich hohes Maß an Komplexität, Folgerichtigkeit und Konsistenz aufzeigt.
Dies impliziert, dass, wie in einem Traum, das Ableben des wahrgenommenen Körpers nicht zwangsläufig zu einem Verebben auch der Wahrnehmung führt - dass also eine Existenz nach dem körperlichen Tod zumindest in Betracht gezogen werden muss.
Da eine psychische Dynamik kurzfristig nicht fundamental alterniert, müsste bei einem Suizidenten von einer sehr negativ geprägten Wahrnehmungsfortsetzung ausgegangen werden.

Um es kurz zu fassen: Nach bisher unwidersprochenen wissenschaftlichen Erkenntnissen muss das Weitererleben nach dem körperlichen Tod zumindest in Betracht gezogen werden. Somit führt ein Suizid potenziell zu noch quälenderen Zuständen - im Vergleich zu dem Moment vor dem Suizid.

Ganz laienhaft könnte man auch sagen: Wir wissen nicht, ob es ein Weiterleben nach dem Tod gibt - alle Annahmen, unabhängig ob pro oder contra, fallen in den Bereich des persönlichen Glaubens. Das heißt, dass es mir nach einem Suizid deutlich schlechter gehen könnte, als dies gegenwärtig schon der Fall ist.

Für mich bedeutet diese Möglichkeit, dass ich nicht einmal mehr über einen Suizid ernstlich nachdenken, oder ihn gar durchführen könnte.

Dieser Eintrag enthält Parallelen zu dem Text Buddhismus - Einleitung für Skeptiker.

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Worte von Paul Debes

18. Februar 2018



Im Folgenden habe ich den Versuch unternommen, einfach bestimmte Satzteile, Aussagen etc. von Paul Debes aus einem Vortrag mitzuschreiben - ohne dass ein all zu großer Zusammenhang zwischen den Worten zu erkennen wäre. Die meisten von uns werden vermutlich zu jedem - oder beinahe jedem - Wort etwas erzählen können. Wenn wir uns diese Fähigkeit, und damit unsere Kenntnisse, vor Augen führen, kann darüber Freude aufkommen...

Die, die von dem Hierigen nicht so fasziniert werden, das ist der Kanal... die Edlen sind die Schönen, die Unedlen sind die Unschönen... in einer etwas feineren Weise... Ein Turm in der Mitte des Marktes... er ist gar nicht gestorben... so etwas gibt es immer auch sporadisch... wir leben von Illusionen... je weniger wir uns verbessert haben, um so weniger sind wir vom Menschentum entfernt... bei den heutigen Zeiten nimmt das zu... bei sich selber hell und sanft werden, froh werden über das Frohmachen anderer... stille Freude der Abgeschiedenheit... Das was Du gerne erleben willst, das musst Du selber tun... Ich sah und hörte, was im Nebenzimmer geschah und gesprochen wurde... wir leben fast immer von außen... es kommt nur zurück, was wir ausgesandt haben... die Brille macht nicht das Sehen... da Dein Leib wie eine Schaumblase ist... das, was in der Psyche lebte, zeigt sich als Ereignis im Jenseits... Gespenster soll bedeuten, das ist nicht unter oder über dem Menschentum... oben ist einfach Eigenwohl... ein solcher versteht nun klar... ein Kenner der Auslöschung... Schmerzensmacht... sie ist etwas Erscheinendes, Gemachtes, Bedingtes... da ist die Welt, der bin ich ausgeliefert... Ein Teppich lag auf einem Wege... das ist gefahrlos... das fortgesetzte Aufkommen... wo geht sie restlos unter?... ein Kenner der Ausrodung... Gefühlsskala; nur bestimmte Gerade von Gefühlen kennnen wir... es ist zweierlei Schönheit... weder wohl noch wehe... dies ist für die Großen nur Schmerz... es gibt noch etwas darüber hinaus... vom Säuglingsalter an haben wir begonnen zu entdecken... die Verständniskraft der verstandenen Wahrheit... dann merken wir Wandlung, Transformierung... es gibt wirklich mehr es gibt anderes... durch diese Mirkofone hört er was die Welt zu bieten hat... immer Zarteres, immer Helleres... dann ist das sein Wehgefühl... das ist an sich das Schmerzliche... jede Berührung des Emfindungsleibes vergleicht der Erwachte mit einem Rind... wo keine Welt erscheint, das dennt der Erwachte die Wahrnehmung des Wahren... wir leben nur in unterschiedlichen Graden von Schmerzen... jeder hat seine Gefühlsskala... merkt der den Anbruch des Schwallens der Berührung... ich habe die Worte nicht, man muss es betreiben... das was wir als Wohl und Wehe erleben, das ist die Schmerzensmacht... jeder kann die Existenz so erkennen wie sie ist und nicht, wie sie zu sein scheint... wer das innere Wohl entdeckt, merkt, dass es von außen unabhängig ist... es gibt die dritte Form der Erfahrung, die weder vom Außen, noch vom Innen lebt und das ist die Erhabenheit. Aber auch diese ist noch bedingt... es geht noch um Weiteres...


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Das sonnige Märchen vom Glück

24. Dezember 2017



Paul Debes erzählte folgendes Märchen:

Das sonnige Märchen vom Glück

Sie sind allein, denn die Mutter kehrt erst in der Nacht vom Felde zurück.
Durch das Fenster rauschet die Linde.
Und die Alte erzählte dem Kinde
das sonnige Märchen vom Glück.

Sie erzählt vom verwunschenen Königssohn
und der boshaft grollenden Fee.
Und vom Meeresstrande,
vom wilden Wogenbrande,
Und der Fischerhütte am See.

Und der Prinz, er trauerte Jahr um Jahr als Schlange
im sumpfigen Grund.
Er wandt sich in güldenen Ketten
ein Kuss nur könnte ihn retten,
ein Kuss von rosigem Mund.

Des Fischers liebliches Töchterlein
trug hohen, herrlichen Sinn.
Sie sprengte die Ketten von Golde
da machte der Prinz die Holde
zu seiner Königin.

Großmutter schweigt und das Spinnrad schnurrt
und das Mägdelein sitzt wie gebannt.
sie faltet die Hände im Schoße
und heftet das Auge, das große,
träumend auf die Wand.

Großmutter, wie schön! Wie einzig schön!
Großmutter, oh wär es doch wahr!
Großmutter, mir wär nicht bange!
Wie gerne umarmt ich die Schlange
trotz Schauder und Todesgefahr

Großmutter, warum hat man dies alles erdacht
wenn es sich doch nie begab.
Großmutter, mir wird so wehe
wie bei des Kirchhofs Nähe,
wie an des Vaters Grab.

Sei stark, du tapferes Mädchenherz
und dränge die Tränen zurück.
Uns alle hat es belogen,
uns alle hat es betrogen,
das sonnige Märchen vom Glück.

Interpretation von Paul Debes:

Das eine ist das Märchen und das andere ist das Urteil der Großmutter.
Das Märchen sagt, dass der boshaft grollende Sinn der Fee aus dem Prinzen eine Schlange gemacht hat. Wenn wir den Buddha fragen, wer Recht hat, das Märchen oder die Großmutter: Der Buddha sagt: Das Märchen ist weise, die Großmutter töricht. Wer die Wahrheit nicht kennt, wer das Gesetz der Existenz nicht kennt, der wird betrogen und belogen vom Leben. Wenn wir unser Leben betrachten, dann haben sich die Träume und Hoffnungen von unseren goldenen Schlössern nicht verwirklicht, sondern es ist, ganz im Gegenteil, alles immer grauer, immer hoffnungsloser geworden. Und dann denkt man, das sonnige Märchen vom Glück habe einen betrogen. Und der Buddha sagt: "Nein, ihr kennt das Gesetz nicht!" Gerade die alten Mähren enthalten noch die Wahrheiten des Lebens.
Hier ist vom Prinzen und von der Schlange die Rede. Der Prinz gilt für all unsere herrlichen Erlebnisse welche wir uns wünschen oder welche wir haben. Der Prinz ist das Bild für das Schöne, das Große. Und die Schlange ist das Bild für alles Ekelhafte. Für alles Elende und Graue und Schmerzhafte und Giftige. Und das Märchen sagt: Durch boshaften, grollenden Sinn ist die Schlange entstanden. Aus einem Prinzen. Wenn wir unseren Mitmenschen mit Groll begegnen, dann wird das Gewand des Prinzen immer trüber, lässt immer mehr nach. Und immer mehr entwickelt sich die Schlange. Und wenn wir allen Menschen mit hohem, herrlichem Sinn begegnen, dann machen wir aus Schlangen Prinzen. Je mehr uns dies misslingt, um so dunkler, schmerzhafter, kälter wird es in unserem Leben. Und je mehr uns die gelingt, um so heller, freundlicher, wärmer wird es in unserem Leben.


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Der ewige Streit

09. Dezember 2017



Das ist einer, der Wohl und Glück sucht,
Geborgenheit und Frieden sucht,
ganz ebenso, wie auch ich Wochl und Glück suche,
Geborgenheit und Frieden suche.

Das ist einer, der aus inneren und äußeren Umständen
so und nicht anders fühlen und wollen und denken und handeln muss,
ganz ebenso, wie auch ich aus inneren und äußeren Umständen
so und nicht anders fühlen und wollen und denken und handeln muss.

Das ist einer, der seit undenkbaren Zeiten im Samsara
durch alle Daseinsformen und Daseinsbereiche hindurchwandert und hindurchirrt,
ganz ebenso, wie auch ich seit undenkbaren Zeiten im Samsara
durch alle Daseinsformen und Daseinsbereiche hindurchwandere und hindurchirre.


__________________________

Der große Wunsch dem größrem weicht,
nie tritt ins Herz Genügen ein.
Und wenn Du je Dein Glück erreicht,
so hört es auf, Dein Glück zu sein.

Immer wieder, im Großen wie im Kleinen, begegnen uns im Alltag Szenerien, welche von Disharmonie, Vorwürfen, Unstimmigkeiten und dergleichen geprägt sind. Und wir stellen fest, dass, je mehr wir in unserem Gefühl gefangen sind, uns der weisheitliche Anblick abhanden kommt. Wir sind gefangen von der Situation, stecken mitten drin und können uns geistig gesehen oftmals kaum noch über Wasser halten. Würde uns dies gelingen, so könnten wir vielleicht den Überblick erlangen, welcher uns Anleitung geben könnte, um die Situation hilfreich zu behandeln.

Ein im Alltag wohl oftmals erstehender Konfliktpunkt findet sich in partnerschaftlichen Beziehungen und jedem sind die Männer-/Frauenvorurteile - Vorwürfe bekannt: Männer helfen nie im Haushalt, Frauen sind pingelig usw. So auch in Schulen, auf Arbeitsplätzen, in der Politik und auf der ganzen restlichen Welt.

Wir kreiden unserem Gegenüber etwas an, ein Fehlverhalten, ein Versäumnis, irgendeine Form des Verweigerns. Dabei vergessen wir ganz, dass genau dies von uns Vorgeworfene auch uns selbst immer wieder passiert, vielleicht nur auf einer anderen Ebene. Wir vergessen, dass kein Mensch ein vollkommenes Verhalten an den Tag legen kann, dass, gerade hier bei uns im Menschentum, vieles, vieles, unerfüllt und unzufriedenstellend sein, bleiben und werden muss. Auch übersehen wir die vielen, vielen Anstrengungen, welcher unser Gegenüber unternommen hat, um doch Qualität zu leisten, um Gutes und Annehmbares herzustellen. Wie vieles betrachten wir als Selbstverständlichkeit oder merken es gar nicht, während dessen unser Gegenüber sich dafür stellenweise sehr anstrengen muss.
Lassen wir unseren Partner zum Beispiel öfter warten, so nehmen wir dies kaum wahr. Der andere jedoch opfert jedes mal Zeit und Energie, damit wir uns nicht zeitlich unter Druck setzen müssen. Vielleicht hat unser Partner schnell eingewilligt in die eigenen Dekorationsideen und wir haben daher nicht bemerkt, wie gerne er auch seine Ideen umgesetzt hätte und welchen Verzicht er uns zu liebe gerade leistet. Es gibt zahllose, unsichtbare Bemühungen, welche wir bei unserem Gegenüber oft nicht wahrnehmen und vielleicht auch, weil sie so unauffällig sind, nicht wahrnehmen können. Und wenn die Bemühungen nicht bis in die letzten Winkel reichen, fühlen wir uns schnell missachtet oder ignoriert.
Letztlich ist der andere, ganz ebenso wie wir, jemand, der um sein tägliches Glück und Wohl kämpfen muss, der sich sehnt nach Geborgenheit, nach Frieden. So wie wir selbst muss er so handeln wie er handelt und so fühlen wie er fühlt - er kann es nicht anders. Er irrt durch das Dasein ohne wirklich klaren Weg zu seinen Ersehnungen - ganz ebenso wie wir selbst. So findet er sich in einem dauernden Suchen, in einem dauernden Missgefühl, in dauernder Not.

Darüber hinaus wachsen unsere Ansprüche - der große Wunsch dem größrem weicht - und unser Gegenüber wird mit Erwartungen konfrontiert, welche er immer schwieriger erfüllen kann, selbst wenn er es oft noch so sehr will. Diese Welt, und auch besonders unser Menschentum, ist eine Welt des Verzichts, das ist Tatsache. Wir tun gut daran, wenn wir nicht dem anderen hierfür die Ursache sein lassen sondern erkennen, dass es in jeder zwischenmenschlichen Beziehung unerfüllte Bereiche geben muss.
Entspannen können wir die gesamte Szenerie, indem wir uns die Lage des anderen einmal mehr bewusst machen und spüren, dass er sich in der selben Notsituation befindet wie wir, dass auch er jeden Tag unzählige Anstrengungen leistet, von welchen viele für uns unsichtbar bleiben. Darüber hinaus besteht für uns selbst immer die Möglichkeit, von unseren Wünschen und Erwartungen ein wenig zurückzutreten, ein wenig los zu lassen von dem, was uns sowieso niemals Erfüllung schenken kann.


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Buddhismus - Einleitung für Skeptiker

29. Oktober 2017



Viele von uns stellen sich die Frage, woher wir kommen, wie alles zusammenhängt, woher die Menscheit kommt etc. Und manch einer gibt sich nicht mit Antworten zufrieden, welche dogmenhaft sind und die Erwartung beinhalten, dass etwas geglaubt wird; denn sie wollen nicht (blind) glauben, sondern verstehen und erkennen.

Der Buddha sagt uns, dass wir nichts glauben sollen, was im Allgemeinen gesagt wird, nicht das, was ein berühmter Mensch oder Priester sagt und sogar nicht einmal, was er selbst gesagt hat. Wir sollen nur das glauben, was wir selbst erfahren haben. Mit seiner Lehre gibt er hierzu die Anleitung und sagt gleich zu Beginn, dass diese von ihm verkündete Lehre immer wieder überprüft werden soll. Sie soll in aller Intensität hinterfragt werden; wer dieser Aufforderung nicht nachkommt, befindet sich bereits nicht mehr in der Lehrnachfolge des Buddha. Dem Buddha ist es überaus wichtig, dass gerade kein blinder Glaube entsteht, sondern tatsächliches Wissen. Blinden Glauben lehnt er als Zielsetzung strikt ab.

Für uns besteht im Zusammenhang mit der Lehre des Buddha die Schwierigkeit, dass wir uns von alten Denkmustern und Anschauungen frei machen müssen. Wir besitzen jedoch die Möglichkeit für einen Brückenschlag, gerade wenn uns Zuverlässigkeit und Seriösität am Herzen liegen; das uns gegenwärtig zuverlässigste Gebiet zur Erklärung von Naturgesetzen und zur Wahrheitsfindung stellt sicherlich die Naturwissenschaft dar. Wir wissen, dass auch diese sich von blinden Glaubenssätzen entfernt und nur Fakten gelten lassen will. "Hokuspokus" hat hier ebenso wenig verloren wie in der Lehre des Buddha.

Wie können wir also an dieser Stelle den angesprochenen Brückenschlag realisieren? In schulischer Hinsicht findet naturwissenschaftliche Aufklärung statt, jedoch können wir uns leicht vorstellen, dass diese nicht die Bereiche berührt, welche wir für unsere Wahrheitsfindung benötigen. Ziehen wir außerschulische Informationen hinzu, können wir jedoch Brauchbares finden.
Nutzen wir hierzu beispielsweise das Doppelspaltexperiment: Neben der Beobachtung von Wellen- bzw. Teilcheneigenschaften des Lichtes steht eine Aussage deutlich im Mittelpunkt: Das angelegte Experiment beweist, dass das Beobachtungsobjekt nicht getrennt werden kann vom Beobachtungssubjekt. D.h., Beobachter und Beobachtetes können nicht voneinander getrennt werden. Diese Erkenntnis ist ein wichtiges Elememt für das weitere Verständnis!
Bewegen wir uns weiter in der Quantenphysik, treffen wir auf die Aussagen von den Größten in der Naturwissenschaft, wie z.B. Niels Bohr, Marx Planck, Heisenberg. Diese sagen übereinstimmend aus, dass nach gründlicher Forschung die Idee einer an sich materiell und objektiv bestehenden Welt nichtig und falsch sei. Dieser Aussage wurde bis heute nicht widersprochen, was im naturwissenschaftlichen Bereich eine absolute Ausnahme darstellt. Noch einmal im Klartext: Die Speerspitze der Physik, dem präzisesten Wissenschaftsbereich überhaupt sagt aus, dass es keine Welt (Universum) gebe, welche objektiv und materiell bestehe. Dies ist eine weitere, wichtige Aussage für das weitere Verstehen.
Wenden wir uns nun den philosophischen Gedanken zu Welt und Wahrheit zu, dann finden wir drei verschiedene Ansichten: die naive-westliche-Behauptung, die kritische-westliche-Behauptung und die fernöstliche Behauptung:

Die naive-westliche-Behauptung sagt: Es gibt eine Welt, und daher nehme ich sie wahr.

Die kritische-westliche-Behauptung sagt: Moment, wir müssen vorsichtig sein: Da ist ein Ich und da ist eine Welt. Aber das Ich kann die Welt nie direkt erfahren, denn zwischen mir und der Welt steht ja die Wahrnehmung. Hierzu ein Beispiel zur Annäherung: Wir sehen Farben und Formen, also Licht. Aber wo sehen wir es? Wir "sehen" es im Sehzentrum, welches jedoch vollkommen im Dunkeln liegt. Dort ist kein Licht, sondern es finden neurochemische Prozesse statt, welche dem Gehirn den Eindruck vermitteln: Da ist Licht. Also "sehen" wir nicht das Licht, das ins Auge fällt, sondern wir nehmen nur den "Boten" wahr, die chemische Reaktion im vollkommen dunklen Sehzentrum. So auch steht, nach dem kritischen-westlichen-Behaupten die Wahrnehmung als trennendes Element zwischen mir und Welt. Die fernöstliche-Behauptung sagt: Es gibt gar keine Welt, es gibt nur Wahrnehmung.

Diese Aussage ist für uns zunächst sehr fremd und daher schwierig zu verstehen. Aber auch hier können wir einen Vergleich hinzuziehen: Wenn wir uns in einem Nachttraum befinden und dies aber nicht wissen, sind wir davon überzeugt, uns in einer Welt zu befinden, welche unabhängig von uns existiere. Außerdem scheint diese Welt auch materiell zu existieren, genau wie auch die Welt welche wir wahrnehmen, wenn wir wach sind. Tatsächlich aber gibt es keine wirkliche Traumwelt, sie besteht einzig und allein aus Traum-Wahrnehmung: Das darin enthaltene Ich und die darin enthaltene Umgebung bestehen einzig und allein aus Traum-Wahrnehmung. Ganz so sieht die fernöstliche Sichtweise auch die Welt, welche wir im Wachzustand wahrnehmen, nur eben ist sie sehr viel massiver, konsistenter, fester, logischer, folgerichtiger etc.
Es beweist sich in jedem Moment, dass wir diese Welt und uns selbst wahrnehmen. Was sich aber nicht beweist, ist, dass es diese Welt auch außerhalb dieser Wahrnehmung gibt, dass auch sie also mehr ist, als nur ein (sehr massiver) Traum. Es gibt nicht einen einzigen Beweis dafür, dass außerhalb der Wahrnehmung etwas an-sich-seiendes existiert. Wenn wir genau hinsehen erkennen wir, dass so eine Behauptung eine reine Schlussfolgerung wäre: "Ich nehme diese Welt wahr, also gibt es sie auch objektiv."
Hier erkennen wir, dass die fernöstliche Behauptung sich mit den Aussagen von Niels Bohr, Marx Planck etc. deckt: Es gibt keine an sich existierende, objektive Welt: Alles wird nur wahrgenommen, ist Wahrnehmung.
Es ist wichtig, dass wir diesen letzten Satz richtig verstehen, so tief wie möglich. Denn dann kommen wir zu der Erkenntnis, dass die ganze Welt, das ganze Universum, ein psychisches Phänomen ist, kein materielles. Und dann kommen wir zu der Frage, welche die Naturwissenschaft nicht mehr beantworten kann und bei welcher die Lehre des Buddha beginnt: Was sind die Gesetze der Welt, wie funktioniert sie im letzten Grunde? Wie verhält es sich mit dem Tod, wo kommen all die Lebewesen her?

Die Gesetze der Welt sind, wenn wir diesem Ansatz folgen wollen und können, psychische Gesetze. Zwar nehmen wir Materie wahr und sind von deren Existenz überzeugt, jedoch bemerken wir bereits hier, dass sich alle Materie, das ganze All, in der Wahrnehmung befindet, also etwas Geistiges ist. Unser Verstand (etwas Geistiges) will sich nun oft dagegen wehren und kämpft darum, sein altes Weltbild aufrecht zu erhalten. Er sucht nach Beweisen, warum diese Welt doch existiere, dass z.B. der andere die Welt doch auch sehe, dass der Baum im Garten doch da sei und auch von anderen gesehen werde. Wir können immer wieder den Traum-Vergleich heranziehen um zu verstehen und darüber hinaus uns in Erinnerung rufen, was die Großen der Naturwissenschaft gesagt haben und was das Doppelspaltexperiment uns zeigt. Ebenso verhält es sich mit all den Lebewesen, einschließlich der Menschen: Wo kommen diese her? Stellen wir uns vor, wir träumen einen Traum mit vielen Menschen. Wenn uns jemand fragen würde, wo all diese Menschen in unserem Traum herkommen, müssten wir sagen, dass sie nicht in der Traumwelt geboren, aufgewachsen und großgeworden sind, sondern dass der Geist diese Menschen hat erscheinen lassen, dass sie nur aus Traumwahrnehmung bestehen.
Interessant ist auch, dass wir von uns selbst, von unserem Körper, also auch von unserem Gehirn nur wissen, weil wir es wahrgenommen haben: es bleibt also nicht das kleinste Teilchen Materie über, alles ist Wahrnehmung.
Die Lehre des Budda erklärt in allen Einzelheiten und darüber hinaus für jeden (der sich ernsthaft damit beschäftigt) nachvollziehbar alle Gesetze dieser Welt. Natürlich können wir dies alles nicht von heute auf morgen verstehen, ebenso wie wir nicht in der ersten Klasse die Funktionsrechnung lernen können. Vieles kann auch durch Erklärungen nicht begriffen werden, da Erfahrung notwendig ist: Es wird uns z.B. mit noch so vielen Worten nicht gelingen, den Geschmack einer Erdbeere jemanden zu beschreiben, der sie noch nie gegessen hat: Er muss sie selbst schmecken.
Alles, was der Buddha lehrt, kann von uns selbst erfahren und erkannt werden, früher oder später. Wer den ersten Test wagen mag, kann mit einer Aussage des Buddha beginnen: Er behauptet, dass alles, was wir tun, nur vier verschiedenen Zielen dient: Entweder Angenehmes zu erreichen oder zu erhalten, oder Unangenehmes zu vermeiden oder zu beseitigen. Dies gilt sogar für den Selbstmörder, welcher sein Leiden beenden möchte. Wer hier prüft, wird feststellen, dass diese Aussage ausnahmslos richtig ist – und so auch ist es mit allen anderen Aussagen des Buddha.


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Die eigene Haustür und der Umgang mit Fortschritten

21. Oktober 2017



Nach etwa zwanzig Jahren Nachfolge war ich in der Lage, meinen Standort in der der Lehre zu erkennen
Paul Debes

Als ernsthafte Lehrnachfolger streben wir das höchste vom Erwachten genannte Ziel, das Nibbana an. Und zuvor, noch lange bevor wir dies erreicht haben, streben wir Zwischenziele an, welche uns Schritt für Schritt dem Höchsten näher bringen und uns auch schon lange vor dem endgültigen Erreichen in absoluter Form sichern. Da bleibt die Frage nicht aus, wo wir denn gegenwärtig eigentlich stehen, wie viel wir bereits zurückgelegt haben und wieviel wir noch zu leisten haben und auch wie sicher wir uns aufgrund unserer Entwicklung fühlen dürfen. Diese Frage ist gut nachvollziehbar, da sie dem Bedürfnis nach Orientierung und Sicherheit entspringt. Und genau hier ist es wichtig, aufmerksam zu werden; ein Wunsch als Vater des Gedanken kann schnell auf falsche Fährte führen und uns vorschnell Schlüsse ziehen lassen. Eine Folge davon könnte sein, dass wir unseren Standpunkt falsch einschätzen und somit den nächsten, notwendigen Schritt nicht oder falsch erkennen.
Ein Beispiel: Uns Nachfolgern ist es besonders wichtig, den Stromeintritt zu verwirklichen, dies ist ein großer Wunsch, nicht zuletzt aus dem Grund, weil wir hier eine ersehnte Sicherheit erlangen und dann auch fühlen dürfen - wir wollen uns in Sicherheit wissen. Der Mensch entwickelt bei vielen Wünschen schnell die Neigung, nach möglichen Indizien und Bestätigungen für seine Annahme zu suchen. Und wenn er nicht bewusst danach sucht, so können diese Indizien auch von alleine in das Bewusstsein gelangen, so dass uns plötzlich bestimmte Gegebenheiten auffallen und dann, weil es unserem Wunsch entspricht, zu Schlussfolgerungen verleiten. Nehmen wir also an, dass es Indizien für einen Stromeintritt gäbe, welche unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben. Von nun an werden wir vielleicht aufmerksam auf solche Eindrücke werden und bewusst nach Begebenheiten suchen, welche Bestätigung liefern. So kann es sein, dass der Geist mehr und mehr (u.U. vermeintliche) Indizien sammelt und dadurch - ohne eine Sicherheit für deren Richtigkeit zu besitzen - zu der Überzeugung kommt, der Stromeintritt habe stattgefunden. Weil auch das Gefühl bei diesem Gedanken erhoben ist, scheint dieses den Gedanken zu bestätigen und unsere Überzeugung wächst weiterhin. Wie schnell haben wir aus unbewusster Überlegung heraus geschlussfolgert und nehmen unsere Gedankenkonstruktion als Wirklichkeit.
Der Erwachte sagt, dass es fünf Gründe gebe, warum wir etwas als wahr annehmen; aus Tradition, aus Faszination, aus Vertrauen, weil wir rundherum über eine Sache nachgedacht haben oder weil wir uns durch Gelten-lassen mit etwas angefreundet haben (M95 - CANKI). So besteht z.B. auch aus der Faszination heraus die Gefahr, eine bestimmte Annahme auf Grund jener Faszination als wahr zu bewerten - obwohl sie dies u.U. nicht ist (..."dies kann zweierlei Ausgang haben"...). Hinsichtlich des Stromeintrittes können als Beispiel zwei Gefahren entstehen: Der vermeintlich Eingetretene kann träge werden, weil er sich in Sicherheit wähnt oder er kann weiterhin strebsam bleiben - jedoch in eine falsche Richtung.
Unser großer Lehrer Paul Debes sagt von sich, dass er erst nach zwanzig Jahren Nachfolge seinen Standpunkt in der Lehre erkennen konnte und mehrere Jahrzehnte für die vollendete Hörerschaft benötigte (vgl. war P.D. Sotapann? ). Darüber hinaus befragte ich Frau Anders-Debes in einem Brief über den Stand von Paul Debes, ob dieser den Stromeintritt verwirklicht habe. Sie schrieb mir zurück, dass sie dies nicht beantworten könne. Diese Aussagen von zwei unserer fortgeschrittensten Vorbilder dürfen wir als "Warnung" nutzen, nicht zu vorschnell über unseren Standort in der Lehre zu schlussfolgern, sei es in der einen oder in der anderen Richtung. Wollen wir uns als Wahrheitssucher der Wahrheit annähern, müssen wir immer wieder lernen, in aller Strenge zwischen Ansicht, Schlussfolgerung, Gedankenkonstruktion, Wunsch etc. und tatsächlicher Erfahrung zu unterscheiden.

Weiterhin fällt auf Paul Debes' Umgang mit seinen Fortschritten. Wir alle kennen Paul Debes als äußerst bescheidenen Menschen, welcher sich und seine Person niemals empor hob oder seine Erfolge in das Rampenlicht stellte. Wenn P.D. z.B. höhere (auch selbst erfahrene) Zustände beschreibt, so entsteht beim Zuhören oder Lesen der Eindruck, er erzähle über einen anderen Menschen, der diese Erfahrung gemacht habe oder mache. Sucht man nach eindeutigen Aussagen von P.D. im Bezug auf erreichte Ziele, wie z.B. Entrückungszustände, merkt man schnell, dass diese kaum zu finden sind. Über seine Bescheidenheit hinaus dürfen wir sicherlich annehmen, dass er auch andere Aspekte seines Vorgehens im Blick hatte. So schnell wie wir unser Ego bei Erzählungen von unseren Erfolgen in den Mittelpunkt stellen, so schnell übersehen wir hierbei auch die Situation derer, welche vielleicht noch nicht so weit vorgedrungen sind und durch diese Hervorhebung unter Umständen ernüchtert oder auch entmutigt werden können. Erzählen wir z.B. einem zur Zeit traurigen Menschen von unserem "spirituellen Höhenflug", übersehen wir schnell dessen Bedürfnis und Wunsch nach Trost und Fürsorge, stoßen ihn vielleicht noch tiefer in seine Traurigkeit und Einsamkeit. Ganz anders berichtet Monika Debes von P.D.s' Verhalten nach einem erkennbarem Fortschritt: Monika Debes beschrieb ihn nach seiner Rückkehr von der Island Hermitage auf Sri Lanka 1964 als "So sanft und bescheiden". Sein Umgang mit einem erfolgten Fortschritt war der, dass er eben diesen nutzte, um anderen Menschen besser helfen und besser lehren zu können. So wurde sein Fortschritt und sein Erfolg zum Erfolg und zur Wohltat seiner Mitmenschen.

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Weitermachen

03. September 2017



Manch einer geht den Reinheitswandel unter bitteren Tränen.
Hellmuth Hecker, Die Psychologie der Befreiung: der Buddha und die Triebe

Auch einem Guten geht es schlecht,
So lang das Gute nicht gereift;
Ist aber reif die gute Frucht,
Dann geht es gut dem guten Mann.
Dhammapada – Bala

Manche von uns - den Nachfolgern in der Lehre - finden sich im "vorderen Feld" kämpfend, mit Freude und mit für sie gut erkennbarem Fortschritt. Sie schreiten mit Mut und Tatkraft voran, erkennen das Helle und konnten bereits einen starken Willen im Kampf entwickeln. Manche von uns befinden sich im "mittleren Feld", spüren vielleicht weniger Tatkraft als die weiter Vorangeschrittenen, erleben etwas weniger Freude, sind sich der Fortschritte etwas weniger bewusst. Und dann gibt es, wenn man es so nennen möchte, das "hintere Feld", in welchem sich diejenigen befinden, welche HH meint, wenn er von dem Nachfolger spricht, welcher den Reinheitswandel unter bitteren Tränen zu gehen hat. Dies vielleicht, weil trotz der vielen Bemühungen doch viel Leidsames ertragen werden muss und eventuelle Fortschritte dahinter kaum oder gar nicht zu erkennen, zu erfühlen sind.

Gerade hier kann die Frage aufkommen, ob denn Fortschritte überhaupt stattfinden, ob es für denjenigen überhaupt möglich sei, das Endziel zu erreichen. Vielleicht finden viele Rückschläge statt, vielleicht reizen die Sinnendinge scheinbar übermächtig, vielleicht kann das Helle und Heile oftmals kaum - nicht - erahnt werden. Da soll ein Zustand erreicht werden, unter welchem man sich nichts Lebendiges vorstellen kann, von dem man nicht weiß, was er eigentlich wirklich ist und dessen Hinweg man ebenfalls nicht umfassend und klar erkennen kann. Es scheint so zu sein, dass dieser gepriesene, heile Zustand, von dem man nicht weiß, was er ist, irgendwie erreicht werden soll und dies unter Hingabe zu dieser vernebelten Sache und unter Wegwendung von so vielen (scheinbar) wohltuenden Dingen. So erscheint der Kampf zuweilen wie ein Kampf ohne Belohnung, ein Kampf ohne Aussicht auf Gewinn. So scheint es nur diese beiden Optionen zu geben: Das Verbleiben in der leidvollen Situation mit oder ohne Kampf. Und wenn er sich zum Kämpfen entschließt, dann ist er derjenige, der den Reinheitswandel unter bitteren Tränen geht.

Dann kann es sein, dass uns ein Perspektivenwechsel helfen mag, um doch nicht nur weinen zu müssen. Es geht hierbei um die Einstellung, welche uns schon hier "unbesiegbar" macht, welche uns doch schon hier, in den dunklen Tiefen, einen Funken des Nibbana spüren lassen kann. Unsere Unbesiegbarkeit heißt: Weitermachen. Es ist nicht wichtig, wie oft wir fallen, es ist nicht wichtig, wie tief wir fallen. Auch nicht, wie sehr es schmerzt und wie groß die Enttäuschung ist, nicht die größe der Angst, nicht die Erschöpfung, nicht der Schmutz, der an uns hängt. Unabhängig davon, ob wir vielleicht nur noch auf allen Vieren vorwärts kommen, oder ob wir vielleicht, flach am Boden liegend, nur noch kriechen können. Es ist nicht wichtig, ob wir hoffen können und auch nicht, ob das Kämpfen Freude macht. Es ist nicht wichtig, ob wir gesund oder krank sind.

Wir haben nicht verloren, so lange wir nicht aufgeben. Selbst, wenn wir am Boden liegen und nicht mehr einer einzigen Bewegung fähig sind, haben wir nicht verloren, wenn der Entschluss gefasst ist, dann wieder weiterzumachen, wenn es wieder möglich sein wird. Dann kriechen wir wieder und dann stehen wir wieder auf und laufen wieder. Und immer wieder und immer wieder. Es ist diese Einstellung, dieses Denken, welches uns unbesiegbar macht, unabhängig von dem, was da komme. Es kann sein, dass wir fallen - dann stehen wir wieder auf. Es kann sein, dass wir uns besudeln - dann waschen wir uns wieder rein. Es kann sein, dass wir hoffnungslos sind - aber wir sind unbesiegbar. Vieles kann uns in die Knie zwingen, vieles kann uns auf den Grund drücken und dort eine lange Zeit halten - aber es kommt der Zeitpunkt, an welchem wir die Last heben und wieder weitermachen. Wir geben nicht auf; das ist unsere Unbesiegbarkeit. Wir haben Geduld und endlos viel Zeit: Das ist unsere Unbesiegbarkeit. Wir haben, auch wenn wir das Ziel nicht spüren können, verstanden, dass Tugend und Wiederholung des Verstandenen und neues Verstehen und Wandlung uns weitertragen - und das ist es, was wir tun, immer und immer wieder. Und dann den nächsten Schritt.

Es ist diese Einstellung, welche das vinnana formen wird und es ist diese Einstellung, welche im nächsten Dasein vorhanden sein und uns an das Ziel bringen wird. Diese Einstellung ist es, welche uns schon hier Unbesiegbarkeit spüren lässt und welche auch die bitteren Tränen zurückzudrängen vermag.

Weitermachen.

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Naturwissenschaften und dergleichen

10. April 2017



[...] fünf Haltungen gibt es, die schon in dieser Welt
zweierlei Ausgang haben können:
Vertrauen
Faszination
Tradition
über das Wesen von etwas rundherum nachdenken
sich durch Geltenlassen mit einer Ansicht befreunden
M 95 - CANKI


Der Buddha weist uns mit diesen Zeilen darauf hin, dass eben diese fünf Haltungen zweierlei Ausgang haben können; wir können z.B. etwas aus Vertrauen heraus als wahr und richtig auffassen und dies kann (zufälligerweise) auch richtig sein. Aber ebenso kann es (zufälligerweise) auch falsch sein. Ganz ebenso verhält es sich mit allen weiteren Punkten und wir erkennen daran, dass diese nicht als Indiz für wahrhafte Inhalte verwendet werden können, auch wenn unser Gefühl uns dies mit aller Kraft denken macht. Besser wäre es da schon, diese Haltungen als erstes bei uns festzustellen um daran zu merken, dass eben diese Haltung gerade vorliegt und uns zum entsprechenden Schluss gelangen lässt, dass dies aber durchaus ein Trugschluss sein kann. Auf diese Weise nähern wir uns der tatsächlichen Wahrheit bereits einen Schritt weiter an. Betrachten wir uns die Naturwissenschaft und unser Denken, dass diese sich in größter dem Menschen denkbaren Nähe zur Wahrheit befindet, so stellen wir in der Selbstbeobachtung fest, dass alle fünf vom Buddha genannten Punkte hierin enthalten sein können: Vertrauen in die Präszision und Zuverlässigkeit dieser Richtung, Faszination über all die Errungenschaften und scheinbare Wahrheitsnähe, die Tradition, welche vor allem in den letzten Jahrunderten sich manifestiert hat, die Naturwissenschaft zum Religionsersatz zu erheben, das rundherum Nachdenken im Sinne der Idee, alles intellektuell erfasssen zu können und natürlich, so wie es der menschliche Geist nur all zu gerne macht, das Anfreunden mit einer Ansicht durch Geltenlassen. Doch wie weit wir mit den Aussagen der Naturwissenschaft von der tatsächlichen, umfassenden und tiefsten Wahrheit entfernt sind, das erkennen wir erst durch die Auseinandersetzung mit der Lehre des Erhabenen.

Wenn ich mich heute an meine früheren Bemühungen um Erkenntnis erinnere, dann sehe ich im Mittelpunkt stehen die Naturwissenschaft mit all ihren Aussagen und Behauptungen. Sie galt mir als zuverlässig, präzise und außerodentlich wahrheitsgemäß. Ja, sie erschien mir als Mittel der Wahl, um an die Wahrheit gelangen zu können zusammen mit all ihren hochintelligenten Vertretern und seriösen Angestellten. Sie schien so viel zu erfassen und so viel zu berücksichtigen, dass es schier unglaublich war. Ich war fasziniert von der Lichtgeschwindigkeit, der Relativität von Zeit durch verschiedenartige Geschwindigkeit welche alleine anhand von Atommessuhren auf der Erde nachgewiesen werden konnte. Vom Ereignishorziont eines schwarzen Loches und was sich dahinter befand, vom Kollabieren von Masse und Raumkrümmungen und vielem, vielem mehr. Und hinter all dem erhoffte ich mir stets eine Antwort darauf, wie die Welt funktioniere, was in ihr für mich möglich sei und wie ich dadurch zum Glück gelangen könne.

Heute kann ich kaum noch verstehen, dass ich mich darauf eingelassen, und diese Form der Wissenschaft als seriös empfunden habe. Dass ich nicht beachtet hatte - und es heute ohne die Lehre noch immer nicht würde - dass doch alles wahrgenommen ist, dass da noch eine Psyche ist, die bei alldem ihre Finger mit im Spiel hat: Alles in ihren Händen hält. Auf einer ganz weltmenschlichen Ebene kann doch jeder nachvollziehen, dass z.B. das Gehirn, und darin enthalten das Sehzentrum, sich in völliger Dunkelheit befinden. Ja, das Sehzentrum befindet sich sogar im hinteren Teil des Hirnes und somit findet das Sehen, so wie wir es weltlich bezeichnen, überhaupt nicht da statt, wo wir es vermuten, nämlich im Auge. Zwischen Auge und Sehzentrum rasen Informationen hin und her, aber das Licht, welches wir wahrzunehmen glauben, gibt es in dieser Form überhaupt nicht. Das sind alles elektrische Signalübertragungen und/oder chemische Prozesse, die wir mit z.B. LSD leicht beeinflussen können. Von Licht darf hier überhaupt nicht die Rede sein, wenn wir genau sein wollen. Das alles sind Dinge welche in unserem Hirn stattfinden und vom Hirn vorgenommen werden. Und wenn wir den nächsten logischen Schritt tun, dann kommen wir dahin, dass auch das Gehirn an sich nur in der Dimension der Wahrnehmung existiert und dass wir und die Naturwissenschaft keinen einzigen - keinen einzigen! - Beweis dafür haben, dass hinter dieser Wahrnehmung etwas anderes stehe als sie selbst. Stellte die Naturwissenschaft die Frage, wo sie denn selbst überhaupt zu finden sei, dann müsste sie zugeben, dass auch sie nur ein kleiner Teil der Wahrnehmung ist. Und alles was für das Sehen gilt, das gilt auch für alle anderen Sinnesorgane. Jeder, der sich den Film "Matrix" angesehen hat, kann leicht nachvollziehen - auch im wissenschaftlichen Sinne - dass unsere Wahrnehmung hochgradig anfällig ist für Täuschungen in Hinsicht auf ihre Definition von Wirklichkeit und Existierendem. Vielleicht mag der eine oder andere sagen, dass dies nur ein Film sei. Aber die ersten Kameras, welche mit dem Sehzentrum verbunden sind und einen Blinden wieder sehen machen können, laufen bereits.

Und dann ist da noch der Forscher, welcher uns die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse präsentiert. Das was er entdeckt hat; inwiefern ist dies aussagekräftig? Ist er bei seinen Experimenten nicht einer Idee, einer Motivation gefolgt? Ging es vielleicht um Anerkennung, um Faszination oder Erwartungshaltungen? Kann ein Wissenschaftler ohne diese Einflüsse und Eigenschaften überhaupt den Willen entwickeln, in eine bestimmte Richtung zu suchen? Wie viele andere Wege hätte es noch geben können zu überlegen und zu experimentieren und: ist nicht jedes Ergebnis welches nicht dem hohen Gesetz entspricht vergänglich und daher nur für einen ganz bestimmten Zeitpunkt und einen ganz bestimmten Zustand gültig? Die Messung eines Geschehnisses kann doch gar nicht alle Faktoren zuverlässig berücksichtigen, weder in welcher Verfassung der Wissenschaftler das Experiment durchführt, noch inwiefern das Experiment durch das Beobachten - dessen Qualitäten sich ebenfalls auswirken aber dennoch nicht erfasst sind - beeinflusst und verändert (vgl. Doppelspaltexperiment ). Auch wissen sie in großen Teilen nicht, was die genauen Vorausbedingungen für das Experiment gewesen sind, bis auf die wenigen eigenen, bewusst vorbereiteten. Auch dass sich während des Messvorganges Subjekt, Objekt wie auch das Beobachtungsinstrument verändern, wird schnell übersehen. Die Grundeinstellung, ob wir nach etwas Machtschaffendem oder Friedenssicherndem suchen, ist als Einflussfaktor nicht berücksichtigt. Auch nicht, dass jede Entdeckung den Verlauf der Wissenschaft auf seine eigene Weise beeinflusst und einen Abzweig darstellt, der auch ganz anders hätte abzweigen können. Wo sind da eben diese restlichen, überhaupt nicht erwähnten Möglichkeiten zu finden und vor allem; wie kann das Ergebnis auch nur annähernd als solches verstanden werden, welches sich einen Schritt der absoluten Wahrheit genähert hat, wenn es doch nur eine weitere Vertiefung in die Ungenauigkeit darstellt und sich damit von der Wahrheit mehr und mehr entfernt, sich mehr und mehr (in den meisten Fällen) in die Weltgäubigkeit festfrisst?

Und inwiefern berücksichtigt sie die Tatsache, dass wir als Menschen in höchstem Maße manipulierbar sind, in unseren Entscheidungen, in unserem Tun und unserem Wahrnehmen? Selbst der nüchternste Wissenschaftler entscheidet in Reaktion auf seine Gefühle, wie sollte er auch anders. Betrachten wir uns hierbei die Werbung: Viele von uns denken, die Werbung funktioniere hauptsächlich dadurch, dass sie uns die außerordentliche Qualität eines Produktes suggeriere, wieder und immer wieder. Manches mal oder bis zu einem gewissen Grad kann das auch so sein, aber wir übersehen hierbei eine ganz andere Seite: Je öfter wir etwas sehen, je genauer wir es kennen, um so mehr wird es uns vertraut; wir beginnen ihm zu vertrauen, diesem Produkt welches wir schon so oft in unseren heimischen vier Wänden begegnet ist und zum rituellen Abendprogramm im TV einfach dazugehört. Wenn wir durch den Supermarkt gehen und zwischen Produkten entscheiden müssen, tendieren wir in unserer Unsicherheit dahin, das zu wählen, was uns Sicherheit gibt - und dies ist die uns bekannte Sache. Diesen Wirkmechanismus berücksichtigen wir oft nicht und auch der Wissenschaftler, welcher sich mit den psychischen Hintergründen seiner Entscheidungen nicht befasst, versäumt dies. Wie ist es, wenn wir uns in einer schwierigen, kniffeligen Situation befinden, für welche wir eine Lösung finden müssen? Wir greifen auf Vorgehensweisen zurück, welche uns bekannt und vertraut sind: Dahin läuft das vinnana. Doch alleine diese Auswahl von Strategien beeinflusst die Vorgehensweise, betimmt sie regelrecht. Auch ein Wissenschaftler wird in vielen, wenn auch nicht allen Fällen, das ihm gewohnte Instrumentarium verwenden, um sich in seinem Forschugsgebiet weiter vorzuarbeiten. Er wird in komplexen und komplizierten Angelegenheiten kein Werkzeug verwenden, welches er kaum kennt und es erst recht nicht effektiv nutzen kann. Noch dazu kommt, dass sich, wenn wir ehrlich sind, doch alles in Relation zu etwas anderem befindet. Was ist hier schon absolut? Wir besitzen keinen Fixstern, an welchem wir alles messen könnten. Raum ist relativ, Zeit ist relativ, Geschwindigkeit ist relativ. Es gibt nichts wirklich Absolutes, womit wir rechnen können und selbst unsere höchsten Erkenntnisse können angezweifelt und angegriffen werden. Hierbei sei kurz an die Erdscheibentheorie erinnert, deren Anhänger davon überzeugt sind, dass die Erde eine Scheibe ist und dafür Beweis um Beweis anbringen. Und würde uns jemand fragen, ob wir wissen, dass die Erde ein Ball ist, dann müssten wir zugeben, dass wir dies ernsthaft vermuten, den Ball aber noch nie mit eigenen Augen gesehen haben.
Diese Zuverlässigkeit und versuchte "Allwissenheit" bringen es in der Wahrheitsfindung nicht weit, sondern bringen uns nur immer weiter davon ab. Und nun erscheint uns der Erhabene und löst mit einer Aussage - einer Aussage von vielen - die gesamte oben angeführte Problematik der Naturwissenschaft, setzt sie in den für sie angemessenen Bereich, enttrohnt sie. Und beginnt hier mit seiner Lehre. Wenn wir verstanden haben, dass die Substanz, die Dimension in welcher wir uns bewegen Wahrnehmung ist, dann erhält alles, wirklich alles einen ganz anderen Rahmen. Der Rahmen ist derart andersartig, dass die in der Naturwissenschaft gestellten Fragen an Bedeutung verlieren, sich nach und nach als gar vollkommen bedeutungslos zu erkennen geben. Was nutzen mir die Ergebnisse eines Experimentes aus meinem Traum, für was sind sie zu gebrauchen? Wir drehen am falschen Rad, ziehen am falschen Strick, tragen die falsche Angst und schweben in der falschen Hoffnung, erleben unrechte Erlösungen. Doch der Erwachte zeigt uns das zuvor gesuchte, das Wahre und Haltbare, das eben nicht relativierbar ist, das nicht getäuscht werden kann, er zeigt uns das Absolute; das, was sich durch sich selbst beweist. Wenn wir immer wieder verstehen, dass Wahrnehmung sich durch sich selbst beweist und dass dies ein Aspekt der Wahrheit ist, lernen wir die Wahrheit dadurch kennen, ihren Geschmack, ihre Qualität. Da gibt es nichts mehr, was dagegen stehen kann, nichts, was sich dagegen behaupten könnte. Und jene Argumente der Wissenschaft und der "Weisheit" der Moderne, welche zu Beginn noch Lehraussagen in Frage stellen konnten, die stehen nun vor uns als traurige und blassgewordene Invalide, welche sich unendlich schämen müssen vor der gewaltigen Überlegenheit eben dieser Lehraussagen.

Und der Erhabene hört hier nicht auf, sondern beginnt regelrecht genau mit dieser ersten Universalantwort mit der Wahrheit vertraut zu machen, nennt die Qualitäten und Bedingungen der Wahrnehmung, nennt ihre Aufhebung und zeitgleich den Zustand der absoluten Erlösung mit dem dazugehörigen Weg, der für jeden gangbar ist, der Augen hat zu sehen. Da schwinden die Fragen und ganze Komplexe fallen weg wie nie gewesen, scheinen sie zuvor auch noch so unlösbar gewesen zu sein. Es findet ein Dimensionsbruch statt, dessen Ausmaß mit Worten nicht mehr beschrieben werden kann und eine Macht entfaltet sich, welche in ihrer vollen Ausprägung sogar die höchsten aller Gottheiten weit, weit zu überbieten vermag.
Welch ein Unterschied besteht zwischen unserem jetzigen Leben und unserem Leben davor. Wie blind waren wir und wie falsch haben wir gesucht, sind wir gewandelt, haben wir gelebt, ohne Hoffnung auf das wirklich, wirklich Gute. Nun haben wir einen Wegweiser und einen Weg, etwas, von dem wir zuvor nicht wussten, dass es besteht. Wir lernen "uns" kennen und lernen die "Welt" kennen, lernen "uns und die Welt" kennen, beginnen wahrhaft zu verstehen. Wie viel leichter ist es uns bereits jetzt geworden und was steht uns in Aussicht, immer sich steigernd und immer sich erweiternd.
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Angst vor den Anderen

28. März 2017



Am Rande bekommen wir es mit, vielleicht informieren wir uns auch gezielt oder sind selbst in der einen oder anderen Weise davon betroffen: Von der Angst vor dem Ausländer/dem Flüchtling. Und darüber hinaus von den Gedanken derer, die ganz besonders viel Angst und manchmal auch ganz besonders viel Hass in sich tragen. Wir sind schnell erschüttert und fühlen uns erinnert an die Zeiten um 1930, erkennen braunes Gedankengut und menschenfeindliche Zielsetzungen. Und ohne dass wir, oder viele um uns herum das bemerken, kann schnell festgestellt und beobachtet werden, dass auch diejenigen, welche eine Abneigung gegen die rechtsgerichtete Einheit empfinden, sich nicht mehr im Gleichgewicht befinden, eben auch eine ablehnende, vielleicht sogar feindlich gesonnene Einstellung eingenommen haben. Und so entsteht eine weitere Mauer zwischen uns, eine weitere Mauer des Vergleichens und Trennens.
Es fällt uns schwer, Mitgefühl zu empfinden für die jenigen, welche uns an den Holocaust im letzten Jahrhundert erinnern. Dennoch können wir uns fragen, ob das nicht das wäre, was uns allen gut-tun könnte. Vielleicht sind unsere Vorgehensweisen, in welchen wir uns um ein Entgegenkommen und um Kooperationsgespräche mühten, ein Versuch von vielen gewesen, welcher eben nur eine bestimmte Reichweite erlangen konnte. Wie steht es jedoch mit unserer inneren Gesinnung, dem Nährboden, auf welchem Ideen wachsen und später umgesetzt werden? ..."überhebt euch über keinen, gleich weshalb"... empfiehlt der Buddha in Sn 143 - 152 und meint damit eben gerade auch die Wesen, welche uns mit ihrer Einstellung sehr gegen die eigene laufen. Und wie heißt es doch; Wer einen Feind versteht und ihn zum Freund gewinnt, kann diesen heilsam fördern
Es ist schwierig, aber wie wir wissen, tritt bei Gelingen eines wirklichen Mitempfindens eine sehr entspannende und befriedende Wirkung ein; etwas mehr Frieden in unserer Wahrnehmung. Es gibt viele Möglichkeiten der Entwicklung für eine feindliche Einstellung gegenüber Minderheiten oder bestimmten Gruppen. Eine hiervon besteht durch ehemalige Begegnungen, welche zu einer großen Abneigung geführt haben, welche sich mehr und mehr manifestierte. Wenn ich mich, gerade als Lehrnachfolger, ansehe, dann muss ich immer wieder erneut feststellen, dass auch ich einer von denen bin, welche von diesem Thema berührt wurden. Und heute damit umgehen muss. Gerade im Läuterungsbestreben stellt dieser Bereich eine Herausforderung für mich dar, welcher ich mich aktiv und konsequent stellen muss. Hierbei geht es - und es fällt mir nicht leicht dies offen zuzugeben - um meine relative Offenheit gegenüber der "verhassten" Szene. Aber vielleicht mag gerade dies die Möglichkeit eröffnen, den Feind zu verstehen, ihn als Freund zu gewinnen, um ihn dann (auch und gerade innerlich) zum Besseren verhelfen zu können (die dritte Art der Förderung).
Wie kam es zu meiner Offenheit und warum muss ich auch heute noch sehr achtsam damit umgehen? Vor etwa 25 Jahren mussten manche meiner Klassenkameraden und ich eine recht weite Wegstrecke zur Schule und zurück überwinden. Hierbei war es vonnöten, die Busse zu wechseln, durch die Stadt zu laufen und den nächsten Bus zu erreichen. Diese Phasen waren es, welche mein Angstgefüge und meine Weltsicht stark beeinflussten und noch heute deutliche Spuren erkennen lassen. Wir hatten damals Angst. Vielleicht war ich sogar derjenige, welcher die meiste Angst hatte, beinahe jeden Tag auf dem Weg zurück von der Schule nach Hause in das Dorf. Ich hatte Angst im Bus, aber vor allem auch dann, wenn ich ihn verlassen musste. Denn dort, wo kein Schutz mehr war durch eine Autoritätsperson, oder einen großen Bruder oder Freund, dort fand man sich schnell in auswegslosen Situationen wieder. Ein ausländischer Jugendlicher, der bereits einen Blickkontakt nutze, um einzuschüchtern. Ein Ball, den man davor rettete, auf die Straße zu rollen, für dessen Berühren aber keine Erlaubnis ausgesprochen wurde - dafür aber eine ernstzunehmende Rüge vom Türken. Direkt danach eine Abfuhr, weil man den Ball nicht gestoppt und auf die Straße hat rollen lassen. Schläge in den Bauch, ins Gesicht - Backpfeifen oder Faustschläge, Tritte. Bespuckt werden, Kleidung zerrissen bekommen, von einer Hand voll Gegner umringt zu sein, welche einen stoßen, rempeln und beschimpfen. Auch kam ich mit zerschnittener Hand nach Hause - Messer waren wiederholt im Spiel. In der Begegnung körperliches Zittern, Knie aus Butter, Herzschlag, schnelle Atmung. Nach der Begegnung immer noch Herzschlag, Zittern trotz der Erleichterung, dass nun (hoffentlich) alles vorbei sei. Dann der Scham, weil man sich feige fühlt, weil man sich nicht für sich eingesetzt hat, weil man sich hat erniedrigen lassen, die Wut über das eigene Versagen und die Gemeinheit der anderen. Keiner von denen die vielleicht helfen könnten, kommt zur Hilfe. Die Leute gehen an dem Schauspiel vorbei, als würde es nicht zu ihrer Welt gehören, übersehen und vergessen es. Es wird weitergehen. Spätestens am nächsten Tag. Unberechenbar war die Gefahr, sie konnte überall und jederzeit auftauchen.
Die Hilfe, das Verständnis, den Rückhalt welchen ich so sehr vermisste, erfuhr ich das erste mal in meiner Ausbildung. Als jener Junge vor mir stand, der sich mit seinen Freunden zur Wehr setzte, schwarze Springerstiefel und entweder Hemden von Londsdale oder Ben Sherman trug, unter einer schwarzen, inseidig orangen Bomberjacke. Wenn ich mit ihm durch die Straßen lief, schauten die Türken weg, auch wenn sie in der Überzahl waren. Weil sie wussten, dass hier Widerstand wartete. Oder Schlimmeres. Ich fühlte mich das erste mal ernst genommen in meinen Gefühlen, in meinen Ängsten. Auch von "Mitopfern" fühlte ich mich ernst genommen, aber die konnten eben nichts ausrichten. Hier wurde ich auch geschützt, wurde aufgenommen in die Gemeinschaft derer, die eine Gegenkraft darstellten, mich von meiner Ohnmacht und meiner Feigheit befreiten, die sich engagiert für mich einsetzten, hinter mir standen - "Kameraden waren auf dem Schlachtfeld". So nahm ich es damals zumindest wahr.
Zwar spürte ich bald, dass dies kein richtiger Weg sein konnte, denn frei von Gewalt und Angst war ich trotz allem nicht. Eigentlich vermehrte sich nun die Gewalt in meiner Wahrnehmung - die hasserfüllten Lieder, die Parolen, die niemals enden wollende Feindschaft gegenüber den anderen und denen, die nicht genau so dachten. Aber was geschah mit all denen, die nicht das Glück hatten, diese Einsicht erlangen zu dürfen? Mit denjenigen, die bereits so tief in diesem vinnana-Gefängnis saßen, dass ein Ausstieg nicht nur unerwünscht, sondern sogar ein Grund zur Strafe war? Natrülich bestanden auch deren Ängste weiterhin, genau so wie meine. Und sie versuchten und versuchen manchmal noch heute, mit Aggression, Wut und Zerstörung ihr künstliches und trügerisches Sicherheitsgefühl aufrecht zu erhalten, zu bewahren - dieses kleine, zerbrechliche Wesen zu schützen, welches in ihnen auf Hilfe, Schutz und Geborgenheit hofft. Hinter den Springerstiefeln, den gebomten Jacken und der harten Schädelfrisur versteckt sich dieser kleine, verlassene Mensch, dessen Sorgen und Ängste kaum gesehen, geschweige denn wahrgenommen werden. Wie schwierig ist es, einen Menschen, welcher die Lösung für seine quälenden Ängste in der Gewalt und dem Hass gefunden hat, liebevoll aufzunehmen und mit einer schier unendlichen Geduld die Vertrauenswürdigkeit des Wohlwollens zu zeigen - scheint es doch so, dass diese Menschen hierfür nicht den winzigsten Bezug zu besitzen scheinen. Vor diesem Hintergrund die Frage zu stellen, was diesen Menschen im Inneren fehle und hierauf eine wirklich hilfreiche Antwort zu finden, nicht zu bekämpfen sondern Geborgenheit zu schenken, ist eine Fähigkeit welche uns wohl oft genau so häufig fehlt, wie dem Rechten jene, welche zu Akzeptanz und Friedfertigkeit führt.
Und wie ergeht es mir heute mit unseren ausländischen Freunden, wie ist mein Erleben nun gestaltet? Die harten Begegnungen sind stark bis vollkommen zurückgegangen, die Angst ist geblieben. Sobald ich einem Menschen mit anderer Hautfarbe begegne, vor allem aus dem nahen Osten, beschleunigt sich mein Herzschlag. Ich stelle, ohne dass ich dies beeinflussen kann, auf Kampf oder Flucht um, vergesse beinahe die Situation, in welcher ich mich vor einer Sekunde noch befand. Nachts werde ich in meinen Träumen oftmals von ihnen gejagt, immer sind sie in der Überzahl. Sie sind bewaffnet, aggressiv, verfolgen mich wenn ich fortlaufen will. Jedes mal wache ich dann auf, schweißgebadet und irritiert.
Doch wenn ich wieder wach bin, dann kann ich verstehen. Ganz weltlich gesehen, dass auch in ihnen diese Hungerleider sitzen, der Geist verzweifelt versucht, Stabilität zu finden, Zugehörigkeit, Anerkennung. Und dabei so vieles in Kauf nimmt, sich auflädt und später wieder abtragen muss. Dass sie Unwissende sind und sich doch selbst so elend fühlen. Natürlich ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ja bei weitem nicht alle so sind, wahrscheinlich sogar die wenigsten. Dass aber die Angsteinflößer die sind, welche herausstechen, ihren Landsmännern dieses traurige Bild aufbürden und sogar ihre eigenen Reihen schwächen, belasten.
Und ganz so reagiert der ängstliche Deutsche, welcher sich durch ein eigenes Heer kampfesbereiter Kameraden eine Sicherheit erhofft, welche schon aus dem Grund nicht sicher ist, weil sie die "irdische Gesamtsituation" nicht im Blick haben kann.
Trotz all der erschreckenden Erfahrungen - oder gerade wegen ihnen - ist es von großer Bedeutung, diese ganze Sache richtig zu betrachten, versuchen, diese zu verstehen. Da sind diese "Schiffe", welche mir mein Karma, mein einst Gewirktes, wiederbringen, mir meine vorangegangenen Taten in deren Qualität zuführen. Nicht kommt dies von einer äußeren Welt, welche so und so beschaffen ist, nicht gibt es dies alles objektiv und materiell existierend; es sind Eingenschaften des eigenen Herzens, welches über lange Zeiten hinweg von "mir" selbst so gestaltet und gebildet wurde. Weil ich damals noch nicht wusste, wohin meine Taten gehen und vor allem nicht, wo und wie der Ausweg zu finden sei aus dieser Welt der Nichterfüllung. Ich war damals, so wie heute, auf der Suche nach Wohl und Glück, Geborgenheit und Frieden. Ganz ebenso möchte ich heute diejenigen betrachten und erkennen, welche mir Angst machen und auch diejenigen, welche sich durch radikales und hasserfülltes Handeln in Sicherheit zu bringen versuchen.
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Fantasiegeschichte Samuel

19. März 2017



Samuel fröstelte es. Die Straßen waren zugeschneit, von den Dächern hangen spitze Eiszapfen und die Menschen hatten sich hinter heruntergelassenen Rolläden in ihre wohlig gewärmten Wohnungen zurückgezogen. Die Heizung seines alten Opel wärmte noch nicht, dafür war er erst zu kurz unterwegs. "Noch eine halbe Stunde Fahrt, dann erst mal was Schönes zum Essen." Samuel steuerte den Wagen durch das Dorf, dann auf die ebenfalls verschneite Landstraße. Im Dorf hatte er ein paar vorsichtige Bremsversuche vorgenommen, um das Verhalten des Wagens zu testen und stellte dabei fest, dass er zwar rutschte, der Schnee aber noch nicht glattgefahren und daher einigermaßen griffig war. Dennoch, besser etwas langsamer fahren, besser etwas später ankommen als gar nicht. Die verschneite Landschaft wirkt immer wieder märchenhaft, obwohl ich sie schon so oft gesehen habe. So neu und unberührt, überdeckt alles Schmutzige und Dunkle. Samuel verspürte eine kindliche Lust, in den Schneewehen herumzutoben und Höhlen in sie zu graben, so wie er es vor Jahrzehnten oft getan hatte. Wieder fing es an zu schneien und die Flocken flitzten wie kleine Sterne am Wagen vorbei, so wie man es immer in Filmen sieht, wenn Raumschiffe mit Lichtgeschwindigkeit durch das All fliegen. Die Heizung fing an warme Luft zu auszuströmen und Samuel begann sich zu entspannen, begann tiefer in den Sitz zu sacken.

Er bremste sanft ab, um die 60ger-Kurve, deren Geschwindigkeitsbegrenzung er bei trockener Straße als unnötig empfand, sicher durchfahren zu können. Hinter der Kurve Licht; entgegenkommende Fahrzeuge, Fernlicht ausschalten. Samuel nahm sanft den Fuß vom Pedal, um weiter an Geschwindigkeit zu verlieren. Als er um die Kurve rund um den dunklen Fels fuhr, konnte er das entgegenkommende Fahrzeug sehen. "Irgendwie sieht das komisch aus," dachte er und versuchte duch die fallenden Flocken und die umgebende Dunkelheit die Situation zu erfassen. Als ihm dies gelang, erkannte er sofort die Auswegslosigkeit, welcher er mit einem mal ausgeliefert war. Samuel trat reflexartig das Bremspedal durch, mit aufgerissenen Augen und zusammengebissenen Zänen starrte er in das grelle Licht: "Gleich tut es weh, gleich tut es richtig weh..."
Als Samuel nach Momenten der absoluten Stille und vollkommener Dunkelheit wieder begann etwas wahrzunehmen, fühlte er sich benommen, orientierungslos. "Wo bin ich, was ist los hier?" Es schien ihm unmöglich einzuordnen, in was für einer Position er sich befand - liegend? sitzend? Gestreckt oder gekrümmt oder verdreht? Irgendwo her kam Licht, irgendwie war alles voller Schnee. Samuel dachte gar nicht daran, sich zu bewegen, er lag einfach nur da. Oder saß. Was es auch war, er wusste immer noch nicht, wo er sich befand und warum. Und er war schwach, irgendwie zu schwach um auch nur den Kopf zu drehen, zu schwach, um zu rufen. Dann kam der Puls, ein hämmernder, aber durchaus nicht unangenehmer Puls, welcher mit jedem Herzschlag Samuels gesamten Kopf zum Beben brachte und auch die Umgebung zu erschüttern schien. Irgendwas war falsch. "Was ist denn nur los hier?" Samuel war weiterhin benommen. Nicht aufgewühlt, nicht panisch, benommen. Jetzt spürte er die rechte Schulter, seinen Oberkörper. Irgendetwas fühlte sich hart an, hart und unnatürlich. Im Dunkel des Wagens konnte Samuel nichts erkennen, spürte jedoch einen Gegenstand, welcher gegen seinen Körper drückte. Oder vielleicht... Samuel wagte es nicht, diesen Gedanken weiter zu denken, bis dieser sich rücksichtslos durchsetzte, wie ein immer lauter werdender Ton, den man zunächst noch überhören konnte. ...Vielleicht steckt da was in meinem Körper. Vielleicht bin ich verletzt, wirklich wirklich verletzt!
Keine Schmerzen. Kaum Kälteempfinden, nicht einmal ein wirklich unangenehmes Körpergefühl. "Wahrnehmung, alles nur Wahrnehmung, alles vergänglich..." hallte es durch seinem Kopf. Immer wieder hatten sie darüber gesprochen, immer wieder darüber nachgesonnen, das immer wieder beobachtet. "Ich weiß nicht mehr... das... das ist alles nicht so, wie es scheint, ist... ist... ist Wahn, ist gar nicht wie es scheint, ist gar nicht wie es zu sein scheint, ist nicht so, ist nicht so..." Samuel hatte plötzlich das Gefühl, dass es etwas Wichtiges, etwas sehr Wichtiges gab, das er jetzt nicht vergessen durfte. Ihm erschien die Frage nach seiner Lage langsam unwichtig, aber dieses andere, dieses Bedeutungsvolle, das musste er wieder fassen. "Worum ging es noch einmal, was war das, dieses Wichtige?" Und gerade als eine wohlige Wärme anfing sich in ihm auszubreiten, erinnerte er sich an das eine, das Wichtigste und er brachte nunmehr alle Kraft, alle Konzentration auf, um bei ihm zu bleiben, bei diesem hellen Leitlicht, diesem einzig Bedeutungsvollen - der Lehre des Erhabenen.
Während er noch eben seine Körperlage nicht einzuordnen wusste, spürte er nun eine Leichtigkeit im Raum, ein sanftes Hinaufgleiten, zeitlupenähnlich. Warm und sanft war es, golden, fließend. Eine Wahrnehmung, wie er sie bisher noch nicht kennengelernt hatte, die er mit nichts vergleichen konnte. Dennoch bemühte er sich, konzentriert zu bleiben; "Das ist nicht so, auch das ist Täuschung, ist Illusion..." Gerade jetzt schien ihm dies überaus wichtig zu sein, wie eine Weichenstellung, welche für sehr lange - oder alle Zeiten - von größter Bedeutung sein würde. In diesen Gefühlen von Sicherheit, Ruhe und unbekannter Glückseeligkeit wurde es jedoch zunehmend schwieriger, den Geist klar zu halten, sich nicht in den goldenen Schaum fallen zu lassen, nicht zu entspannen und die Ankunft an jenem Ort zu genießen, welcher die ersehnte Ankunft seit ewigen Zeiten zu verkörpern schien. Samuel spürte, wie er mehr und mehr von diesem Schmeicheln eingenommen wurde, welches ihn vollkommen umhüllte, erfüllte und ihn ein wenig daran erinnerte, aus den Tiefen eines Gewässers der Oberfläche entgegenzutauchen in dem Wissen, gleich tief und kraftvoll durchatmen zu können. Zu überwältigend wurde dieses Wohl und er versprach sich, kurz bevor er ihn verlor, kurz vor der Oberfläche, so bald als möglich den Kontakt wieder zu finden, zu halten.
Vor dem strahlend goldenen Hintergrund zogen Nebelschwaden vorbei und zeichneten, zunächst wechselnden Traumbildern ähnlich, weiche Landschaftsszenerien in den Raum. Und Samuel begann, seinen Körper zu fühlen, angenehm, entspannend und dennoch voller Kraft. Es begann bei den Augen, ein Gefühl so wie es aufkommt, wenn man die Augen nach einem langen, anstrengenden Tag endlich schließen darf. Doch kein Nichtsehen trat ein, sondern die Augen schienen sich nun erst zu öffnen, so dass Samuel jetzt erkennen konnte. So breitete sich das Empfinden im Körper aus, dass dieser sich fest anfühlte wie Stahl, jedoch zugleich leicht wie Luft und kraftvoll wie eine Maschine. Kein Hindernis schien mehr machtvoll genug, um ihn zu bremsen oder gar aufzuhalten, keine Gefahr schien es mehr zu geben, welche noch wirklich bedrohlich hätte werden können. Um ihn herum begann sich eine farbenprächtige Natur aufzubauen, verbreitete sich in fließenden Bewegungen. Samuel erinnerte dies an einen anschwellenden Bach, welcher sich geschmeidig um die Biegungen windet, um nach und nach alles mit seinem belebenden Nass zu beleben. Als er früher ein Kind gewesen war, stand er manches mal staunend im Blumengarten seiner Großmutter, unfähig all die umgebende Schönheit in den Blick zu bekommen, wohlig übersättigt von all der Pracht. Ganz ebenso stand er auch nun inmitten von all dem und wieder war Samuel verwundert, begeistert - wortlos vor dem, was er da sah. Da war kein trüber Anblick, kein Unrat, kein Welken und kein Grau in all dem zu entdecken. Die Farben leuchteten und alles, wirklich alles vom zartesten Pflänzchen bis hin zum mächtigsten Baum - schien ihn anzuzlächeln, sich zu ihm zu beugen und ihn in seinem "Königreich" zu begrüßen. Die Luft schmeichelte mit unbekannten Düften welche so betörend waren, dass Samuel darüber hinaus fast die Situation vergaß, beinahe nicht mehr wusste, was in den letzten Minuten - Stunden? geschehen war. Kein Missklang erreichte sein Ohr, jeder Windhauch, jedes Rascheln der Halme mutete an wie ein weicher, wohlwollender Klang, der nur Gutes und Willkommenes berichtete. Samuel versuchte sich daran zu erinnern, wann er so etwas schon einmal erlebt hatte. Dies alles kam ihm so bekannt vor, so vertraut wie ein alter Wohnort, an welchem er bedeutungsvolle und von Leben erfüllte Jahre seines Daseins verlebt hatte.
Ein feines, kaum merkbares Unbehagen stieg in seiner Brust auf und drängte die Buntheit sanft aber bestimmt zur Seite. Das Gespür, dass hier irgendetwas nicht stimme, ganz grundlegend nicht. Und dann dieser Gedanke. Dieser kleine, unscheinbare Gedanke - "Das ist nicht so, Samuel, ist nicht, wie es zu sein scheint..." Samuel bemerkte, dass dieser Gedanke schon die ganze Zeit anwesend war, zunächst noch überdeckt, überspült von all den Eindrücken. Doch nicht verdrängt, nicht überwältigt, nicht ausgelöscht - nicht vergessen. Und dieser Gedanke war es, der sich all dem, was er hier erfuhr, gegenüberstellte, dies nicht einfach gelten ließ, sich dazwischen drängte wie ein kleiner Keil, welcher immer tiefer eingetrieben wird, bis der Spalt nicht mehr zu schließen war sondern drohte, in voller Länge aufzureißen. Samuel spürte, dass dieser Gedanke kein Zurück zulassen würde, dass er sich, ganz im Gegenteil, weiter aufbäumen, weiter um sich greifen würde, bis alles hier Erlebte von ihm eingenommen sein - entlarvt sein würde. "Es ist - Illusion - Samuel, ist Illusion! Ist nicht da, nicht da, wo es zu sein scheint, ist nur Projektion, nur Ein-Bildung, nur Täuschung, Blendwerk, ist nur in der Wahrnehmung da, ist nicht wo anders, wird vergehen, wird Schmerzen bereiten. Vorsicht, Samuel, vor dem Gaukelspiel, vorsicht vor der bösen Täuschung." Samuel spürte den Schauer, welcher ihm über den Rücken lief und die Haare im Nacken aufstellte, spürte, wie sich alles zu verändern begann. Haltlosigkeit, Unsicherheit - das war es, was hier zu sehen war. Leiden und der Weg ins Leiden, tiefes Unglück, was da wartete. "Es gibt noch etwas darüber hinaus, Samuel. Gibt viel Feineres, geh da hin, strebe zum Wahren, da bist Du sicher, Samuel." Plötzlich sehnte sich Samuel inmitten all dieser Pracht nach seinen Freunden, nach denen, welchen er wirklich vertrauen kann, welche zum Höchsten streben, welche auch ihm dabei zur Seite stehen.
"Siehst nicht gerade begeistert aus, mein Freund." Samuel blickte in die Richtung, aus welcher er die Stimme vernommen hatte. Auf einem Hügel, vielleicht 50 Meter entfernt von ihm, erkannte er unter einem majestätischen Olivenbaum eine Gestalt. Er versuchte sie zu identifizieren, aber er war sich einfach nicht sicher, wer dies sein könnte. Da er sein Gegenüber nicht anstarren wollte, warf er einen Blick zum Horizont. "Nein, ich weiß gerade nicht, was ich von all dem hier halten soll," dachte er etws kleinlaut. Er kniff die Lippen etwas zusammen und bewegte den Arm in einem Bogen um seine rechte Seite, als wolle er mit seiner Hand einen Vorhang aus dem Blickfeld schieben, um eine dahinterliegende Welt zu enthüllen. "Das wird nicht mehr lange dauern, bis Du das weißt." Wieder die Stimme aus der Richtung des alten Olivenbaumes. Samuel wunderte es nicht, dass er auf seine Gedanken eine Antwort erhielt und noch weniger, dass er sein Gegenüber, trotz der weichen und sanften Stimme, über eine so große Entfernung so deutlich hören konnte. Als ihm der Gedanke aufkam, seinem Gesprächspartner gerne gegenüberstehen zu wollen, sah er auch schon in die hellen Augen eines ihm beinahe - beinahe unbekannten Gesichtes. "Du bist gerade erst hier angekommen, es gibt das eine oder andere, das Dir neu erscheint." Im Gesicht erschienen kleine Grübchen neben den Mundwinkeln und das Lächeln ließ die Augen wie kleine Halbmonde erscheinen. "Ruhe Dich ein wenig hier aus, unter diesem Baum. Lass das alles auf Dich wirken, das ist vollkommen in Ordnung. Dein Gedanke, der eben Dich und diese Welt erschütterte, wird Dir nicht verloren gehen; er wird Dich immer wieder finden, wird Dich begleiten, beraten und beschützen. Und er wird Dir gut tun, von mal zu mal mehr. Für Dich gibt es keinen Rücksturz mehr, Du bist sicher, endgültig." Samuel sah sein Gegenüber mit weit geöffneten Augen und offenstehendem Mund an. "Wie willst Du das wissen, wir haben uns doch gerade erst kennengelernt..." "Wer weiß, Samuel. Du hast noch etwas Zeit, um wirklich zu Dir zu kommen, entspanne Dich hier, mach es Dir wohl und angenehm. Marie wird gleich hier eintreffen, nach menschlichem Zeitmaß sind seit Deinem Unfall etwa 25 Jahre vergangen. Du wirst Deine Frau in kurzer Zeit hier begrüßen und ihr werdet zusammen diesen Bereich erkunden. Ihr werdet gemeinsam viel lernen und immer tiefer in Glückseeligkeit eintauchen, euch staundend diese Welt erobern, um sie dann zu übersteigen. Ganz so, wie du vor Jahren Deine Welt überstiegen hast. Und ihr werdet die Lehre tiefer kennenlernen und verstehen, immer tiefer." Mit diesen Worten entschwand das Wesen und Samuel blickte wieder zum Horizont, seinen Atem spürend, weil er ihn spüren wollte. "Nicht mehr lange," dachte er zufrieden und erinnerte sich freudig an das, was außerhalb von all dem lag, an das Ungeschaffene, den Frieden, das Erlöste.
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Mārā parisā - Dämonen und ihre mögliche Beeinflussung

05. Februar 2017



Mārā parisā, das sind böse Geister, Dämonen, Vampire, Lemuren der Mythologie, welche die Menschen belästigen und verführen.
Für den Menschen unsichtbar, kämpfen Engel und Dämonen darum, die Menschen zu beeinflussen, zu besetzen und zu lenken - die Engel zum Guten, die Dämonen zm Bösen. Durch üble Gesinnungen zieht der Mensch üble Geister heran und ist dann ihren Einflüsterungen ausgesetzt (vgl. BEGRIFFE DER BUDDHAREDEN MIT ERKLÄRUNG von PD, S. 166).

Dämon (Zum Vergrößern das Bild anklicken)
Dies haben wir oft nicht im Bewusstsein, dass um uns herum ein Kampf stattfindet. Ein Kampf, in welchem es darum geht, uns zu beeinflussen, von der einen Seite her im wohlwollenden Sinne, von der anderen Seite her im übelwollenden Sinne. Und dass wir diesen Kampf darüber hinaus selbst beeinflussen, durch unser Denken, Reden und Handeln. Dass der Mensch "persönliche Schutzgeister" habe und dass auch andere himmlische Wesen sich um ihn bekümmerten, sagt und der Erwachte in A XI,16, D 16 und anderen Stellen. Von denselben schützenden wie schädlichen Einflüssen durch Geister ist auch in den christlichen Evangelien die Rede bis zu den von Dämonen "Besessenen", bei welchen Jesus öfter die Dämonen ausgetrieben hat (vgl. PAUL DEBES BEANTWORTET FRAGEN Band 1 S. 351). Weiter antwortet Paul Debes auf S. 369 im genannten Band: "...Wer überhaupt solche Einflüsse merkt, wird es dennoch, wie Sie mit Recht sagen, schwer haben zu beobachten, ob es sich um törichte, gelangweilte Geister handelt, die sich irgendwie im Menschen ausleben wollen, oder gar um ausgesprochen bösartige mit der absicht, den Menschen übel zu beeinflussen..."
Helmut Lungenschmid berichtet von seinem Sterbeerlebnis, dass die Mutter Gottes ihn über die Beeinflussusng Jenseitiger, Dämonen, unterrichtet und sogar entsprechende Szenen gezeigt habe. Er sprach den heutigen, sehr versteckten und getarnten Holokaust an, den die meisten von uns nicht sehen und nicht entlarven. Überall auf der Erde, auch hier in der BRD, werden jedes Jahr viele tausend Menschen auf grausame Weise hingerichtet. Ihnen wird das Recht auf Leben verweigert, ja, ihnen wird abgesprochen, überhaupt Mensch zu sein. Uns erinnert dies an den Holokaust in den Kriegsjahren Anfang des letzten Jahrhunderts, dennoch ist der heutige bereits zahlenmäßig der Überlegene. Diese Menschen versuchen zu entkommen, durchstehen furchtbare Ängste und schreien verzweifelt, bevor sie letztlich zerrissen und zerdrückt werden, manche werden auch vergiftet. Am 26. April 1974 gab es hierfür den offiziellen Startschuss und Tag für Tag wächst die Zahl der Ermordeten. Helmut Lungenschmid durfte beobachten, was bei einem Schwangerschaftsabbruch geschieht. Er beschrieb, dass der Schrei (vgl. the silent scream, Bernard Nathanson, 1984) für uns nicht hörbar sei, dass er aber das gesamte Universum durchdringe. Genau zu diesem Zeitpunkt feierten die Dämonen in der Hölle, den Abbruch zum Anlass nehmend, ein Fest. Sie seien angekettet, jedoch werde einer dieser Dämonen bei einem Abbruch freigelassen und geselle sich sofort zu der Person, welche den Abbruch veranlasst habe. Von dort aus, so fährt Lungenschmid fort, versuche der Dämon diese Person und auch deren Kontaktpersonen, also das Umfeld, zu beeinflussen. Die Beeinflussung findet vor allem in der Form statt, dass Gedankenmuster und Assoziationen manipuliert werden, ganz ähnlich in der Weise, wie es auch die Werbung tut.
So können wir uns erahnend vorstellen, in welcher Weise Dämonen arbeiten und in welcher Form sie bei uns ansetzen. Wir stellen uns den Dämon oft furchterregend und angsteinflößend vor und es mag auch solche Erscheinungen geben. Die Dämonen jedoch, welche uns zu beeinflussen versuchen, diese, welche sich wahrscheinlich im Kampf mit den helleren Wesen befinden, verfolgen eine bestimmte Absicht, nämlich eine bestimmte Handlungsweise unsererseits zu erreichen, welche uns wiederum in das Verderben rennen lassen und ihnen einen Grund zum Feiern geben. Paul Debes beschreibt diejenigen Menschen, welche sich zum Dämon entwickeln, als bösartige Wesen, welche jedoch nicht dumpf-tierisch handeln, sondern mit Raffinesse die anderen zu ihrem eigenen Vorteil zu manipulieren trachten. Übernehmen wir dies, können wir uns ein genaueres Bild in der Vorstellung konstruieren. Dann können wir erahnen, dass diese Art Dämon ebenfalls raffiniert und nicht offensichtlich erschreckend vorgeht. Es heißt, der größte Trick des Teufels sei es, die Menschen glauben zu machen, dass es ihn nicht gäbe. Nicht der Widerspruch und die offensichtliche Verlockung scheint die Strategie zu sein, sondern ein Verhalten welches uns z.B. Lösungsansätze bietet, welche uns gut zu tun scheinen. So könnten hier Worte wie "legitimieren" oder "bagatellisieren" und weitere, treffende Beschreibungen sein.
Der Erwachte und auch andere Weise sagen, dass wir uns in einer Abwärtsentwicklung befinden, welche im bekannten Messerstichzeitalter ihren Höhepunkt finden wird. Wollten wir einmal die Phantasie laufen lassen und auf die Frage eingehen, wie dunkle Jenseitige es fertigbringen wollten, möglichst viele Menschen in den unteren Bereich zu befördern, zu locken, dann wäre der folgende Ansatz eine Möglichkeit hierfür; gerade Wirklichkeitssucher sind anfällig dafür, dass unschlüssige und dogmatische Inhalte hinterfragt werden. Wie könnte dieser Schritt in umfassender Weise umgesetzt werden, so dass eine möglichst große Anzahl von Menschen anfällig werden für Manipulationen? Möglicherweise durch einen sich forsetzenden Holokaust, welcher als solcher gar nicht erkannt bzw. ernst genommen wird? Könnte das Untergraben von Religion auf der einen Seite und die "handfeste und sichtbare" Beweisstrategie der Naturwissenschaft dazu führen, dass das Jenseitige hinterfragt, ja vielleicht sogar verleugnet, aber in jedem Fall kaum noch ernst genommen wird? Gerade von der wahrheitssuchenden Naturwissenschaft? Und dabei ist doch gerade diese ausgerichtet auf das Wohl der Menschen, auf die Vereinfachung des Lebens, auf die Verlängerung des Lebens - also auf das Gute, so scheint es. Und ist es nicht dann die Religion, die Jenseitskunde, welche immer mehr zu erst in Frage gestellt und dann vergessen wird? Der größte Trick des Teufels ist es, die Menschen denken zu lassen, dass es ihn nicht gibt. Paul Debes schreibt in MEXI, Band 1 auf der ersten Seite ab der ersten Zeile davon, wie wichtig es ist, das ganze Leben erkennen zu können, zurückzutreten "mit dem Rücken zur Wand" zu stehen. Gerade dies ist es, woran uns die derzeitige allgemeine Entwicklung hindert, vor allem die materialistische Naturwissenschaft, der Stellvertreter für realitätsnahe Erkenntnis als Ersatz für Religion. Unsere Vorstellung von dem, was wir benötigen um glücklich sein zu können und unsere Vorstellung davon was wir tun müssen, um dies zu erreichen, lässt uns auf Pfaden wandeln und irren, welche uns weiter, immer weiter wegführen von Besinnung, Beruhigung, Wahrheit. Wie PD oft wiederholt, rechnen wir nur noch mit dem diesseitigen Leben, kaum noch mit dem jenseitigen. Dies alles aber steht uns im Rücken, diese Gegner können uns unbemerkt angreifen, während wir ihnen blind und taub ausgeliefert sind. So erfüllen wir dies, worüber PD bereits auf der ersten Seite von MEXI schreibt, kaum in der geringsten Form, sind Augenblicksmenschen, keine Zeitmenschen und erst Recht keine Ewigkeitsmenschen. Mann könnte beinahe sagen, die Pforten zur Unterwelt sind weit geöffnet und wir laufen arbeitswütig, tippend und touch-screen-wischend, fernsehsehend und illustriertenlesend, blind durch diese Pforten, verspotten zeitglich die Tatsache der jenseitigen Gegebenheiten. Und wir tun dies nicht widerwillig, nicht gegen unseren Willen. Wir tun dies, weil wir denken, dass hier unser Heil zu finden sei und sind hierzu beeinflusst durch die Raffinessen der dämonischen Wesen. Nicht ausschließlich, aber doch, mit Sicherheit, nicht unmaßgeblich.
Wäre dies nicht eine strategisch geschickte Vorgehensweise? Eine Vorgehensweise, welche nur geringste Widerwehr erzeugen würde? Eine Vorgehensweise, welche dem Menschen unter anderem einredet (und ihn sich genau aus diesem Grund als hochsinnig und intelligenz fühlen lässt), dass unser Wille frei sei und dass bestimmte Taten keine Folgen haben würden? Dass Tugend etwas sei, was vernachlässigt werden darf, weil wir es heute besser wissen und sie veraltet sind? Weil sie uns denken lässt, dass wir auf intelligente und fortschrittliche Weise unser Schicksal durch unser Schaffen in die Hand nehmen könnten?
Sicherlich entspringen diese Gedanken zu Teilen der Phantasie und der Plausibilitätserklärung. Aber wir wissen, dass es diese Strategien gibt, da wir sie selbst erfahren und erfahren haben. Und wie fest sich manche Ansichten manifestieren können, wissen wir auch aus eigener Erfahrung und so können wir sagen, dass es Sinn macht, bereits den Anfängen mit Vorsicht zu begegnen und immer wieder in unser Bewusstsein einpflanzen, dass es Wesen gibt, welche uns zu unserem Nachteil beeinflussen wollen - im Diesseits wie im Jenseits.
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Sanftmut im Konflikt

28. Januar 2017



Hin und wieder finden wir uns in Situationen wieder, in welchen die unseren und die Interessen der oder eines anderen stark miteinander kollidieren. Manchmal geschieht dies noch zusätzlich in der Form, dass wir diese Situation nicht ganz so einfach verlassen können und die Konfrontation aufrecht erhalten bleibt. Ein Beispiel für so einen Fall wäre eine Meinungsverschiedenheit zwischen Arbeitnehmer und Vorgesetzten, welche sich auf stark oder massiv unerfüllte Bedürfnisse bezieht. So finden wir uns in der Situation, dass wir etwas geändert haben müssen, da wir sonst vielleicht krank werden würden. Auf der anderen Seite würden sich bei dieser Veränderung strategische Nachteile für den Vorgesetzten oder die Leitung ergeben. Durch solch eine Situation sind wir oftmals "gezwungen" zu handeln und auch taktisch vorzugehen.
Hier können wir jedoch bereits im Ansatz entscheiden, was unsere zwischenmenschliche Zielsetzung hierbei ist. Schnell fühlen wir uns von der Situation oder dem Vorgesetzten bedroht und sehen plötzlich Gegner und gefährliche Feinde. Es kann sogar so weit gehen, dass wir den Eindruck haben, der andere wolle uns absichtlich schädigen, weil er uns als Mensch einfach nicht mag oder weil wir nicht in seine Pläne passen. Beinahe könnte man von so einer Situation sagen, dass der Eindruck eines Kampfes um Leben und Tod bestehe. Und so kommt es nur all zu oft vor, dass Menschen - und auch Lehrnachfolger - sollten sie nicht vor der Situation fliehen, eine Position der Gegnerschaft einnehmen und daher planen, dem anderen in irgendeiner Weise Schaden zuzufügen oder zu beweisen, dass man sich nicht besiegen lässt.
Wie oft es so etwas gibt, wissen wir aus eigener Erfahrung. Wir alle kennen die Aussage wie "Das lass ich mir nicht Gefallen, der wird sehen, was er davon hat." Oder "Dem werd ich's zeigen, da hat er sich den Falschen ausgesucht." Wie könnte, in diesem konstruierten Beispiel, eine lehrgemäße Vorgehensweise aussehen?
Einerseits ist es in einer Situation, welche jemanden überfordert und auslaugt, sehr wichtig, sich zu schützen. Effektiv aber auch angemessen. Wer sich jetzt aber beispielsweise trotzig oder rachsüchtig mithilfe von Krankmeldungen "schützen" wollte, der würde gerade hierdurch nicht angemessen handeln. Wer aber die Krankmeldung als tatsächlichen Schutz sieht, welcher auch dazu dient, eigene zielführende Techniken zur Verbesserung der Arbeitssituation zu entwickeln - und dies vielleicht auch mit professioneller Hilfe in Form von Therapeuten, Integrationshelfern etc., dient nicht der Rachsucht, sondern sucht im besten Fall nach win-win-Lösungen.
Mit Sicherheit wird es schnell schwierig werden können, diese Einstellung aufrecht zu erhalten. Beispiel hierfür wäre eine Situation, in welcher wir merken dass wir "Überhand" gewinnen, dass wir z.B. dem Vorgesetzten vor rechtlichem Hintergrund ganz klare Grenzen setzen oder ganz bestimmte Erwartungen durchsetzen können. Hierdurch verändert sich unsere Machtposition und es können Gefühle des Triumpfes entstehen, also Gefühle des Gewinnens und das heißt Gefühle der Gegenerschaft. Wir haben den anderen in einem oder mehreren Punkten "besiegt". Daher ist es nach jedem solcher Erfolge, sollte es zu einem "Triumpferlebnis" kommen, wichtig inne zu halten und sich darauf zu besinnen, dass das Ergebnis der Sache für beide, für mich und den anderen, gewinnbringend sein soll.
Hilfreich können hierbei, wie so oft, die Drei Anblicke der Gleichheit und Einheit sein (vgl. MEDITATION NACH DEM BUDDHA, S. 277), so wie deren Handhabung. Wenn dies ein Wesen ist, das nach Wohl und Glück, Geborgenheit und Frieden sucht, ganz ebenso wie auch ich nach Wohl und Glück, Geborgeneheit und Frieden suche, dann muss seine Vorgehensweise eben diesem Wollen entsprechen. Es ist die Ansicht dieses Wesens, sein Nichtwissen, welches es in dieser Form versuchen lässt, sein Glück zu erreichen. Noch dazu können wir uns durch diese Anblicke in das Wesen hineinversetzen, denn wenn es so denkt und spricht und handelt, dann muss es vieles geben, was diesem Wesen Leid zufügt, Leid, welches es durch sein Vorgehen zu beseitigen Versucht. Wie viele Wünsche, Hoffnungen, Sorgen, Verletzungen, Ängste und Unsicherheiten mag wohl dieser Mensch mit sich herumtragen und wie lange wird dies bereits so sein? Ist es nicht so, dass beinahe jeder übelhandelnde Mensch es zuvor mit sanfteren Methoden versucht hat, diese ihm aber nicht halfen? Was musste er erfahren, dass er nun in dieser Weise vorgeht, dass er auf diese Weise sein Glück zu erreichen trachtet? Er befindet sich auf seinem verzweifeltem Weg durch den Samsara, wandert hierbei durch alle Daseinsformen und Daseinsbereiche, kennt den Ausweg nicht, muss weiterirren und wird so wie er es versucht, niemals die tatsächliche Situation "erleben", angekommen zu sein, nichts weiter tun zu müssen, weil alles, wirklich alles nun gut ist.
Oft gelingt es uns nicht, diesen Anblick in Momenten großer Anspannung aufrecht zu erhalten und wir sind bereits wieder in ganz anderen Strukturen gefangen. Aber sobald wir wieder alleine sind, wenn wieder etwas Ruhe eintritt und auch etwas mehr Entspannung, können wir wieder dort hin gelangen dass wir denken: "Im Sinne der Lehre will ich ja denken, reden und handeln, will mir und anderen doch Gutes tun."
Und hier auch finden wir den Sanfmut, welchen wir in uns wirken lassen wollen; Sanfmut ist ein Ertragen voller Milde und darüber hinaus ein Wirken voller Milde:

Sanftmut

Die Sanftmut gibt sich leis und lind,
sie ist der Ruhe liebstes Kind.
Im Fließen macht sie alles rund,
beschwichtigt, glättet, heilt was Wund.

Wie Schmetterling mit Flügelschlag,
sie Dinge nur berühren mag.
Wie Frühlingsluft, wie Seide fein,
hüllt alles sie in Milde ein.

Ihr kann nichts Hartes widersteh'n,
sie weiß es sachte zu umgeh'n.
Sie ist des Alltags Glanz und Schein -
bringt Leichtigkeit in ihn hinein.

M
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Bitte höre, was ich nicht sage!

08. Januar 2017



Oft sprechen wir davon, dass wir andere Wesen ernst- und vor allem wahrnehmen wollen. Wir möchten ihre Bedürfnisse erkennen und geduldig und liebevoll mit ihnen umgehen, möchten ihnen zum Besseren verhelfen, ganz im Sinne der vom Erhabenen genannten vier Arten des Gebens; Geben von Materiellem (dies ist die primitivste Form), liebevolles, verständnisvolles Begegnen, den anderen annehmen, aufnehmen, innerlich fördern und zum Besseren verhelfen und zuletzt die höchste Form des Gebens, Metta zukommen lassen. Manchmal ist dies schwierig, gerade wenn uns ein Verhalten befremdet oder vielleicht sogar abstößt. Vielleicht benimmt sich unser Gegenüber auch abweisend, obwohl wir versuchen, ihm entgegenzukommen und ihn zu verstehen.
Es kann vorkommen, dass uns manch ein Mensch begegnet, der seelische Verletzungen mit sich trägt, Ängste und Befürchtungen, welche zu einem für die meisten sehr fremdartigen Verhalten führen. Ein solcher Mensch hat den nun folgenden Text verfasst, welcher uns vielleicht ein wenig dabei helfen mag, ihn besser zu verstehen. Der Schreiber ist unbekannt, jedoch kann jeder der dies möchte, nach der Lektüre suchen, welche das Schriftstück beinhaltet:
Aus: Tobias Brocher: Von der Schwierigkeit zu lieben, Maßstäbe des Menschlichen.
Band 8/1957 Kreuz Verlag Stuttgart und Berlin. Wiedergegeben in Heinz Körner:
Johannes. Seiten 84-86. copyright lucy körner verlag, ISBN 3-922028-004. "Bitte höre,
was ich nich sage" stammt nicht von Tobias Brocher selbst, sondern wurde ihm von
einem unbekannten Studenten überreicht.

Bitte höre, was ich nicht sage!
Unbekannt

Bitte höre, was ich nicht sage! Lass dich nicht von mir narren. Lass Dich nicht durch das Gesicht täuschen, das ich mache, denn ich trage Masken, Masken, die ich fürchte, abzulegen. Und keine davon bin ich. So tun als ob ist eine Kunst, die mir zur zweiten Natur wurde. Aber lass Dich dadurch nicht täuschen. Ich mache den Eindruck, als sei ich umgänglich, als sei alles heiter in mir, und so als brauchte ich niemanden. Aber glaub mir nicht! Mein Äußeres mag sicher erscheinen, aber es ist meine Maske. Darunter bin ich, wie ich wirklich bin: verwirrt, in Furcht und allein. Aber ich verberge das, ich möchte nicht, dass es jemand merkt. Beim bloßen Gedanken an meine Schwächen bekomme ich Panik und fürchte mich davor, mich anderen überhaupt auszusetzen.

Gerade deshalb erfinde ich verzweifelt Masken, hinter denen ich mich verbergen kann: eine lässige Fassade, die mir hilt, etwas vorzutäuschen, die mich vor dem wissenden Blick sichert, der mich erkennen würde. Dabei wäre dieser Blick gerade meine Rettung. Und ich weiß es.

Wenn es jemand gäbe, der mich annimmt und mich liebt. Das ist das einzige, das mir Sicherheit geben würde, die ich mir selbst nicht geben kann: dass ich wirklich etwas wert bin. Aber das sage ich Dir nicht. Ich wage es nicht. Ich habe Angst davor.

Ich habe Angst, dass Dein Blick nicht von Annahme und Liebe begleitet wird. Ich fürchte, Du wirst gering von mir denken und über mich lachen. Und Dein Lachen würde mich umbringen. Ich habe Angst, dass ich tief drinnen in mir nichts bin, nichts wert, und dass Du das siehst und mich abweisen wirst.

So spiele ich mein Spiel, mein verzweifeltes Spiel: eine sichere Fassade außen und ein zitterndes Kind innen. Ich rede daher im gängigen Ton oberflächlichen Geschwätzes. Ich erzähle Dir alles was wirklich nichts ist und nichts von alledem, was wirklich ist, was in mir schreit, deshalb lass Dich nicht täuschen von dem, was ich aus Gewohnheit rede.

Bitte höre sorgältig hin und versuche zu hören, was ich nicht sage, was ich gerne sagen möchte, was ich aber nicht sagen kann. Ich verabscheue dieses Versteckspiel, das ich da aufführe. Es ist ein oberflächliches, unechtes Spiel. Ich möchte wirklich echt und spontan sein können, einfach ich selbst, aber Du musst mir helfen. Du musst Deine Hand ausstrecken, selbst wenn es gerade das Letzte zu sein scheint, was ich mir wünsche. Nur Du kannst mich zum Leben rufen.

Jedesmal, wenn Du freundlich und gut bist und mir Mut machst, jedesmal, wenn Du zu verstehen suchst, weil Du Dich wirklich um mich sorgst, bekommt mein Herz Flügel, sehr kleine Flügel, sehr brüchige Schwingen, aber Flügel!

Dein Gespür und die Kraft Deines Verstehens, geben mir Leben. Ich möchte, dass Du das weißt. Ich möchte, dass Du weißt, wie wichtig Du für mich bist, wie sehr Du aus mir den Menschen machen kannst, der ich wirklich bin, wenn Du willst.

Bitte, ich wünschte Du wolltest es. Du allein kannst die Wand niederreißen, hinter der ich zittere, Du allein kannst mir die Maske abnehmen. Du allein kannst mich aus meiner Schattenwelt, aus Angst und Unsicherheit befreien, aus meiner Einsamkeit.

Übersieh micht nicht. Bitte übergeh micht nicht! Es wird nicht leicht für Dich sein. Die langandauernde Überzeugung, wertlos zu sein, schafft dicke Mauern. Je näher du mir kommst, desto blinder schlage ich zurück. Ich wehre mich gegen das, wonach ich schreie. Aber man hat mir gesagt, dass Liebe stärker sei als jeder Schutzwall und darauf hoffe ich.

Wer ich bin, willst Du wissen? Ich bin jemand, den Du sehr gut kennst und der Dir oft begegnet.

-Unbekannt. Bitte höre was ich nicht sage!

Sicherlich ist es für uns wichtig zu erkennen, dass der Verfasser dieses Textes nicht die rechte Anschauung besitzt und daher Schlussfolgerungen zieht, welche nicht zutreffend und auch nicht hilfreich sind. Es liegt natürlich in seiner Verantwortung, mit seiner Situation richtig umzugehen, so wie es bei uns allen auch der Fall ist. Wir können ihm helfen, aber wir sind nicht verantwortlich für seine inneren Veränderungen - das ist jeder für sich selbst. Aber es soll hierbei nicht primär um Verantwortlichkeiten gehen sondern darum, andere Wesen erkennen und verstehen zu können, Mitgefühl und Geduld entwickeln zu können.
Sollten wir zu solch einem Wesen Zugang gefunden haben, werden wir, in aller Geduld und ohne jeden Druck, in sanfter und wohlwollender Weise, dieses Wesen zur rechten Anschauung führen, oder wenigstens den einen oder anderen hilfreichen Inhalt vermitteln können. Sicherlich wird es uns helfen, wenn wir keine Ziele erreichen wollen außer dieses, dass wir diesem Wesen wohlwollend in Gedanken, Worten und Taten begegnet sein werden.
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Überforderung und Gangart

30. November 2016



Der Erhabene sprach zu dem seitwärts sitzenden Hausvater Anāthapindiko:
"Wenn das Herz eine falsche Gangart hat, dann läuft auch das Wirken mit dem
Körper, mit der Sprache, mit dem Geist falsch. Wessen Wirken mit Körper,
Sprache, Geist falsch läuft, der hat keinen guten Tod, kein gutes Sterben. - Das
ist, Hausvater, wie bei einem schlecht gedeckten Giebelhaus: da wird der First schlecht,
die Dachbalken werden schlecht und auch die Mauern werden schlecht. - Hat aber das
Herz keine falsche Gangart, dann läuft auch das Wirken mit dem Körper, mit der
Sprache, mit dem Geist nicht falsch. Wessen Wirken mit Körper, Sprache, Geist
keine falsche Gangart hat, der hat einen guten Tod, ein leichtes Sterben. - Das ist wie bei
einem gut gedeckten Giebelhaus: da wird der First nicht schlecht, die Dachbalken werden
nicht schlecht und auch die Mauern werden nicht schlecht."

Von Zeit zu Zeit kann jeder von uns - der eine mehr, der andere weniger - bei sich selbst feststellen, dass es Situationen gibt, in welchen es uns nicht mehr möglich ist, wirklich zielführend zu entscheiden und zu handeln, obwohl wir uns aufrichtig darum bemühen. Darüber hinaus kann es auch sein, dass es uns nicht mehr gelingen will, heilstauglich vorzugehen, auch wenn dies unsere wirkliche Absicht ist. Sehr oft sind dies Situationen der Überforderung. Wir sind überfordert, die Ansprüche reizen unsere Kompetenzen übermäßig aus und wir sind hierdurch, weil wir keine adäquate Lösung mehr finden können, überfordert. Diese Situationen können von außen an uns herantreten, sie können aber auch, wie ja letztlich auch die erstere Situation, selbstgeschaffen sein. Dann nur mit einer kürzeren karmischen Wirkdauer.
Doris Wolf schreibt hierzu: "(...)Den meisten Stress machen wir uns selbst, indem wir mehr von uns verlangen, als wir zu geben in der Lage sind. Wir setzen uns unter Termin- und Leistungsdruck, indem wir uns sagen:"Ich muss dieses oder jenes erledigen, in den Griff bekommen - und das am besten sofort." Oder aber wir sagen Angeboten zu, die wir nur schwer einhalten können. Wir erlauben anderen, uns Aufgaben aufzuladen, weil wir vielleicht Angst haben, Nein zu sagen. Wir wollen alles perfekt machen und fordern von uns, keinen Fehler machen zu dürfen. Wir wollen es anderen immer Recht machen, um von ihnen Anerkennung und Lob zu bekommen. Die Folgen: Überforderung und ein enormer Erwartungs- und Erfolgsdruck, die jedoch hausgemacht sind. (...)"
Die unausweichliche Folge einer Überforderung ist, dass wir an der Aufgabe scheitern müssen. Wenn sich die Überforderung auf eine heilstaugliche Lehrnachfolge bezieht, dann wirken sich die daraus resultierenden Konsequenzen unter Umständen recht tragisch aus. Daher stellt sich die Frage, wann eine Überforderung entsteht und wie wir damit umgehen können.

Auch der Buddha spricht diese Situation nochmals in anderem Zusammenhang an: So kann die Saite einer Sitar zu straff oder zu schlaff gespannt sein. In beiden Fällen entstehen Misstöne, darüber hinaus kann die Saite bei zu starker Spannung sogar reißen. Schwierig, eine Überforderung zu erkennen, macht es auch der Umstand, dass sie zum einen fließende Grenzen zu einer hohen Antrengung hat, auf der anderen Seite aber auch manchmal gar nicht erkannt werden soll/will. Oft fällt es uns schwer zuzugeben, dass wir uns in einer Überforderung befinden - scheint diese doch auf eigene Schwächen hinzuweisen. Aber auch die Konsequenzen welche sich aus dem Zugeben ergeben, stellen sich für viele als sehr unangenehm dar. Wenn eine tatsächliche Überforderung stattfindet, welche erst duch die Beendigung einer Problematik enden kann, so ist es eben angemessen, dieses Thema zumindest für einen gewissen Zeitraum ruhen zu lassen, die Anstrengungen zu reduzieren oder ganz abzuschließen. Gerade wenn uns an einer Sache aber etwas liegt, wenn wir daran hängen, fällt dies sehr schwer. Und unser Engagement welches wir bisher investierten lässt erkennen, dass genau dies der Fall ist, dass wir an der Sache hängen. So kommt es schnell zu Erklärungen, welche das Phänomen der Überforderung umgehen, welche andere Gründe für die Situation angeben, welche ein bestimmtes Verhalten legitimieren oder ebendiesem eine absolute Notwendigkeit zuschreiben. Dennoch, eine Überforderung führt über kürzer oder länger zu negativem Stress, auch als Distress bekannt. Symptome können dann Schuldgefühle, Ärger, Angst, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen, Erschöfung, Übelkeit, Engegefühl in der Brust, Nervosität, Überempfindlichkeit, Schwierigkeiten Entscheidungen zu treffen, Schlafstörungen, Spannungskopfschmerzen, Veränderung des Essverhaltens, Magen-Darm Probleme sein. Wir erkennen an dieser Stelle, dass Überforderungen der genannten Art also auch unsere körperliche Gesundheit beeinträchtigen können.

Nun geht es um die Frage, wie die Entwicklung zu einer solchen Situation vermieden werden kann. Es geht hierbei zum einen darum, die eigenen Kräfte richtig einzuschätzen. Diese Einschätzung stellt die Grundlage dar für unsere Planungen und Planänderungen. Daher ist es wichtig, auch hier mit Achtsamkeit zu walten und diese Erkenntnis nicht aus den Augen zu verlieren - gerade auch im Sinne der Lehrnachfolge. Fritz Schäfer schreibt in seinem Wälzer auf Seite 34:
"Die Gangart richtet sich nach Maß, Mischung und Ausbildung der fünf Heils-Sinne. Ein Mensch, der von der Wahrheit so gepackt ist, dass er dafür Huas, Familie und Beruf aufgibt, hat normalerweise stärkere Heilssinne, als wer in der Häuslichkeit bleibt. - Klar auch, dass in einem intakten Orden für Menschen mit diesen stärkeren Heilssinnen ganz andere innere Ausbildungsmöglichkeiten bestehen als im Hausleben."

Und schreibt auf Seite 32: "Schon für diese vordergründige Wohlsuche braucht er aber außer den fünf körperlichen Sinnen fünf andere innere "Eigenschaften." (dhamma), sozusagen fünf "innere Sinne", sonst fängt er gar nicht erst an oder gibt auf, nämlich
1. Vertrauen (saddha), dass es das, was er sucht, auch gibt, dass die eigenen Kräfte ausreichen und die Vorgehensweise Erfolg verspricht,
2. Energie, Kampfkraft (viriya),
3. Gegenwärtigkeit, Achtsamkeit (sati): Ziel, Weg und das für die Wahl der richtigen Gangart bestimmende Maß der eigenen Kräfte unterwegs im Geist gewärtig haben,
4. Sammlung des Herzens auf Ziel und Weg; Einigung (samadhi)
5. Ein möglichst klares Wissen (pannā) um Ziel, Weg, Vorgehensweise, Maß der Kräfte und die dafür geeignete richtige Gangart."
Mit diesen fünf allgemein menschlichen Eigenschaften macht sich der Mensch von Kind an auf die Wohlsuche bei dem, was ihm die sinnliche Wahrnehmung bietet.


Je nach dem, in welchem Lebensfeld die Überforderung stattfindet kann es sein, dass eine Veränderung des eigenen Vorgehens eine sehr starke Überwindung darstellt. Wenn wir die Überforderung beispielsweise in einem Bereich vorfinden, welcher für uns überlebenswichtig ist, wie zum Beispiel der beruflichen Tätigkeit, stehen uns unter Umständen deutliche Ängste vor einer Veränderung im Wege. Darüber bestehen vielleicht umfassende Unsicherheiten im Bezug auf strategische Lösungsfindungen. Hinzu kommt möglicherweise das Unverständnis der Menschen im beruflichen und sozialen Umfeld, so dass ein noch größerer Zweifel im Bezug auf die eigene Wahrnehmung und das eigene Denken bestehen.
Dennoch ist es vom Grundsatz her eine zielführende Richtung, die oben genannten Ursachen der Überforderung zu beseitigen oder dies, wenn nötig auch mit Hilfe z.B. eines Therapeuten, zu lernen. Im Sinne des ehern-flexiblen Maßstabes kann eine Therapie ganz im Sinne der Lehre sein - dazu etwas weiter unten mehr. Alles im Samsara ist bedingt, und so auch die Überforderung. Wenn wir die oben genannten Phänomene umkehren bzw. auflösen, haben wir viele Bedingungen der Überforderung eliminiert; Nicht mehr von uns verlangen, als wir zu geben in der Lage sind. Uns nicht unter Termin- und Leistungsdruck setzen, indem wir uns sagen: "Ich muss dieses oder jenes erledigen, in den Griff bekommen - und das am besten sofort." (Stichwort Geduld; eine der 40 heilstauglichen Eigenschaften). Oder aber keinen Angeboten mehr zusagen, die wir nur schwer einhalten können. Anderen nicht erlauben uns Aufgaben aufzubürden, weil wir vielleicht Angst haben, Nein zu sagen. Nicht alles perfekt machen wollen und von uns fordern, keinen Fehler machen zu dürfen. Es anderen nicht immer Recht machen zu wollen, um Anerkennung und Lob zu erhalten.
Wie kann dies im Sinne der Lehre verstanden werden?
Nicht mehr von uns verlangen, als wir zu geben in der Lage sind: Die eigenen Kräfte (in der Lehrnachfolge indriya) richtig einschätzen und dementsprechend entscheiden und aufmerksam sein.
Uns nicht unter Termin- und Leistungsdruck setzen, indem wir uns sagen: "Ich muss dieses oder jenes erledigen, in den Griff bekommen - und das am besten sofort.": Wiederum die korrekte Einschätzung der eigenen Kräfte und die daraus resultierende rechte Gangart. Oder aber keinen Angeboten mehr zusagen, die wir nur schwer einhalten können: Auch in diesem Fall geht es um die korrekte Einschätzung der Kräfte und die daraus resultierende rechte Gangart zum einen. Darüber hinaus Geht es um das Erkennen der Anerkennungssucht, welche es uns schwer macht, abzulehnen. Der Buddha sagt, es gibt vier Gemütszustände, welche zu schlechter Handlung führen; Dem Willen folgend, dem Hass folgend, der Blendung folgend, der Angst folgend. Wenn wir befürchten Anerkennung durch ein Nein einzubüßen, dann folgen wir der Angst und diese führt zu schlechter Handlung.
Anderen nicht erlauben uns Aufgaben aufzubürden, weil wir vielleicht Angst haben, Nein zu sagen: siehe letzter Kommentar.
Nicht alles perfekt machen wollen und von uns fordern, keinen Fehler machen zu dürfen: Der realistische Anblick auf unsere Situation; es ist nicht möglich, dass wir in diesem Rahmen Dinge perfekt machen, denn in aller Konsequenz müsste das auch bedeuten, dass wir die Dinge so gestalten, dass sie unvergänglich und ohne das Element des Leidens sind. Doch das Unvergängliche, Vollkommene, höchste Wohl gibt es nur im Sinne des Nibbanas. Wenn wir dieses erlangen wollen, müssen wir zunächst die vier Heilswahrheiten verstehen und den achtfältigen Heilsweg gehen. Dies ist die einzige Möglichkeit, etwas wirklich perfekt machen zu können. Alles was hier im Menschentum und als Menschentum "besteht", einschließlich uns selbst, ist weit, weit davon entfernt, perfekt zu sein - es ist Menschentum, nicht Nibbana. Vor diesem Hintergrund erkennen wir, wie sinnlos die Idee des perfekten Ergebnisses ist. Ebenso die Fehler; einer der größten Fehler besteht doch gerade darin, im Sinnenwohl wahres Wohl zu suchen, denn dieses ist voller Leid, voller Aufbegehren, hat der Erhabene gesagt, das Elend überwiegt. (vgl. M54 - Potaliyo).
Wir wollen es anderen immer Recht machen, um von ihnen Anerkennung und Lob zu bekommen: Siehe oben, Anerkennungssucht, aber auch fehlendes inneres Wohl, Abhängigkeit von äußeren Gegebenheiten, vom Streichholzlicht in der Höhle sind wir abhängig.

Warum nun kann eine Therapie eine Hilfe für die Lehrnachfolge darstellen? Der Buddha sagte, dass das was andere Weise sagen, auch von ihm gesagt werden würde. Weise sprechen immer das aus und empfehlen das, was zum Wohl führt. Ob etwas heilstauglich ist oder nicht, erkennt man daran, ob bei einem selbst die heilstauglichen Eigenschaften zunehmen oder abnehmen (M114, vgl.Schäfer, S.339 ff). In S 42,13 erklärt der Erwachte die Vorgehensweise, bei der man auf jeden Fall richtig handelt, unabhängig sogar davon, ob es eine Saat und Ernte guter und schlechter Werke gibt oder nicht, nämlich dadurch, dass man jetzt und hier schon nichts und niemanden bedrängt. Konkretisiert wird dies durch die zehn heilstauglichen Wirkensfährten. Wenn sich die Therapie also in diesem Rahmen bewegt, dann sagt sie das aus, was der Erhabene eben auch sagt und hilft damit und trägt dazu bei, dass sich die heilstauglichen Eigenschaften mehren. Eine Therapie ist in aller Regel, wenn sie so ausgerichtet ist, eine weitere, auf einen oder mehrere Fälle angewandte Konkretisierung der heilstauglichen Vorgehensweise.
Nehmen wir die Verhaltenstherapie als Beispiel, so erkennen wir hierin ganz konkret die Vorgehensweise des Buddha wieder. Viele Menschen leiden an Ängsten und wissen nicht, wie sie diesen entgegentreten sollen. In der Verhaltenstherapie werden die Patienten (unter anderem) gezielt mit Ängsten konfrontiert. Sie können somit die Erfahrung machen, dass sie die Ängste aushalten und die angstmachende Situation sogar meistern können. In der Lehrrede M4 (auch vorgelesen von Sandra Borkowsky), beschreibt der Buddha eben diese Konfrontation mit der Angst, die Vorgehensweise, sich ihr zu stellen, sie nicht zu fliehen. Er beschreibt dort, wie er in eben dieser Situation ausharrt, im Gehen, Stehen, Sitzen und Liegen, wie er so lange darin verbleibt, bis die Angst sich vermindert und auflöst. Wenn wir solche deutlichen Parallelen zur Lehre finden können, können wir gewiss sein, dass hier eine intensive Lehrnachfolge stattfindet und darüber hinaus erkennen, dass durch eben diese unheilsamen und belastenden Eigenschaften wie Angst und Furcht abnehmen, wir ganz im Sinne der Lehre immer weniger der Angst und der Furcht folgen, sondern uns ihr widersetzen. Darüber hinaus können wir auch hier einmal mehr die Lehre im Leben erkennen und das Leben in der Lehre.
Auch gibt es in einer Therapie oft die Erläuterung, dass wir z.B. die Wut und den Ärger des anderen bei ihm lassen sollen, uns diese und auch deren Inhalte nicht einfach anziehen, diese nicht einfach übernehmen sollen - denn diese kommt nicht von uns und stellt oft eine große Belastung dar. Der Buddha begegnet in S 7,2 dem Hitzkopf, dem Schimpf-Bharadvajo, ganz eben in dieser Weise: (...) Genau so ist es, wenn du uns, die wir nicht schimpfen, beschipfst, uns, die wir nicht schelten, schiltst, mit uns, die wir nicht zanken, zankst. Wir nehmen das nicht von dir an. So bleibt es an dir hängen, an dir bleibt es hängen. Wer einen, der schimpft, wieder beschimpft, einen, der schilt, wieder schilt, mit einem, der zankt, wieder zankt, den nennt man einen, der mitisst, der mit einem verkehrt. Wir aber essen nicht mit dir, verkehren nicht mit dir. So bleibt es an dir hängen, an dir bleibt es hängen. (...) Auch hier können wir wieder die deutliche Parallele zwischen Therapie und Lehre erkennen. So ist eine Therapie, in dieser Weise angewandt, nicht nur eine Hilfe in einer schwierigen Situation, sondern auch ganz konkrete Lehrnachfolge. Wenn wir dies darüber hinaus wissen und klar beobachten, dann erlangen wir noch zusätzlich den Gewinn, dass wir wissen, wie wir zu dem Heilsamen gelangt sind. So können wir das Heilsame viel besser vor dem Verloren-gehen bewahren und noch weiter vermehren.

Wenn wir so vorgehen, gehen wir auf dem Heilsweg voran und wir erkennen, dass scheinbar ganz weltliche Mittel zur Wohlsteigerung ganz im Sinne der Lehre stattfinden - vor allem dann, wenn uns dies bewusst ist und wir die Lehre darin erkennen und verstehen können. Darüber hinaus erlangen wir einen weiteren Gewinn; wir verstärken die oben genannten Heilskräfte und entwickeln uns damit dahin, dass die Wahrscheinlichkeit einer auftretenden Überforderung mehr und mehr gemindert wird.
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Ungewöhnliche Lösungsansätze

23. November 2016


(...)"Es gibt da, ihr Mönche, Wollensflüsse/Einflüsse,
die durch klaren Einblick aufzulösen sind,
die durch innere Zurückhaltung aufzulösen sind,
die durch Pflege aufzulösen sind,
die durch Geduld aufzulösen sind,
die durch Ausweichen aufzulösen sind,
die durch Vertreibung aufzulösen sind,
die durch Ausbildung aufzulösen sind." (M2)


Die fünfte Aussage, dass Wollensflüsse, Einflüsse durch Ausweichen aufzulösen sind, bezieht sich auf Gegebenheiten, mit welchen der Mönch überfordert damit wäre, die Situation anders als durch Ausweichen zu bewältigen. Dies hätte zur Folge, dass ihn verstörende, schmerzliche Wollensflüsse überkämen. So gibt es hier das Beispiel des (...)wütenden Elefanten, des wütenden Pferdes, eines wütenden Hundes, eines wütenden Stieres, Schlangen, einem mit Baumstümpfen übersätem Gelände, Dornengestrüpp, tiefen Gruben, Geröll und Felsensplittern, schmutzigen Teichen und Seen; Orte die nicht zum Sitzen taugen, die zum Gehen nicht taugen, von erfahrenen Ordensbrüdern entsprechend missbilligt würden, solchen Orten, solchen Plätzen, solchen Freunden weicht er aus, denn würde er ihnen nicht ausweichen, ihr Mönche, so überkämen ihn verstörende, schmerzliche Wollensflüsse. Doch weil er diesen Dingen ausweicht, so gibt es keine verstörenden, schmerzlichen Wollensflüsse.
Wie oben bereits angesprochen, sind dies alles Situationen, durch welche der Mönch durch eine Konfrontation in eine Überforderung geraten würde und dies hätte zur Folge, dass in einem gewissen Rahmen ein "Scheitern" stattfinden würde; eben durch das Überkommen der verstörenden, schmerzlichen Wollensflüsse. Dass diese Situation nicht nur bei Mönchen eintreten kann, sondern auch und noch viel mehr bei uns Weltmenschen, die wir in der Regel noch sehr viel abhängiger von der Erfüllung der sinnlichen Begehrungen sind, kann jeder bei sich selbst nachvollziehen.
In M21, das Gleichnis von der Säge, spricht der Buddha zu seinen Mönchen; (...)"Selbst wenn, meine Bikkhus, Räuber und Mörder mit scharfer Säge euch ein Glied nach dem anderen abtrennten und ihr darüber in eurem Gemüte ergrimmet, würdet ihr nicht meine Weisung erfüllen" (...). Hieran können wir ganz unmittelbar eine Situation der Überforderung für uns erkennen und auch eine Form der Überforderung für viele Mönche. Überforderungen dieser oder auch geringerer Form sind, wenn es möglich ist, zu fliehen, eben um die verstörenden, schmerzlichen Wollensflüsse nicht entstehen zu lassen.
Warum wird nun die Überschrift "Ungewöhnliche Lösungsansätze" genannt? Inhalt dieses Eintrages ist eine außergewöhnliche Situation oder besser gesagt Problematik, welche dementsprechend ungewöhnliche Lösungsansätze benötigt. Betroffen, oft auch massiv betroffen sind davon Randgruppen oder auch Einzelpersonen, welche uns oftmals nicht, selten, in verfälschter Weise oder im Zusammenhang mit unzulänglichen Schlussfolgerungen auffallen. Diese Menschen sind betroffen von einer Problematik, welche uns in dieser Form nicht bekannt ist und sind oftmals Überforderungen ausgesetzt, welche uns ebenfalls nicht bekannt sind.
Viele dieser Menschen sind aufrichtig und ersthaft bemüht, ihr Leben nach den gegebenen Normen zu gestalten, so zu leben, wie es alle tun. Es besteht der große Wunsch nach einem "normalen" Leben und es bestehen ebensolche Anstrengungen und Bemühungen. Oft sind Missverständnisse und Missdeutungen von außen Phänomene, welche die Situation zusätzlich erschweren, auch wenn dies bei weitem nicht immer die Absicht der Außenstehenden sein muss; auch sie können nicht ohne weiteres anders bewerten, wahrnehmen, denken, reden, fühlen und handeln, als sie es tun.
In diesem Eintrag soll es nun um den Menschen, vielleicht den Freund gehen, der sich in einer solchen schmerzhaften Situation befindet und sich hierin nicht mitteilen kann, sich hierin vielleicht nicht gesehen fühlt und darunter leidet - unter Umständen gerade auch daher, weil seine (notwendiger Weise) ungewöhnlichen Lösungen als "frevelhaft" verurteilt werden.

Im Tagebucheintrag vom 06. November überlegten wir im Sinne des "rechten Zuhörens", welches sich auf den Freund bezog, welcher sich wünscht, verstanden zu werden, gesehen zu werden. Noch tiefer reicht dieser Bereich, wenn es sich um einen Freund in einer ungewöhnlichen Situation handelt. Ein solcher Freund könnte beispielsweise ein Flüchtling sein, ein Mensch mit Behinderung, ein Angehöriger einer bestimmten religiösen Richtung, ein von Armut betroffener, ein Mensch mit vielen Kindern, ein Kranker oder vieles mehr. Das, was solche Menschen oft von uns unterscheidet ist, dass sie aufgrund ihrer Andersartigkeit oft diskriminiert werden und nur geringe Chancen haben ihre Interessen und Bedürfnisse innerhalb der Gesellschaft durchzusetzen. Alleine hieran können wir erkennen, dass diese Menschen von einer Problematik betroffen sind, welche wir oftmals nicht kennen. Und ebenso wie uns diese Situationen oft unbekannt sind, ebenso müssen uns auch die Lösungsansätze und das Verhalten eben dieser Menschen befremden, vielleicht sogar enttäuschen, verärgern, ängstigen.
Doch wenn wir diesen Menschen näher kommen, sie "als uns selbst" betrachten möchten, können wir diese Lücke schließen durch ein Hineinversetzen in deren Situation. Dabei geht es nicht darum, ein eventuelles Fehlverhalten gutzuheißen oder zu entschuldigen; hierbei geht es ausnahmslos um das Nachvollziehen-können befremdlicher Verhaltensweisen und Lösungsansätze. Als Beispiel soll uns ein Freund dienen, welcher von einem oder verschiedenen gesundheitlichen Problemen betroffen ist, körperlichen, vielleicht auch geistigen. Nehmen wir an, dieser Freund war bereits bei vielen Ärzten und hat sich umfassend informiert, es gelingt jedoch nicht, eine eindeutige und hilfreiche Diagnose erstellt zu bekommen, die Problematik setzt sich weiter fort. Dieser Freund befindet sich somit in einer Situation, in welcher eine Lösung auch mit gutem Willen und viel Einsatz nicht einfach herbeiführbar ist. Darüber hinaus ist es hierbei natürliche Gegebenheit, dass dieser Freund auf einsamen Posten steht; es gibt keine Vorbilder und Anleitungen, mit dieser Situation umzugehen. Somit müssen alle Alltagsanforderungen, welche uns ebenfalls betreffen, gelöst werden und darüber hinaus die eigene, nicht benennbare Problematik behandelt werden. Diese Wege führen oft durch Versuch und Irrtum, Enttäuschung, Angst, Hoffen und Bangen, Verlusterfahrungen und vielem mehr. Die üblichen Wege funktionieren nicht, es muss Neues versucht und gewagt werden.
Wie nun, wenn sich die Sachlage so gestaltet, dass der Arbeitgeber als auch die Ärzte, die Freunde und die Familie keine Abhilfe wissen, aber dennoch mehr und mehr angestrengt sind von dem, was für den Betroffenen vom Morgen bis zum Abend und in der Zwischenzeit alltägliche Realität ist? Dieser Mensch ist gezwungen, in einer gewissen Hinsicht einen Alleinweg auf sich zu nehmen, welcher von den meisten missverstanden wird - vorausgesetzt er begibt sich nicht in die Gesellschaft von Spielern, Trinkern, Drogenabhängigen oder anderem, um dort Verständnis für das eigene Versagen und die all zu harte Welt zu finden.
Da die Lösungswege noch nicht beschritten sind, gibt es keine Routinen, keine Erfahrungsberichte, keine Anleitungen. Sollte der Freund ein Lehrnachfolger sein, so stellt die Situation einen hohen Anspruch an die Ehrlichkeit sich selbst gegenüber an ihn, denn kein anderer kann überwachen, ob er sich zum Beispiel in einer individuellen Überforderung (wie oben auch für den Mönch beschrieben) befindet, oder ob er es sich mit dem eigenen Vorgehen leicht macht, die Konfrontation flüchtet oder die Verantwortung für die eigenen Entscheidungen und Gefühle von sich schiebt. Da sich die Situation immer und immer wieder umgestaltet, muss er immer wieder genau beobachten, analysieren, sich überwinden, ehrlich zu sich sein, Ausdauer, Willenseinsatz und Kraft beweisen, um den heilstauglichen Weg weiterzugehen. Er muss sein Vorgehen, wenn es korrekt ist, immer wieder (zumindest innerlich) gegen die Einwände von außen verteidigen, muss die Einwände jedoch trotdem ernst nehmen, sein Vorgehen an ihnen überprüfen und gegebenenfalls doch korrigieren. Er muss Überforderungen vorbeugen, da sie zwangsläufig in ein (partielles) Scheitern führen und er muss angemessene Vorgehensweisen hierfür finden.
Hinzu kommen noch weitere Akte, wir können jedoch bereits an dieser Stelle erkennen, dass sich die Wege des Freundes mit hoher Wahrscheinlichkeit von den unseren recht tiefgreifend unterscheiden werden. Dies ist etwas, was uns befremdlich ankommen mag, vielleicht auch ängstigt oder uns vorwurfsvoll macht. Aber da der andere aus einer Notwendigkeit heraus handelt und darüber hinaus in Hinsicht auf seine Situation unter Umständen sogar heilstauglich (wir denken an den ehern-flexiblen Maßstab), ist es wichtig für uns, zunächt genau hinzuhören um zu verstehen, in welchen Welten der Freund überleben muss.
Deutlich wird hierbei einmal mehr, wie wichtig es ist sich darin zu üben, zuzuhören, den anderen zu sehen, zu erkennen. Wie wichtig es auch ist, uns selbst zu erkennen um zu bemerken, dass wir im Grunde ganz genau so "ticken" wie der andere, dass wir, wären wir in seiner Situation, ganz ebenso denken, fühlen, reden und handeln würden, wie unser Freund es tut. Unser Verständnis und unsere Teilnahme sind es in vielen Fällen, welche dem Freund die Energie und die Zuversicht geben, in eine gute Richtung zu gehen, sich darin noch zu bestärken und weiterhin durchzuhalten. Wir erinnern uns daran, dass es nichts gibt, was wir nicht auch schon gewesen sind und an die drei Anblicke der Gleichheit und Einheit;

"Das ist auch einer, der Wohl und Glück sucht,
Geborgenheit und Frieden sucht,
ganz ebenso, wie auch ich Wohl und Glück suche,
Geborgenheit und Frieden suche.

Das ist auch einer, der aus inneren und äußeren
Umständen so und nicht anders fühlen und wollen
und denken und handeln muss,
ganz ebenso wie auch ich aus inneren und äußeren
Umständen so und nicht anders fühlen und wollen
und denken und handeln muss.

Das ist auch einer, der seit undenkbaren Zeiten im Samsara
durch alle Daseinsformen und Daseinsbereiche hindurchandert
und hindurchirrt,
ganz ebenso wie auch ich seit undenkbaren Zeiten im Samsara
durch alle Daseinsformen und Daseinsbereiche hindurchwandere
und hindurchirre."

Wir sprachen weiter oben von der Überforderung, welche in diesem Eintrag eine zentrale Rolle spielen solle in Hinsicht auf die Fremdartigkeit der Entscheidungen und des Vorgehens des Freundes. Sollte die Alltagssituation sich so gestalten, dass diese, z.B. aufgrund der Verhältnisse am Arbeitsplatz eine Überforderung darstellen und sollte es so sein, dass auch Ärzte und Psychologen keinen Ansatz bieten können, dann ist es dennoch die Aufgabe des Freundes, die ungelöste Situation angemessen - und dies heißt vor allem im Sinne der Lehre - zu lösen. Eben so wenig, wie Ärzte und Psychologen und weitere Ansprechpartner keinen Ansatz bereithalten, eben so weit muss der Mensch selbst konstruieren, kalkulieren, versuchen. Und ganz genau hier beginnt sein Vorgehen nach außen hin als befremdend zu wirken; denn es ist uns zwangsläufig - in weiten Teilen - fremd. Vielleicht entscheidet sich der Freund zu einem autarken Leben, zu einem Hungerstreik gegen eine unzureichende Diagnostik oder die Unbekümmertheit des Arbeitgebers, zu einem ausgeprägtem zurückgezogenem Urlaub, dem Eintritt in eine Selbsthilfegruppe oder etwas noch anderem. Vielleicht kombiniert er auch Dinge dieser Art miteinander und stellt ein eigenes Konzept auf, um mit der Problematik umzugehen.
Von außen wirkt dies schnell wie ein exotischer, auch anstößiger Lebenswandel - eine Anreihung ungewöhnlicher Entscheidungen. Schnell beurteilen wir nach dem Schema "Das, was von der Norm abweicht, ist falsch." Wenn wir uns jedoch, wie oben beschrieben, an den ehern-flexiblen Maßstab erinnern und daran, dass der Freund vielleicht sogar aufrichtig um Lehrnachfolge bemüht ist, können wir vielleicht erkennen, dass es gerade unser Verständnis ist, welches dem Freund dabei hilft, die unguten Eigenschaften zu mindern und die guten Eigenschaften zu mehren.
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Karmische Grenzen

10. November 2016


"Nicht in der Luft, nicht in der Meerestiefe,
nicht in dem Herzen fernster Bergeshöhle,
nicht findet in der Welt man eine Stätte,
wo man der eigenen Saat entfliehen könnte." (Dh 127)

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann erkenne ich ungezählte Versuche, dieses in einer erfreulichen und am besten tiefgreifenden Weise zu verbessern, schöner zu gestalten, zufriedenstellender anzulegen. Dabei fallen unter anderem zwei Dinge auf; zum einen ist dies tatsächlich gelungen, denn eingestehen muss ich mir, dass ich ein Dach über dem Kopf habe und im Winter und bei Regen und all den anderen Unliebsamkeiten geschützt und geborgen zu sein – allen äußeren Wettern trotzend. Auch habe ich eine Arbeit, kann mir Schmackhaftes kaufen und dieses genießen, besitze sogar ein Auto und kann mich damit relativ frei in der Welt umherbewegen. Noch darüber hinaus findet dies alles in einer Wohlstandsgesellschaft statt, in welcher mein Wohlergehen bis zu einem recht hohen Grad gesichert ist, unabhängig davon, ob ich dies selbst bis zum letzten Grad aufrecht erhalten kann oder nicht.
Andererseits gibt es da diesen Bereich, der sich, wenn ich ehrlich zurückblicke, nicht füllen lässt, welcher keine zufriedenstellende Behandlung zulässt. Da ließen sich aufzählen finanzielle Fortschritte, Beziehungen zu bestimmten Menschen, eine bestimmte Art der beruflichen Tätigkeit oder auch die Kollegen, mit welchen ich ja jeden Tag zusammenarbeite. Dies natürlich neben vielem Anderem. Und dann kann ich noch erkennen eine lebenslange Täuschung, welche sich seit dem Kontakt mit der Lehre zwar immer wieder entlarven lässt, welche sich aber dennoch tapfer aufrechterhält und immer wieder auf "mich", "mein" Denken und Fühlen auswirkt. So wie in jüngerem Alter, so versuche ich auch heute immer wieder, die Lebensqualität durch die Veränderung äußerer Umstände grundsätzlich zu verändern. In einem gewissen Rahmen wird mir dies gestattet, da habe ich mir, wenn man es so nennen möchte, die Effektivität meines Handelns gewirkt. Das Tückische an dieser Einstellung ist die Beobachtung, dass diese Strategie, diese Vorgehensweise scheinbar funktioniert. Weil ich die längere Entwicklung nicht im Blick habe, weil ich die Tiefe und Variationsreiche nicht erfasse. Schauen wir genau hin, können wir erkennen, dass sich durch einzelne Akte unter Umständen konkrete Sachlagen qualitativ verbessern. Dies bringt uns unter Umständen zu der Schlussfolgerung, dass wir hier zielführend , dass unsere Ideen von der eigenen Lebensverbesserung wirksam seien. Ein Phänomen, welches wir in den meisten Fällen nicht beachten ist dieses der Umschichtung; die Situation ist verändert, fühlt sich besser an und wir kommen zu der Schlussfolgerung, dass unser Vorgehen verbessernd gewirkt habe. Wenn wir unsere inneren Vorgänge jedoch seit einer gewissen Zeit beobachtet haben, dann wissen wir aus Erfahrung, dass es zahlreiche Gründe für ein sporadisch verbessertes Gefühlsleben gibt und dass es in uns auch die Tendenz gibt, irgenwelche Wohlgefühle heranzuziehen, um uns eine positive Bestätigung unserer eigenen These zu ermöglichen.
Ein Beispiel: Wir arbeiten an einem Arbeitsplatz, an welchem es uns aus verschiedenen Gründen nicht sonderlich gut gefällt. Wir überlegen, wie wir diese Situation ändern können und nach verschiedenen Versuchen an der Arbeitsstelle entschließen wir uns zu einem Arbeitsplatzwechsel. Dieser Wechsel fühlt sich gut an und scheint die richtige Entscheidung gewesen zu sein. Was passiert jedoch, wenn wir tiefer blicken? Zum einen können wir erkennen, dass wir bei uns ein Bedürfnis nach Abwechslung erkennen; zu lange die selbe Sache führt uns in Eintönigkeit. Ferner besitzen Probleme, welche sich ohne tiefgreifende Lösung weiterentwickelt haben oft die Eigenschaft, dass sie zunächst noch lösbar erscheinen, mit der Zeit jedoch, sollten sie sich nicht selbst (im Sinne des karmischen Gesetzes durch z.B. Hinnehmen) erlösen, kaum oder keine Lösungsperspektive mehr offen lassen. Dies erzeugt unter Umständen das Gefühl der Auswegslosigkeit. Genau dieses Phänomen der sich verändernden Problematik kann zu Beginn nicht all zu leicht identifiziert werden. Weiter kann es sein, dass sich eine Art "Hauptproblematik" finden lässt, wie zum Beispiel quälende Arbeitsbedingungen durch das Ausgesetztsein an Wetterverhältnisse. Angenommen, wir suchen uns nun einen Arbeitsplatz im Trockenen, dann kann der gefühlsbedingte Anschein entstehen, wir hätten qualitativ eine Verbesserung herbeigeführt. Wenn wir jedoch den Aspekt der Verschiebung betrachten, dann erkennen wir, dass oftmals eben nur dies stattgefunden hat; das positive Gefühl lässt sich nicht auf die Beseitigung einer Grundproblematik zurückführen, sondern – in diesem konstruierten Fall – auf die Freude über die Abwechslung, die verkannte Erlösung der tiefgreifenden Problematik (diese setzt sich, wie oben beschrieben in unerkannter, da zunächst nicht offensichtlicher Weise fort) und die Beseitigung des ebanfalls noch nicht erkannten "Hauptproblemes".
Ferner erliegen wir oftmals unserer eigenen Gewohnheit, eigene Deutungen durch Indizien bekräfigen zu wollen – was uns oftmals auch erfolgreich gelingt. Dadurch wächst unsere Überzeugung und wir untermauern weiterhin unsere falsche Ansicht. Hinsichtlich der Indizien sei an die Geschichte des Hammers von Paul Watzlawick , Anleitung zum Unglücklich-sein erinnert. Wir deuten das erlebte Geschehnis, unsere Entscheidung und das entstandene Ergebnis anhand unserer Wünsche und gestalten dies effektiv eben durch die (unsachgemäße) Indizienfindung. Wenn wir uns in unserer Situation an der Grenze unserer karmischen Möglichkeiten befinden, werden wir jedoch nach einer solchen Veränderung – in der Regel nicht bewusst – feststellen, dass sich auch im neuen Job alles wieder so gestaltet, wie zuvor. Nur in anderen Farben, anderen Formen, anderen Tönen. Was gleich geblieben ist, ist die Unzufriedenheit, welche nur eben ein anderes Gewand angenommen hat und wir stehen schon wieder vor der Frage, wie wir verbessern können.
Wenn wir karmisch an dieser Stelle tatsächlich begrenzt sind, besteht für uns zunächst keine Möglichkeit der direkten Verbesserung durch äußeres Wirken. Hier sind wir an den Punkt gelangt an welchem wir feststellen sollten, dass es nun um Herzenserhellung geht, ganz im Sinne der Tugendregeln. Und um Geduld, die Auswirkungen dessen herantreten zu lassen.
Deutlich wird dies, wenn wir die Grenze des Menschentums betrachten; da haben wir uns hineingewirkt und welchen äußeren Akt wir auch vollziehen, daran wird sich zunächst nichts ändern. Wie wir uns auch bemühen, wir können nicht in himmlische Bereiche vordringen, wir müssen hierzu unser Herz erhellen. Und dies auf unserem spirituellen Hauptarbeitsplatz, der Tugendarbeit. Diese Grenze lässt sich aber auch innerhalb des Menschentums weiter spezifizieren; in aller Regel gelingt es uns nicht, auch wenn wir dies ernsthaft anstreben, uns wirklich aus der Mittelschicht in die Oberklasse zu bewegen; die Millionen bleiben aus. Auch hier können wir diese unüberschreitbare Grenze erkennen und in der Auseinandersetzung ebenfalls, dass es hier um Hinnehmen, Geduld und heilstaugliches Wirken geht. Bei der Betrachtung dieser Grenze wird unsere falsche Sichtweise deutlich, zu denken, dass wir durch bestimmte Veränderungen im Äußeren grundsätzliche Gegebenheiten ändern könnten. Noch feiner und daher noch schwieriger zu erkennen als die Grenzen der Mittel- und Oberschicht ist z.B. die oben beschriebene Grenze der Zufriedenheit im Arbeitsleben. Noch schwieriger ebenfalls zu erkennen ist hierbei unsere Selbsttäuschung, welche nicht nur durch die Identifizierung so effektiv ist, sondern auch daher, dass wir eine Scheu dagegen empfinden, genutzte und gewohnte Vorgehenseisen zu verlassen; wir stehen in einem solchen Moment ohne Handwerkszeug da, sind aber konfrontiert mit der selben Tiefe problematischer Ausprägungen. Wirklich verändert haben wir jedoch noch nichts.
Vor diesem Hintergrund können wir die oben zitierten Zeilen aus Dh 127 verstehen; Wir können wohl das Gewand der karmischen Erscheinungen verändern, können es umfärben und anders bestücken, jedoch wird die Grundproblematik, nämlich die des Verweigert-bekommens, hierduch nicht verändert werden. Haben wir uns in vergangenen Zeiten einen "Verweigerungsgrad" von 70% gewirkt, so wird dieser auch in Erscheinung treten, ganz egal wohin wir zu fliehen versuchen und ganz egal wie wir zu fliehen versuchen. Keine Idee wird die karmische Verweigerung relativieren, kein Ort wird uns davor schützen. Wenn wir diese karmische Grenze für uns erkennen, dann können wir unsere Aufgabe darin sehen, geduldig und loslassend weiterzuarbeiten, ohne Erwartungen fortzuschreiten. Es gilt dann, was der Erwachte in Dh 173 sagt;

"Wer einst begangnes Übles Werk
mit bess'rem Wirken ganz durchsetzt,
dem lichtet sich die Finsternis,
wie wenn der Mond durch Wolken bricht."

Nur einige Beispiele für alternierende Arbeitssituationen mit gleichbleibendem Verweigerungsgrad:

Viel Freizeit, angenehmer Chef, unangenehme Kollegen, viel Geld.
Viel Freizeit, unangenehmer Chef, angenehme Kollegen, viel Geld.
Wenig Freizeit, angenehmer Chef, unangenehme Kollegen, viel Geld.
Wenig Freizeit, angenehmer Chef, angenehme Kollegen, wenig Geld.
Viel Freizeit, unangenehmer Chef, unangenehme Kollegen, wenig Geld.
Wenig Freizeit, unangenehmer Chef, angenehme Kollegen, viel Geld
...

Wenn wir hierzu noch die visuellen, auditiven, sensorischen, zeitlichen und weitere Aspekte hinzuziehen, zu welchen allen mehr oder weniger Abneigungen oder Zuneigungen bestehen, erkennen wir unschwer die kaum bemessbare Bandbreite der Variationsvielheit. Erkennen wir hierbei nicht die Tatsache der "karmischen Grenze", erliegen wir schnell der beliebten Schlussfolgerung, durch Veränderungen im Außen grundsätzliche Probleme bzw. Schwierigkeiten neutralisieren zu können.

Letztenendes bleibt der Satz des Erwachten, dass wir unserem Wirken nicht entfliehen können und dass tatsächliche Weltveränderung nur an einem Ort stattfinden kann; im Geist. Paul Debes schreibt hierzu in "MEDITATION NACH DEM BUDDHA", Seite 1:

"Diese eine und einzige Ursache aller Wandlungen heißt; Meditation. Die Meditation ist der Weg und der Schlüssel zur Helligkeit und Geborgenheit sowie auch zur Dunkelheit und zum Entsetzen, sie führt zu Ordnung oder Chaos, zu allen Himmeln oder Höllen, sie ist der Schlüssel zur Welt und zur Weltüberwindung."


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Rechtes Zuhören

06. November 2016


"Zur rechten Zeit will ich reden, nicht unzeitig.
Zur Sache will ich reden, nicht unsachlich.
Besänftigend will ich reden, nicht verletzend.
Zum Nutzen will ich reden, nicht zum Schaden
Im Geiste der Liebe will ich reden ohne heimlichen Groll.

(D 33,V)

Es ist etwa zehn Jahre her, dass ein damaliger Freund mir eine sehr wichtige Lektion erteilte. Wir saßen zusammen bei ihm im Wohnzimmer und er erzählte mir über seine unglücklich zu Ende gegangene Liebe. Ich hörte ihm zu und weil ich mich hierfür als fähig befand, sprach ich ihm Empfehlungen aus, wie am besten mit der Situation verfahren werden könne. Ich hatte das Gefühl, ihm wichtige und hilfreiche Dinge mitzugeben, welche sehr gut auf die Situation anwendbar wären und ihm sicherlich einen hilfreichen Perspektivenwechsel ermöglichen würden. Ich war sozusagen ein echter Helfer in der Not. Meine Wahrnehmung diesbezüglich änderte sich schlagartig, als mein Freund mitten im Satz innehielt, mir direkt in die Augen blickte und dann sagte:"Weißt Du Wing," das war mein damaliger Spitzname, "manchmal wünscht man sich, einfach nur zugehört zu bekommen und will eigentlich gar nichts dazu hören." Diesen Satz hatte er perfekt gesetzt, ich verstand sofort worum es ging und aufrund seiner Ehrlichkeit konnte ich ihn unvoreingenommen annehmen ohne mich zu wehren.
Natürlich fühlte sich diese Belehrung nicht uneingeschränkt gut an, denn sie stellte ja meine "psychologischen" und beraterischen Fähigkeiten in Frage. Dennoch bin ich diesem Freund bis heute dankbar, dass er mir diese wichtige Information hat zukommen lassen. Immer wieder erinnere ich mich daran und kann dies nutzen, um mich im Gespräch zurückzuhalten und mein Verhalten zu überdenken.
Wie oft wohl ist es so, dass wir von Freunden erzählt bekommen, über ihre Erlebnisse, ihre Sorgen, ihre Ängste... Schnell haben wir das Empfinden, helfen zu müssen, oder verpüren den Drang, die Situation aktiv zu beeinflussen - natürlich nach unserem Gutdünken und Schlussfolgern. Wenn wir jedoch genau hinschauen, können wir vielleicht erkennen, dass wir bei solchen Erzählungen doch nur recht selten nach einer Lösung gefragt werden, oder auch nach Ratschlägen. Wie viele verschiedene Gründe gibt es für die Erzählung eines Freundes, wenn diese mit besorgenden Inhalten gefüllt sind? Bin ich mir darüber im Klaren, bevor ich losrede und Ratschläge erteile? Wenn der Freund einen Zuhörer und keinen Ratgeber wünscht, befinde ich mich da nicht bereits im Vollzug eines Gewaltaktes, wenn ich, ungeachtet seines Bedürfnisses gesehen, wahrgenommen zu werden, dieses gerade noch mehr verkenne und meinem eigenen Bedürfnis nachkomme, Anerkennung erhalten zu wollen für gute Ratschläge und Empfehlungen? Und wenn ich eine Empfehlung ausspreche, habe ich dann beachtet, dass ja auch der andere sich bereits mit der Thematik befasst hat, dass er ebenfalls Kompetenzen aufweist im Umgang mit der Sachlage? Dass ich durch meine Empfehlung vielleicht auch zum Ausdruck bringe, dass ich innerhalb von Minuten Lösungsansätze entwickeln könne, welche er innerhalb von Tagen oder Wochen nicht entwickeln konnte und ihm damit seine Kompetenz abspreche oder in Frage stelle? Ist es hierdurch unter Umsätnden so, dass ich mich über ihn stelle, dass Überheblichkeit in mir ihre Wirkung tut? Ist es vielleicht auch so, dass ich seine Not nutze, um das Augenmerk wiederum auf mich zu lenken, mich in den Mittelpunkt zu rücken um Aufmerksamkeit, Anerkennung zu erhalten? Kann es sein, dass ich durch ein solches Vorgehen dem Freund, welcher sich Hilfe von mir erhofft durch Zuhören, Verstandenwerden, Wahrgenommen-werden in seiner Not - dass ich diesem Freund noch zusätzlich ein Gewicht auflege durch mein Ignorieren seines Bedürfnisses und dem Infragestellen seiner Fähigkeiten?
Zwangsläufig muss dies nicht so sein, denn es gibt natürlich die Gespräche, in welchen zum Beispiel gemeinsam Problemlösungen erörtert werden sollen. Doch die erstgenannte Variante, die, in welcher der Freund mit dem eigentlichen Wunsch an mich tritt, verstanden, gehört, gesehen, wahrgenommen, vielleicht gelobt zu werden oder gut zugesprochen zu bekommen, wird in verschiedenen Fällen diejenige sein, welche zu erkennen ist - und es ist für alle wohltuend, wenn wir darauf achten. Dies ist die Variante welche hier angesprochen sein soll.
Möglicherweise gelingt es uns nicht, schon zu Beginn des Gespräches zu identifizieren, worin die "Not" des Freundes besteht, oder wir waren unachtsam und haben einfach "drauf los geredet". Das ist nicht schlimm, denn auch wir sind weder fehlerfrei noch müssen wir dies sein. Am weiteren Gesprächsverlauf jedoch können wir erkennen, wie unser Verhalten wirkt; beruhigt es den Freund, wirkt dieser entspannter, hoffnungsvoller? Oder ist er bemüht, uns die Situation weiterhin, verständlicher, anders darzustellen, ist das Gespräch von Anspannung und/oder Frustration gekennzeichet? Gibt es ein Hin-und-Her der Argumente, kämpft der Freund in unserem Gespräch um etwas? Wir können, sobald wir Qualitäten dieser Form feststellen, immer noch einlenken. Wir können immer noch sagen, dass die Situation ja wirklich schwierig und anstrengend ist, können die als heilstauglich erkannten Vorgehensweisen des Freundes in seiner Not loben, können ihm gut zusprechen und Kraft wünschen, um durchzuhalten oder voranzukommen. Dies gelingt auch oft noch, wenn das Gespräch schon recht weit in die "falsche" Richtung gelaufen ist, denn wir erkennen dann letztendlich doch das Hungern und Dürsten des Freundes und vermögen es für einen kleinen Moment zu besänftigen.
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Die wertvolle Zeit mit Freunden

206. November 2016


Anando sprach einst zum Erhabenen:«Die Hälfte ist es, o Herr, des Asketentums: treffliche Freundschaft zu hegen, treffliche Gefährten, treffliche Vertraute zu haben.» Der Erhabene aber antwortet: «Sage das nicht, Anando, sage das nicht, Anando: ist es ja doch, Anando, das ganze Asketentum, daß man da treffliche Freundschaft hegt, treffliche Gefährten, treffliche Vertraute hat. Von einem Mönch, Anando, der treffliche Freundschaft hegt, treffliche Gefährten, treffliche Vertraute hat, ist zu erwarten, daß er den heiligen achtfältigen Weg erkunden, daß er den heiligen achtfältigen Weg ausbilden wird. (Samyuttakānikayo, 45.2) Wir können an dieser Stelle erkennen, dass der Umgang mit rechten Menschen einen unüberschätzbaren Gewinn für den Lerhnachfolger darstellt. Dass dies nicht nur für Mönche, sondern auch für Hausleute gilt, dürfen wir aus eigener Erfahrung, wenn auch nur bis zu einem gewissen Grad, bestätigen.
Zum einen gibt es da die Lehrgespräche, über welche miteinander vertiefend gesprochen werden kann, so dass sich das Verständnis der Lehre weiter entwickelt, ausweitet und befestigt. Dies ist einer der offensichtlichen Bereiche, in welchem erkannt werden kann, wie hilfreich rechte Freundschaft ist. Aber auch die Zeiten zwischen der direkten Lehrauseinandersetzung birgt große Schätze für uns, Schätze welche weit mehr - wenn auch nicht nur - im Unbewussten und Subtilen zu finden sind.
Denn sollte es so sein, dass wir einen Freund der Lehre treffen, dann funktionieren unsere sozialen Mechanismen ganz in der selben Form, wie sie es auch im Kontakt mit anderen Menschen tun. Sicherlich werden hier unsere sozialen Tendenzen angesprochen, als eine der vier Triebrichtungen, welchen alle sinnliche Tendenzen zugrunde liegen (Tendenzen nach Sinnlichem, soziale Tendenzen, moralische Tendenzen, intellektuelle Tendenzen). Im Zusammensein mit gleichgesinnten Lehrnachfolgern wirkt sich dies jedoch in dem Sinne ertragbringend aus, dass die Zielsetzungen (entsprechend der rechten Ansicht) in jenen Kontakten sich in andersartiger Form definieren. Wir kommen nicht umhin, Situationen gerade im Beisein der anderen, im Licht der Lehre zu betrachten, entsprechende Perspektivenwechsel zu vollziehen, ehrlich zu uns selbst zu sein und uns damit der Wahrheit anzunhähern.
Hat uns der letzte Arbeitstag sehr strapaziert, dann werden wir im Kontakt mit anderen Lehrnachfolgern schnell einsehen und feststellen müssen, dass hier eigene Trübungen wie Ungeduld, Aufbrausen, Nachtragen etc. aktiv gewesen sind, dass diese Eigenschaften die Situationen so färbten, wie wir sie erlebt haben. Wir wissen - und wir wissen dass unser Gegenüber es weiß - dass die Situation an sich neutral ist, dass unsere inneren Anliegen sie jedoch abschmecken, mit Gefühl einfärben, dass es unsere eigene Empfindlichkeit ist, welche solch betrübende Bilder entwirft und entworfen hat. Wir kommen nicht umhin, dieser Tatsache Rechnung zu tragen und die Situation bereits während der ersten Darstellung in dieser Form zu beleuchten. Der Freund hört uns zu und achtet, wenn es ihm mit der Lehre ernst ist, auf unseren Umgang mit der Situation, erkennt schnell, wenn wir nicht lehrgemäß denken, reden und handeln. Er erwartet nicht, dass wir einen optimalen Umgang mit der Situation pflegen - dann wären wir bereits Erwachte - aber wir wissen, dass er den Maßstab erkennen kann, mit welchem wir "uns" und "Welt" messen. Und das macht vorsichtig, macht achtsam.
Es sollte solchen Situationen ein hoher Wert beigemessen werden. Wie viel passiert doch in diesen Momenten, in welchen wir unserem Freund etwas aus unserem Alltag erzählen möchten und in welchen wir wissen, dass wir nun im Sinne der Lehre aufmerksam sein wollen, wie wir unsere Worte wählen. Sicherlich ist uns oft ganz anders zumute, wir sind unter Umständen verärgert oder vorwurfsvoll. Doch nun müssen wir einen Perspektivenwechsel vollziehen, müssen erkennen, was gerade bei uns passiert, was passiert ist und wie wir damit umgehen. Wir müssen sehr achtsam sein, denn darüber hinaus soll die Lehre in Erinnerung gerufen werden; sie ist unser Maßstab. Nun geht es zum einen darum, die Situation lehrgemäß zu verstehen und dies manches mal entgegengesetzt des eigentlichen Wollens. Alleine dies stellt einen hohen Energieaufwand dar, beinhaltet die Herausforderung, den Geist und das bessere Wissen zu behaupten gegen den Drang, so und so tun zu wollen. Dieses Behaupten ist ein Kampf, ist ein sich Aufbäumen gegen das als Schädlich erkannte, das unserer Gewohnheit entspringt. Dieser Kampf muss begonnen werden, er muss geführt und beendet werden. Zufällig läuft dieser Kampf nicht in die rechte Richtung, das weiß jeder, der solche Anstrengungen unternommen hat. Jeder Schritt muss überlegt sein, muss fundiert sein und sich in Harmonie befinden mit allen anderen Teilschritten, darüber hinaus mit der grundsätzlichen Einstellung. Es geht hierbei um ein ganz bewusstes Auseinandersetzen mit dem was ist und mit dem was sein soll. Es ist ein In-Angriff-Nehmen, ein Fokussieren, ein Anspannen und Entspannen, ein Aufsteigen-Lassen und ein Zurückhalten. Es ist ein ausdauerndes Immer-Wieder-Widerstand-Leisten, ein Überwinden, ein Loslassen, Bewerten und Besänftigen, ein Immer-Wieder-Aufstehen... Wir alle, die wir diesen Kampf kämpfen, erkennen uns in diesen Worten wieder. Und wenn wir hierüber nachdenken, uns daran erinnern, dann wissen wir, wie intensiv diese Auseinandersetzung ist - die Auseinandersetzung mit der Lehre.
Darin erschöpft sich jedoch bei Weitem noch nicht das nutzbringende Element, denn hier befinden wir uns noch ganz am Anfang dieser Erscheinung. Das was unseren Ausführungen folgt, ist die Reaktion des Freundes, seine Antwort auf das Dargestellte. In dieser sozialen Interaktion, dem gegenseitigen immer-wieder-Reagieren auf das Gegenüber, finden enorme Prozesse statt, welche auf den ersten Blick nicht immer sofort erkennbar sind. Je mehr sich die Gesprächspartner, die Freunde, die rechte Ansicht zum Maßstab gesetzt haben, je treuer und beharrlicher sie diese zur Orientierung nehmen, um so größer, tiefer ist der im Folgenden beschriebene Effekt: Von Natur aus unterscheiden wir uns alle in unserer Auslegung, unserer Ausführung, unserer Prioritätensetzung und vielem mehr. Das heißt im Gespräch, dass wir Umstände (welche wir bereits unterschiedlich wahrgenommen haben) oft sehr unterschiedlich mit wiederum unterschiedlichen Worten beschreiben. Wenn sich nun zwei Freunde im Gespräch befinden, so muss der eine zunächst sich darum bemühen, den Sinn der Worte des anderen zu erfassen. Darüber hinaus muss nun ein Vergleichen stattfinden mit den Lehrinhalten, ein Aufeinander-Beziehen. Es muss stattfinden ein Wiederfinden der Lehre in dem Erzählten und ein Wiederfinden des Erzählten in der Lehre. Darauf hin müssen Abweichungen identifiziert und eingeordnet, mögliche Missverständnisse oder Schwierigkeiten in Erinnerung gehalten werden. Zuletzt ist es Zielsetzung, das Gesagte zu einem Gesamtbild zusammenzufassen, einmal im Sinne des Verständnisses, einmal im Sinne der Lehrnähe oder Lehrferne. Darüber hinaus lösen diese Erzählungen im Zuhörer selbst Reaktionen aus, es werden Tendenzen angesprochen, welche ihrerseits ein Gefühlsurteil abgeben und so und so reden und handeln lassen wollen. Dies ist ein weiterer Aspekt, welcher, wieder im Sinne der Lehre, einen angemessenen und zielführenden Umgang fordert. Auch hier, diesmal aus anderer Warte, muss die Lehre wieder herangezogen, erkannt, umgesetzt werden.
So können wir erkennen, dass bereits bis zu diesem Punkt auf verschiedenen, jedoch parallel laufenden Ebenen eine Lehrauseinandersetzung stattfindet, welche ein zum Teil hohes Maß an Lehrkenntnis, Konzentration, Achtsamkeit, aber auch Geduld, Einfühlungsvermögen und Weiterem erwartet. Dass dies komplexe und intensive Prozesse sind, kann nachvollzogen werden, dass diese Prozesse um so heilstauglicher sind, je stärker die Orientierung an den echten Maßen ist, ist ersichtlich.
Jedoch setzt sich dieses Prozedere weiter fort, denn der Freund wünscht eine Antwort, eine Rückmeldung zu dem von ihm Gesprochenen. Nun liegt es am Zuhörer, einen Bezug herzustellen und mögliche Perspektivenwechsel herzuleiten oder weitere Faktoren einzuführen. Das, was der Freund erzhält hat, muss mit den eigenen Erfahrungen und Einsichten verglichen, die Sinnhaftigkeit darin erkannt und in Einklang mit dem eigenen Verständnis gebracht werden. Dann erst kann die Problematik an sich im Gesamten identifiziert und kommentiert werden, diesmal mit der Ausrichtung darauf, dass der Freund sie möglichst gut fassen und annehmen könne. Da ist es dann notwendig, auch wieder im Sinne der Lehre, nach Antwort und Formen der Antwort zu suchen, welche förderlich sind für beide Seiten. Es gilt als Grundsatz alleine schon, die Einstellung des in der Häuslichkeit lebenden zu berücksichtigen; "Was andere Wesen verletzt, widerstrebt seinem Wesen, er ist zartfühlend, voll Mitempfinden, Eintracht freut ihn, Eintracht macht ihn froh, Eintracht fördernde Worte spricht er. Er redet liebevoll, spricht zum Ziel helfend, wünscht den Wesen: Sie sollen es gut haben." Er will Worte nutzen, die frei von Schimpf sind, dem Ohre wohltuend, liebreich, zum Herzen dringend, höflich, viele erfreuend, viele erhebend und zur rechten Zeit will er sprechen, den Tatsächen gemäß, auf den Sinn bedacht, der Lehre und Ordnung getreu. Seine Rede soll reich an Inhalt sein, klar abgegrenzt, alles umschließend, ihrem Gegenstande angemessen. Das "Soll" steht hierbei nicht für die Anweisung des Erwachten, sondern für seinen eigenen Anspruch, welchem er gerecht werden will. So können wir auch in diesem Zusammenhang eine intensive Lehrauseinandersetzung feststellen, selbst wenn keine Lehrredenbesprechung stattfindet.
Auch in der Erinnerung an die vier Eigenschaften zur Gewinnung des Stromeintrittes erkennen wir, dass der Umgang mit heilskundigen Menschen eine dieser Voraussetzungen darstellt. Da wir ferner, wie oben bereits kurz angesprochen, jeweils nach unseren individuellen Charaktereigenschaften beschaffen sind, so sind wir in mancher Hinsicht dem anderen etwas voraus und ist der andere uns in mancher Hinsicht etwas voraus. So finden wir bei unserem Gegenüber immer wieder Bereiche, in welchen dieser uns als lebendiges Vorbild dient, als regelrechtes Verhaltensmodell. Dies bedeutet ein gegenseitiges Aneinander-Wachsen, welches sich bei aufrechterhaltenem Lehrkontakt immer weiter ausbaut und erweitert. Jeder Fortschritt des Freundes wird somit zu unserem Fortschritt und da wir hier die dritte Art der Förderung sehr deutlich erkennen können, den anderen anerkennen, ihn aufnehmen, innerlich fördern und zum Besseren verhelfen, so können wir uns darüber hinaus heilsamer karmischer Auswirkungen erfreuen.
So ist der Freund immer wieder Anstoß zur Auseinandersetzung, sei es in der direkten Konfrontation oder auch in den Zeiten dazwischen. Wie oft sitzten wir nach einem Treffen zu Hause und erinnern uns der Gespräche und der Kommentare des anderen. Hier wirkt das Gespräch nach und lässt uns, gerade in dieser Zeit des Alleinseins, unser Denken und Reden überdenken. Hier kommt noch der Aspekt der Reflektion des Gesprächsverhaltens dazu; "Habe ich zu viel Geredet? Habe ich den anderen aussprechen lassen? Habe ich mich im Gespräch dominant verhalten (eine Form von Nächstenblindheit, Grobheit)?" Und: "Wie kann ich das beim nächsten mal ändern, was wäre lehrgemäß?"
Natürlich stellt es einen unschätzbaren Gewinn dar, sich gemeinsam und ganz direkt mit der Lehre und mit Lehrreden auseinanderzusetzen. Dennoch kann die hohe Wertigkeit der rechten Freundschaft auch außerhalb dessen erkannt werden: die rechte Freundschaft wirkt immer und je tiefer der rechte Maßstab verstanden und ernst genommen wurde, um so tiefer wirkt die Freundschaft auch zwischen den ganz direkten Lehrthemenbesprechungen.
Wenn wir uns dann im Alltag beobachten, bemerken wir vielleicht, wie sogar hier der Freund in Gedanken anwesend ist und wir uns bemühen, vor ihm nicht schlecht dazustehen durch unser Denken, Reden und Handeln im Sinne der Lehre. Auch möchten wir uns vorbereiten, dass wir dem Freund im nächsten Gespräch möglichst nur Gutes zu erzählen haben, da wir uns recht konsequent an das Heilsame erinnert und dieses berücksichtigt haben. So können wir einen solchen Menschen auch in seiner Abwesenheit als Beistand und Unterstützer, als Helfer und Mahner erkennen.

In diesem Sinne möchte ich an dieser Stelle einem jeden Gefährten, welcher sich auf dem edelsten aller Wege befindet, meinen tiefen Dank zum Ausdruck bringen.
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Was ist, wenn der Partner stirbt?

19. August 2016


In aller Regel ist es so, dass einer von Zweien früher den Erdenleib verlässt als der andere. In vielen Fällen kann man sich gemeinsam darauf vorbereiten, in anderen Fällen jedoch kann man das nicht. Und das würde heißen, dass kein Abschied und auch keine Absprache stattgefunden haben, wie man sich nun verhalten kann und was beiden in dieser Situation helfen und gut-tun könnte. In der Regel hat man diesen Fall zuvor auch daher nicht besprochen, weil kaum jemand ernsthaft damit rechnet, den anderen am Abend oder am Morgen oder irgendwann anders tot vorzufinden oder die Nachricht zu erhalten,dass er durch einen Unfall oder ähnliches gestorben sei.

Zum einen stellt sich die Frage, was in weltlicher Hinsicht getan werden kann, also im Bezug auf Papiere, laufende Verträge, Versicherung etc. Die andere Frage, für welche sich wohl schwieriger eine Antwort finden lässt ist die, wie mit der Situation innerlich umgegangen werden kann gerade auch dann, wenn man eine Fortexistenz nach dem körperlichen Tod ernsthaft für möglich hält.
In diesem Fall weiß der Hinterbliebene, dass der Weitergegangene sich unter Umständen noch in der Nähe befindet (vgl. Meditation nach dem Buddha, S.83) und dass dies auch noch einige Zeit der Fall sein kann. Unter Umständen befindet er sich aber auch nicht mehr in der Nähe, oder nur noch eine gewisse Zeit lang oder von Zeit zu Zeit oder eine Zeit lang nicht, aber dann wieder. Somit befindet sich der Hinterbliebene in einer Situation, welche er nicht klar einschätzen und über welche er in aller Regel auch keine Klarheit erhalten kann. Geht er davon aus, dass der Weitergegangene sich in der Nähe befindet, wird er sein Verhalten danach ausrichten, jedoch können hier schnell Zweifel aufkommen, ob dies wirklich der Fall sei und somit verfällt er schnell in ein Hoffen/Bangen/Befürchten etc., ist sich seiner Vorgehensweise nicht mehr sicher, quält sich hiermit oder lässt den Gedanken an den anderen vollständig fallen. Geht er von anderen Umständen aus, z.B. dass der Weitergegangene sich nicht mehr in der Nähe aufhält, passiert schnell das Gleiche und wenn er davon ausgeht dass der Weitergegangene mal da ist, mal nicht da ist, verfällt er schnell in Zweifel, wann was der Fall sei. Bei jeder Variante ist es möglich, dass er sich selbst quält oder den Gedanken an den anderen fallen lässt.
Für den Weitergegangenen ist diese Situation ebenfalls äußerst schmerzhaft, denn er sieht seinen lieben Menschen neben sich stehen, kann aber nicht mit ihm kommunizieren und sich mitteilen, kann ihm nicht helfen und muss zusehen, wie dieser Mensch vielleicht ganz an der Realität vorbei handelt oder ein eventuell richtiges Handeln nicht längerfristig gesichert ist. Es stellt sich nun die beinahe unlösbare und ebenfalls sehr quälende Frage, wie mit dieser Situation umgegangen werden kann dass keine Kommunikation mehr möglich ist, aber dennoch beide sich so verhalten können, dass für den anderen das Verhalten wohltuend ist und keine Belastung darstellt.
Zunächst ist es für beide eine Wohltat, wenn der eine dem anderen, so gut wie es geht, Metta zukommen lässt. Für das Weitere gibt der Buddha in einem anderen Zusammenhang eine Antwort: Auf die Frage, ob es ein Leben nach dem Tod gebe – dies ist ja auch eine Frage, welche wir uns nicht beantworten können – sagt er (unter anderem) dass es sinnvoll sei, weder von der einen, noch von der anderen Vermutung auszugehen, sondern unsere Situation des Nichtwissens zu realisieren und beide Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Dass wir uns also so ein Verhalten aneignen, welches in jedem Falle zu positiven Wirkungen führt, gibt es nun ein Leben nach dem Tod oder auch nicht. In Hinsicht auf das Leben nach dem Tod heißt dies neben der Einhaltung der Tugendregeln, dass wir uns mehr und mehr die rechte Ansicht und den rechten Weg aneignen, denn damit treffen wir es im nächsten Leben gut und, sollte es so sein dass es kein Leben nach dem Tod gibt, treffen wir es auch schon in diesem Leben gut (vgl. M60). Der Buddha sagt, wir sollen nicht sagen und denken:“Nur das ist richtig, alles andere ist falsch.“, sollen nicht diesen einseitigen Schluss ziehen (siehe auch M 95 - CANKI). Beziehen wir dies auf unsere Situation mit dem weitergegangenen Partner, dann benötigen wir also ein Verhalten, welches in allen oben genannten Fällen richtig ist. Grundlage hierfür ist das Wissen, dass wir von keiner Situation ausgehen dürfen. Wir sollten uns also darüber im Klaren sein, dass alles der Fall sein kann und uns dementsprechend verhalten: Dass wir dem Partner ernsthaft Metta senden aber während dessen wissen, dass wir dies für den Fall tun, dass es ankommt, dass wir nicht dem blinden Glauben verfallen, dass es auf jeden Fall ankommt. Wir stellen ihm Essen hin für den Fall dass er dies nehmen wird, aber in dem Wissen, dass es auch anders sein kann. Sollte er es aus verschiedensten Gründen nicht nehmen, können wir bei jeder Gabe unseren Wünschen hinzufügen „...und sollte er es nicht nehmen können oder nehmen wollen, so soll es der mir am nächsten stehende Verstorbene nach ihm erhalten.“ Somit haben wir für den Fall gesorgt dass wir ihm helfen können, aber haben auch die richtige Einstellung für den Fall, dass er die Sendungen nicht erhält.
Mit dieser Einstellung ist es dem Weitergegangenen auch möglich, sich im Jenseits so zu verhalten, wie es zielführend für ihn ist, er braucht sich keine Gedanken machen um seinen Partner. Sollte es so sein, dass er den Rest des Lebens an der Seite des Hinterbliebenen weilen wird, so fühlt er sich (im Rahmen der Umstände) wohl, da dieser nach der Möglichkeit handelt, dass der Weitergegangene noch bei ihm weilt. Sollte es so sein, dass er strebsam in andere Bereiche eindringt, so braucht er sich wegen des Verlassens nicht zu sorgen, denn er weiß ja, dass der Hinterbliebene auch diese Möglichkeit in Betracht zieht. Sollte sein Herz so geneigt sein, dass er zeitweise in anderen Welten weilt und zeitweise noch bei seinem Partner ist, so ist auch diese Möglichkeit dem anderen bewusst und sein Verhalten danach ausgerichtet. Sollte der Weitergegangene in einer dunklen Daseinsweise leben, werden ihm die Mettagedanken und die Totengaben eine große Wohltat bedeuten und ihm die Möglichkeit geben, sich an das Helle zu erinnern und weiter zu streben. In jedem Fall wird es ihn sehr erleichtern, wenn er merkt, dass der Hinterbliebene sich nicht quält aufgrund seiner Orientierungslosigkeit.

Es wird ihm eine große, große Hilfe und Erleichterung sein wenn er sieht, dass sein Partner sich an diese gemeinsame Vorbereitung (auf die Zeit der nicht möglichen Kommunikation) erinnert und wenn er bei seinem Hinterbliebenen erkennt, dass er dementsprechend weiß, „was nun zu tun ist“ - und dies auch zu tun beginnt.

Hierbei sollte es auf beiden Seiten so sein, dass jedem die Wucht der Triebe bekannt ist und Bemühungen wichtig und richtig sind, dass aber Überforderungen vermieden werden müssen, auf beiden Seiten. Keiner sollte sich Ziele setzen, welche über seine Kräfte hinausgehen. Sollte zum Beispiel der Hinterbliebene das starke Bedürfnis verspüren, mit einem wahrnehmbaren Partner zusammenzuleben weil er sich alleine und einsam fühlt, sollte dieser nicht über seine Kräfte hinaus versuchen alleine und unter bitterem Verzicht zu leben ((vgl. auch AIII,110 (PTS 106); falsche Gangart ( citte vy-ā-panne)). Sollte der Weitergegangene spüren, dass eine intensive Lehrauseinandersetzung wichtig ist (z.B. zur Sicherung des Stromeintrittes), diese ihn aber von seinem Hinterbliebenen entfernen wird, so muss der Weitergegangene sich sicher sein dürfen, dass die Entscheidung für die Lehre bei dem Hinterbliebenen auf vollstes Verständnis stößt. (Zumal diese Einstellung dem Hinterbliebenen gutes Karma beschert)

Der Hinterbliebene sollte sich nichts verbieten oder etwas unterdrücken, wie zum Beispiel Trauergefühle. Zwar weiß er, dass diese aus einer egoistischen und eigennützigen Liebe hervorgehen und dass seine Trauer dem Weitergegangenen eine Beschwer sind, dennoch muss er wissen, dass es Zeiten der Trauer gibt und dass er auf der anderen Seite auch jederzeit glücklich sein darf, trotz des Verlustes, dass er sich hierfür nicht zu schämen braucht, dass dies nichts Falsches ist. Natürlich ist es sinnvoll, nicht in der Trauer zu versinken oder sie gar aufrecht zu erhalten, diese Zeiten sind notwendig, aber hiernach muss es auch bald wieder weitergehen, gerade im Bezug auf die Lehrnachfolge. Ferner ist selbst die Trennungssituation an sich eine wunderbare Möglichkeit, um den Wahrheitsgehalt der Lehraussagen bei sich selbst zu erkennen; aus Liebem erwächst Leid (siehe auch M 87 – Was aus Liebem kommt), alle Wahrnehmung ist vergänglich usw. usw.

Ein weiterer Schritt welcher jedem Lehrnachfolger sicherlich sehr zu empfehlen ist, ist einen baldigen Kontakt zum Sangha herzustellen, um sich von ihm unterstützen zu lassen, gerade auch in Hinsicht auf das oben Beschriebene. Vielleicht sind dies zunächst auch nur einzelne Mitglieder des Sangha, er sollte ganz so entscheiden, wie es ihm am besten hilft. Der Sangha nimmt die Situation zumindest ein wenig objektiver wahr, ist daher gefühlsneutraler und kann dem Hinterbliebenen in heilsamer Weise unterstützen. Gemeinsam mit dem Sangha kann sich zum Beispiel darüber ausgetauscht werden, wie die oben beschriebene Einstellung gelebt werden kann, also sein Denken, Reden und Handeln an der Möglichkeit auszurichten, dass der andere anwesend ist, sich vielleicht aber auch ganz wo anders befindet, so dass also eine einseitige und Unsicherheit erzeugende Haltung vermieden werden kann. In jedem Fall ist es für alle sicherlich hilfreich, wenn negative Neigungen hin zu Zorn, übermäßiger Trauer, Hilflosigkeit, Reue, Zweifel, Verdrängung etc. vermieden werden können, und wenn gerade die Gegebenheit des Verlustes in tauglicher Weise genutzt werden kann, um in der Lehre voranzuschreiten.


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Nidana-Reihe Zusammenfassung

aus einem Schriftwechsel mit Frau Anders-Debes

02. Mai 2016

Der folgende Inhalt entstammt, wie bereits erwähnt, einem Schriftwechsel mit Frau Ingetraud Anders-Debes. Sie erhielt die Zusammenfassung der Nidana-Reihe und kommentierte diese. Ihre Kommentare sind in dieser Farbe geschrieben, so dass sie sich vom restlichen Text abheben.
Da es mir immer wieder Probleme bereitet hatte zu verstehen, aus welchem Grund das eine Glied der Nidana-Reihe das andere bedingt und inwiefern dies der Fall ist, habe ich die entsprechende Begründung hierfür nochmals ausgeschrieben und jeweils in dieser Farbe angeführt. Im Anschluss an die kommentierte Zusammenfassung finden sich weitere, abschließende Kommentare aus dem Brief von Frau Anders-Debes.

avijja, Wahn, Falschwissen, an ein Ich in einer Welt glauben

Das Gegenteil davon, zu wissen wie etwas wirklich ist.

avijja bedeutet das Betreffende ist in der Wirklichkeit so nicht zu finden.

Das heißt, hier ist Leidfreiheit nie zu finden.

Avijja geht hervor aus den ersten drei Zusammenhäufungen, den Erlebnissen.

Der Geist kennt nichts als die Eintragungen der Blendung.

Diese Wahrnehmung ist wie eine Fata Morgana.

...denkt nicht "Wahrnehmung von Festem", sondern denkt "Festes", übersieht die Tatsache, dass Form aus Wahrnehmung besteht, diese aller Dinge Urart und ein geistiger Vorgang ist, welcher von den Trieben erzeugt wird...

„Ich“ und „Welt“ sind nur die Deutung der Wahrnehmung „Ich“ und „Welt“.

In der Erfahrung (vinnana) (von Tönen etc.) liegt das All, alles gründet sich auf vinanna.

Die täuschende Vorstellung, die falsche Anschauung den Inhalt der Wahrnehmung als Realität zu nehmen, nennt der Erwachte Wahn.

Im Empfindungssuchtkörper mit Wahrnehmung und Geist sind Welt, Weltfortsetzung und Weltüberwindung und die zur Weltüberwindung führende Vorgehensweise.

Die vom Luger erfahrbaren Formen etc... werden „Welt“ genannt.

Begehrensstränge bedeutet; dass nur durch Begehren Formen etc. erlebt werden.

Jeder Begehrensstrang ist eine drängende Kraft.

Das eine Ende (das Begehren) ist das „Ich“, das andere Ende ist die Welt; Begehren und Begehrtes.

Das Herz mit der Gesamtheit seiner Triebe spiegelt uns eine Welt vor, die in Wirklichkeit nicht da draußen ist (Traumvergleich.

Das Ganze gilt nicht wirklich, ist nicht so.

Begehren führt zu Wahrnehmung, besteht das Begehren, dann besteht der Wahn. Der unbelehrte Geist kann nie die Aufhebung des Begehrens anstreben, daher auch nicht die Wahnaufhebung.

Avijja ist ein riesiger wahnhafter Wissenskomplex.

Ein von raga, dosa und moha gereinigtes Herz ist fähig zu vijja.

Nach der vierten Entrückung ist Wahn aufgehoben, der Mensch ist fähig zu den Weisheitsdurchbrüchen.

asava, Beeinflussbarkeit, (weltliche) Einflüsse (in der Nidana-Reihe nicht immer genannt (gelistet)

Bessere Übersetzung; Wollensflüsse - Einflüsse

Bedeutet wörtlich drängendes Fließen.

Bezeichnet das drängende Wollen in allen Lebewesen zum einen und die andrängenden Wahrnehmungen zum anderen.

Hieraus besteht das „Leben“; wollen und wahrnehmen.

Diese beeinflussen das Wollen, der Empfindungssuchtkörper, ist die Beeinflussbarkeit der Wollensfluss.

Auf Grund der falschen Anschauung kann ein Mensch nie frei werden davon, von der Wahrnehmung herumgeworfen zu werden, kann nicht frei werden von Erschütterung, nicht frei werden vom Leiden; er meint, das Glück im Außen zu finden.

Es gibt drei Wollensflüsse:
nach Sinnendingen
nach Sein; irgendwie sein, bzw. weitersein wollen
nach Wahn; die wahnhafte Neigung das Wahrgenommene als außerhalb der Wahrnehmung, als wirklich seiend aufzufassen

Avijja lässt nach äußeren Eindrücken (Einflüsse nach innen) nach Einflüssen lungern (Einflüsse Wollensflüsse nach außen), um Gewünschtes zu erleben, Befriedigung zu finden. Die Wesen setzen sich also mit den (Wahn-)Erlebnissen auseinander und erhalten, verändern, vermehren dadurch die Triebe und diese schaffen die Wahrnehmung und den Wahn. (So bedingen sich Wollen und Wahrnehmung gegenseitig) Wo Wollen ist, gibt es Wahrnehmung.

Der aufgeklärte Mensch verhindert diesen Prozess mehr und mehr (durch Durchschauung der Zusammenhänge und loslassen von ihnen), löst den Wahn damit auf.

Der Geheilte hat kein Wollen mehr, ist daher nicht mehr beeinflussbar, auch wenn er registriert mit Weder-Weh-noch-Wohl-Gefühl (registrierbar (aber ohne Gefühl) berührt wird.) Durch avijja, die Illusion einer gespaltenen Begegnung, lungert (Wollensflüsse) der Mensch nach Berührung nach außen.

sankhara, die drei Bewegtheiten, Wirksamkeiten, Vorgänge

1. körperliche Bewegtheit; Ein- und Ausatmung als Grundtyp dieser Bewegtheit
2. Herzens-Bewegtheit (Gefühl und Wahrnehmung)
3. geistige, „sprachliche“ Bewegtheit (Erwägen und Sinnen)

Körperliche Bewegtheit
Ein- und Ausatmung geschieht an der zu sich gezählten Form (1. Zusammenhäufung), dem Körper.

Es ist leichter diese geschehen zu lassen, als sie anzuhalten. Insofern geschieht sie „von selber“.

Zur körperlichen Bewegtheit zählen auch alle anderen unbewusst selbsmotorisch geschehenden Vorgänge (Herzschlag etc.).

D.h., der Körper besteht als etwas Fließendes, ununterbrochen sich änderndes.

Herzensbewegtheit
Die Triebe des Herzens durchziehen den Fleischleib, durch sie kommen ununterbrochen Gefühle und Wahrnehmungen auf (2.+3. Zhfg.).

In der Wahrnehmung wird (gibt es) Subjekt und Objekt erfahren.

Im Gefühl (entsteht) ist das jeweilige Wohl oder Wehe.

sprachliche Bewegtheit: Erwägen und Sinnen
Mit dem Wahrgenommenen beschäftigt sich ununterbrochen (unser) das Denken (4. Zhfg.), ein lebenslängliches Erwägen und Sinnen als Re-aktion.

Es gibt hier Erwägen (Bedenken) und Sinnen. Denkobjekte bewegen den Geist ununterbrochen. Der Belehrte kann den Geist oft lenken.

„Es denkt“ die ganze Zeit, (beherrscht uns, wir können es nicht beeinflussen).

Wahnhaftes Denken ist: (das Denken) (bildet sich ein): „Ich denke“; dieser Gedanke durchsetzt alle anderen Gedanken.

(es enthält alle 5 sinnlichen Erfahrungsbereiche) "es" denkt Formen, Töne, Düfte, Säfte, Tastungen, Gedanken!

Was man vorher bedacht und erwogen hat, spricht man nachher aus, daher sprachliche Bewegtheit.

Nur das Denken kann wird (das Wesen und die Entwicklung beeinflussen) Triebe verändern.

Das unmittelbare Wirken in Gedanken, Worten und Taten nennen wir die kleinen Bewegtheiten, denn sie gehen aus der großen, der geistigen Bewegtheit hervor.

Die fünf Zusammenhäufungen bestehen als ununterbrochenes Vorüberfließen der drei Bewegtheiten.

Alles befindet sich in ununterbrochenem Fluss; das ist die Bedeutung des Begriffes „die drei Sankhara“.

Die Tatsache dass die fünf Zusammenhäufungen nicht statisch bestehen sondern sich im Fluss befinden, das besagt der Begriff der drei Sankhara.

Die drei Bewegtheiten sind bedingt durch den Wahn:
Die drei Sankhara deuten auf die drei großen Erfahrnisbereiche hin (grober, mittlerer und feiner Wahn):
1. grobe Selbsterfahrnis durch die Triebe der Sinnensucht.
2. Geistunmittelbare Selbsterfahrnis; unmittelbare Darstellung aus gedanklicher Vorstellung.
3. Formfreie Selbsterfahrnis; nur durch Gefühl und Wahrnehmung bedingt.

Die drei Bewegtheiten lassen immer nur Leiden erfahren, vom feinsten bis zum gröbsten, alles was hier ist, ist ein-gebildet, also Wahn.

Alle diese Bewegtheiten befinden sich im Wahn (innerhalb des Falschwissens, dass eine objektive Welt an sich bestünde, das Gegenteil davon zu wissen, was die Wahrheit ist etc.), alles hier ist nur eingebildet; daher bedingt der Wahn die drei Bewegtheiten; vergleiche mit dem Traum – der (Wahn-)Traum muss sein, damit die drei Bewegtheiten in ihm sein können.

Durch die drei Bewegtheiten bedingt ist vinnana (programmierte Wohlerfahrunssuche)

Bei den fünf Zusammenhäufungen und den drei Sankharas ist es die selbe Reihenfolge, auf welche das vinnana unmittelbar folgt:
Am von Ein- und Ausatmung bewegten Körper (die Sinnesorgane) (1.Bewegtheit) geschehen ständig die Bewegtheiten des Herzens: Gefühl und Wahrnehmung auf Grund der Triebe des Herzens (2.Bewegtheit), die die Reaktion des Geistes (3. Bewegtheit herausfordern). Im nächsten Schritt folgt das vinnana.
Bei den Zusammenhäufungen ist es die selbe Reihenfolge.

Das vinnana führt den Körper an die gewünschten Objekte oder umgedreht, entsprechend der im Leben einprogrammierten Programme.

Das vinnana hält als Schwungrad (der gesamten schwung- gegebenen Aktivitäten) die Gesamtaktivität ununterbrochen in Gang, auch über den Tod hinaus.

Vinnana setzt die Grundgewohnheit, ununterbrochen Sinneseindrücke hereinzuholen, fort. Daher sorgt es für das weitere Zusammenhäufen der Zusammenhäufungen.

Vinnana ist also unmittelbar bedingt durch die denkerische Bewegtheit; alle kleine Bewegtheit geht ja vom Geist aus;
Indem das vom Geist als angenehm Bewertete angestrebt und das Angenehme dann durch erfahrungsgelenkte (Erfahrung ist im Geist) Handhabung des Körpers erfahren wird

oder

Indem durch gründliches Nachdenken das vinnana umprogrammiert wird, z.B. dadurch dass man sich die rechte Anschauung immer wieder vor Augen führt und nun anders plant.

Die Grundlage für das vinnana ist Beabsichtigen, planen, denken. Man ist planerisch, denkerisch aktiv um das Gewünschte zu erfahren.

Je öfter man sich die rechte Anschauung vor Augen führt und entsprechend bewertend denkt, um so mehr bildet sich die Gewöhnung aus nicht mehr zu ergreifen sondern der rechten Anschauung zu folgen; dies wird dann zu einem Programmablauf; vinnana.

Nama-rupa, das Psycho-Physische

Ist (Seele) Triebe, Tendenzen, Geist und Körper, diese Struktur.

Rupa meint den grobstofflichen, den feinstofflichen Leib und (die Umwelt) Materie (die vier Elemente), aus welcher dieser hervorging.

Es gibt einen großen Komplex von Tendenzen und den Tätigkeiten des Geistes; * Der Christ versteht unter Seele auch den GeistTendenzen und Geist sind „nama“. (Dem gegenüber steht wiederum ein großer Komplex von wahrnehmbaren Erscheinungen, zu dem die Bezüge bestehen, also rupa) * Die Spinne (Wollensflüsse) spinnt aus sich das Netz; die Triebe entwerfen die Erscheinungen.

Die nama-kaya strukturierten Dränge sind (keine Erscheinungen, sondern) Kräfte. Diese können (können nicht direkt erkannt werden, sondern (vom Weltmenschen) nur die vom Wollenskörper ausgehenden Erscheinungen).

Wäre der gegenständliche Körper nicht vom Wollenskörper durchzogen, könnte das an seine Sinnesorgane herangekommene nicht empfunden werden (an Traum denken!).

Nama-kaya kann anhand der von ihn ausgehenden Wirkungen beschrieben werden ((er selbst ist aber nicht die Wirkung an sich).) nama-kaya (Wollens-Struktur ist das Ergebnis des bewertenden Denkens):
Gefühl (durch die Berührung)
Wahrnehmung (Form und das Gefühl werden wahrgenommen)
Absicht (sich dem Gefühl hingeben oder mit geistiger Aufmerksamkeit betrachten)
Berührung
Aufmerksamkeit
Der Körper mit den Sinnesorganen wird vom vinnana durch die Welt gelenkt, daraus gehen Gefühl, Wahrnehmung und Absicht hervor. Die Absicht hat zwei Möglichkeiten: sie kann sich der Berührung (und damit dem Gefühl) hingeben, oder sie kann nachdenken, beobachten; sich orientieren. Yonisomanasikara, welches nach der Herkunft der Triebe forscht, „wehrt“ sich gegen das vinnana und dessen Richtung.

durch vinnana bedingt ist nama-rupa

Vinnana ist immer an das Psycho-psychische gebunden; für die Triebe lenkt das vinnana den Körper an die begehrten Objekte; vinnana führt rupa an nama.

Es muss mit der im Gedächtnis eingetragenen Erfahrung gesucht werden: wohl tut das, wehe tut das, dies sind die Wege; das ist ihre Programmiertheit.

Der normale Mensch erkennt die innere Dynamik nicht, lenkt daher kaum bewusst. Daher läuft das vinnana fast unbehindert der Wunscherfüllung nach, dies führt bei allgemein positiver Bewertung zur Verstärkung der der Wünsche. Daher verflechtet das vinnana die Psyche mit den Dingen (nama mit rupa).

Das vinnana knüpft daher an die wohltuenden Formerscheinungen an, ist auf sie programmiert, je öfter dies passiert, um so stärker die Programmierung.

Das vinnana lenkt das nama-rupa (die feinstoffliche Form) nach dem Tod in den Mutterleib zu neuer grobstofflicher Form. Daher ist das vinnana die Bedingung für das Psycho-Physische, nama rupa, es verbindet die beiden, führt sie zusammen. Das vinnana „ernährt“ das nama-rupa, die Triebe nach Sinnendingen.

Durch nama-rupa bedingt ist vinnana.

Nama rupa und vinnana sind eine immer miteinander verbundene Zweiheit: Weil der Empfindungssuchtkörper Dränge hat welche Empfindungen wünschen, wird die Welt des Empfindbaren gesucht; die Erfahrung (vinnana) der tausend äußeren Dinge. Darauf reagiert der Geist dann wieder um die angenehme Berührung zu wiederholen, oder mit der Absicht, sich zu orientieren...

Letzter Punkt von mir: auch weil Süchte, Wünsche nach Berührung durch (Formen) sind, entsteht Bedenken, Wiederholung, Tun, vinnana - Programm.

Sechs Süchte und die entsprechenden Vorstellungen/Imaginationen

Tendere: sich spannen, hinstrecken auf etwas

Es gibt einen Ausgangs- und einen Zielpunkt der Triebe: Ausgangspunkt ist das Vakuum, der Zielpunkt das als außen Wahrgenommene, Vorstellung, Einbildung.

Süchte auf der einen Seite, Formen etc. auf der anderen Seite.

Der Empfindungssuchtkörper ist sechsfältig, die Triebe und das von ihnen Erfahrene nennt der Erwachte als Paare: der Luger und die Formen etc.

Das Herz entwirft im Geist die Wahrnehmung einer Welt, welche nur nach außen projiziert wird.

Die Sinnensüchte bestimmen die sinnliche Wahrnehmung; ruht diese Sucht, ist auch keine Wahrnehmung von Welt.

Die Gesamtheit der Triebe sind die Erscheinungsmacher der Welt, sie sind die Welt.

So sind die Triebe die Wurzel der Welt, der Form, des rupa.

Das von der Programmiertheit des Geistes gelnkte Psycho-Physikum (nama-rupa) besteht als sechsfache Süchtigkeit (keine Bedingtheit).

Entsprechend der Herzensqualitäten ist die Weltqualität.

(Das vom vinnana (zusammengehaltene) nama-rupa ist der Bereich in welchem die Süchte und die Wahrnehmungen bestehen, und zwar sechsfach unterteilt. Daher ist das Sechsreich durch nama-rupa und vinnana bedingt (Schlussfolgerung von mir).)

Durch das Sechsreich bedingt ist Berührung

Berührung ist eingetreten, wenn einer der nach bestimmten Erfahrungen süchtigen Triebe im Körper von einer Form etc. berührt wird.

Luger-Erfahrung etc. ist eine Teil-Erfahrung, es findet eine Ernährung z.B. des Triebes zum Sehen statt.

Erfahrung und Berührung sind identisch; Berührung ist Erfahrung.

Berührung ist nur eine Scheinbefriedigung, es gibt eine (ganz andere und endgültige Lösung für das Hungern).

(die Berührung muss irgendwo stattfinden, und zwar dort, wo die Bedingungen für Berührung gegeben sind, dort wo sich irgendetwas berühren kann. Dies ist das Sechsreich und somit ist dieses die Bedingung für Berührung.) Berührung ist gegeben durch Sucht und einst Gewirktem, das als Außen empfunden wird.

Durch Berührung bedingt ist Gefühl

Die Triebe, welche durch die Formen berührt werden, geben als Resonanz Gefühl.

(Entsprechen die Formen entspricht die Formwahrnehmung) dem Trieb, erzeugt dies ein Wohlgefühl, entsprechen sie nicht, erzeugt dies ein Wehgefühl. Ist ein Trieb nur schwach, entsteht auch nur ein schwaches Wohl- oder Wehgefühl, ist er stark, ist das aus der Berührung resultierende Gefühl stark, positiv wie negativ.

Gefühl ist also von beidem abhängig: den Formen, Klängen etc. und den Trieben.

Die Stärke des Gefühls bestimmt die Intensität der Wahrnehmung.

Jedes Gefühl ist zum einen Schmerz, zum anderen trübt es die Sicht auf die Wahren Dinge.

Durch Gefühl bedingt ist Durst

Gefühl ist Stimmung und Klang unseres Lebens.

Durch das Gefühl haben sich die Triebe spontan für die Annahme bzw. Nichtannahme eines Erlebnisses ausgesprochen. Dieser Triebwille wird unmittelbar gespürt als Dürsten und Lechzen in der genannten Richtung.

Dieser durstige Drang will den Menschen in jedem Augenblick bei jedem Gefühl mit einem neuen Willen herumjagen, in blinder Aktivität.

Erst das Bedenken der Folgen z.B. in Hinsicht auf Vernunft und Moral stellt sich dem Durst entgegen.

Starke Triebe lösen starke Gefühle aus, starke Gefühle einen starken Durst.

Ohne Gefühl könnte kein Durst erlebt werden, daher ist das Gefühl die Bedingung des Durstes.

Der Durst bedeutet also, dass man im Geist um die Zuneigungen und Abneigungen zu konkreten Objekten weiß und diese spürt. Er ist das Fühlen und Wissen im Geist und dies beeinflusst den Willen.

Der Durst ist ein bewusstes Wünschen im Geist die angenehmen Erlebnisse zu wiederholen und die unangenehmen Erlebnisse zu vermeiden.

Der Durst wird wie ein Gewicht verspürt und die Erfüllung wird als erlösend empfunden.

Der Durst ist wie ein Fesselband, welches einen an die vergänglichen Dinge und damit an das Leiden bindet, weil man dem Durst nach Wohl folgt.

Es gibt drei Arten von Durst:
1. Durst nach Sinnendingen, ist der Drang im Geist
2. Durst nach Dasein, So-sein-Wollen; so soll es bleiben, so soll es werden
3. Durst nach Vernichtung; ist das Gegenteil vom Obigen; nicht mehr sein wollen, so nicht sein wollen, Aufhebung des gegenwärtigen Zustandes, entwerden. Das geht vom Selbstmord bis zur Aufhebung allen Leidens, Durst nach dem Nibbana.

Durch Durst bedingt ist Ergreifen

Ergreifen ist gefühlsbefriedigendes Wirken.

Geschieht überall dort, wo man sich das Ziel, welches der Durst anstrebt, zu eigen macht.

Hierdurch bleibt das durch den Durst zum Ausdruck gekommene Verhältnis des erlebten Ich zu der betreffenden erlebten Begegnung im Dasein erhalten geblieben.
Upadana heißt, dass die betreffende Situation nicht aufgelöst wurde.

Da wo man dem Gefühl entsprechend handelt, hat man ergriffen, die Verbindung aufrecht erhalten.

Vier Arten von Ergreifen müssen aufgelöst werden:
1. sich bei den Sinnendingen befriedigen
2. sich bei weltanschaulichen Vorstellungen befriedigen
3. sich befriedigen durch angewöhnte und durchgehaltene gute Verhaltensweisen
4. sich befriedigen bei der Ich-Behauptung

Durch Ergreifen bedingt ist Werdesein

Dasein
Bhava ist Schaffsal, latentes Dasein, Daseinspotenz, werden, Werdesein.

Immer wird etwas erlebt und die Gesamtheit dieses dauernd wechselnden Erscheinens, Erlebens, ist Werdesein.

Alles Wirken ist Ursache für späteres in Erscheinung treten, alles fließt ununterbrochen.

Aus dem bhava tritt das Erlebte an uns heran.

Die Gewohnheitsbande aufzugreifen, sich anzueignen, dabei zu verbleiben, das ist praktisch diese Welt.


Das Ergriffene geht (Geht nicht verloren, bleibt bestehen, ist Schaffsal in das Werdesein ein, entweder ein wenig verändert oder einfach in erhaltener Form).; (daher bedingt das Ergreifen das Werdesein, bhava-sota, die Werdeseinsströmung) Durch Ergreifen ist Dasein bedingt.

Alles was wir erleben (werden), ist auch jetzt schon da, es ist nur noch nicht hier am Tor der Gegenwart.

Alles was irgendwann an das Tor der Gegenwart gespült wird, ist irgendwann ergreifend geschaffen worden und daher Selbstgeschaffenes.

Durch Werdesein, Dasein bedingt ist Geburt

Dasein bedeutet, dass das wollende Wesen immer besteht, dass es jetzt nur einen irdischen Körper anlegt.

(im Dasein werden) ...Durch Dasein erscheinen die Erscheinungen, werden „geboren“, also auch Dinge und andere Menschen.

Solange die Gewohnheit beibehalten wird, die als äußere Welt erscheinende Vielfalt der Formen hereinzuholen, so lange tauchen immer wieder Formen auf und werden mit dem gegenwärtigen triebbedingten „Geschmack“ abgeschmeckt.

Durch Geburt bedingt ist Altern und Sterben

Mit der Geburt beginnt das Altern, das Zuschreiten auf den Tod, Alter und Tod sind also durch Geburt bedingt.

Jara (Alter) heißt wörtlich übersetzt: „besiegt werden“, also besiegt werden vom Zerfall.

Alles besteht in einem ständigen Fluss, alles was entstanden ist, muss wieder untergehen. (In diesen entstehenden Wahrnehmungen von Formen und Gefühlen geht wiederum das avijja hervor.) Wahrnehmung ist Wahn.


Was im Gesamten für die Nidana-Reihe zu gelten scheint (m.E.) und warum sie für das Lehrverständnis eine große Hilfe bedeutet

(Im folgenden Abschnitt sind geöffnete Klammern vorhanden, welche nicht wieder geschlossen werden. Dies ist dem Brief jedoch 1:1 entnommen)

Die Nidana-Reihe bezieht sich wohl auf die verschiedenen gegenseitigen Bedingungen, jedoch scheint sie, wie wir ja auch schon gehört haben, keine einfache Reihe zu sein in welcher ein Glied nach dem anderen auftritt. Vielmehr durchziehen sich wohl die einzelnen Glieder gegenseitig, bedingen sich gegenseitig. Darüber hinaus bedingen sie sich in unterschiedlicher Weise, (außerdem gibt es Kreuzverbindungen etc. (Ein unterschiedliches gegenseitiges Bedingen kann man zum Beispiel feststellen bei avijja und sankhara, dort sind die sankhara sozusagen die Inhalte des avijja oder das was im avijja passiert oder sie sind Eigenschaften des avijja, wie die Dynamik im Traum Inhalte oder Eigenschaften des Traumes sind. So ähnlich verhält es sich auch mit nama-rupa und dem Sechsreich. (Wenn wir uns jedoch Aufgreifen und Werdesein betrachten, dann scheint mehr eine „zeitliche" (nein, keine zeitliche Abfolge) Abfolge festzustellen zu sein.

In jedem Fall scheint die Nidana-Reihe jedoch eine andere Darstellung der fünf Zusammnehäufungen zu sein ja. Sie beschreibt in den Sankharas, in welchen ja die fünf Zusammenhäufungen dargestellt sind, als deren dynamische Seite, eben dass diese sich in ständiger Veränderung, in einem ständigen Fluss befinden. Es finden sich überall die fünf Zusammenhäufungen wieder, jedoch beleuchtet von einer anderen Seite. Avijja als der Wahn,...ein Ich und...;ja eine objektive Welt an sich anzunehmen, entspringt und entspricht (in gewisser Hinsicht) den ersten drei Zusammenhäufungen und der Blendung des Geists. Ebenso die Einflüsse, welche aber auch die Aktivität darstellen; das Wirken in die Welt hinein, welches dann als Wahrnehmung, als Einflüsse wieder zurückkommt. Die Sankharas zeigen wie gesagt die Dynamik und die Bewegtheit der Zusammenhäufungen, vor allem die selbstläufige in der ja körperlichen Bewegtheit in Form des unbewusst Motorischen und der Herzensbewegtheit als Wahrnehmung, welche am Körper passiert. Die Geistige entspricht wieder mehr der vierten Zusammenhäufung als Aktivität, welche als Planen in Erscheinung tritt. Hieraus geht das vinnana hervor, so wie auch bei den Zusammenhäufungen; dieses wird vom Geist aufgebaut und ist irgendwann eingeschliffenes Programm, schwingt weiter als Schwungrad der vorherigen (ursprünglich vom Geist ausgegangenen) Aktivitäten. Dieses muss sich auf den Zusammenhang von Seele und Materie beziehen und bedingt auch umgekehrt deren Zusammensein bzw. verflechtet diese beiden miteinander; das vinnana holt immer wieder durch die Sinnesorgane Formen herein ganz seiner Programmiertheit entsprechend und ist daher einem Gaukler gleich. Dies erinnert an das, was bei den Zusammenhäufungen beschrieben wird in Hinsicht auf Luger, Sehwerkzeug (innere Form) und Sehobjekt (äußere Form). (Das sechfache Erlebnisspannungsfeld beschreibt, wie die) Die 6 Süchte nach Berührung entwerfen Wahrnehmungen (zustande kommen), (das Verhältnis von Süchten und deren Objekte); die sechs Süchte projizieren diese nach außen; hier ist also auch wieder die dritte Zusammenhäufung und in ihr die erste angesprochen; wahrgenommene Form. In diesem Bereich findet nun die Berührung statt, die Triebe des Herzens werden berührt von (den Dingen der scheinbar äußeren Welt) dem Gewirkten, jeweils der Luger, der Lauscher, der Schmecker, der Riecher und der Taster. Die im Geist geschehenden Berührungen (mit Denkobjekten)gehen alle von vorherigen Kontakten mit Sinnendingen aus. Hier ist also die erste Zusammenäufung zu erkennen, welche durch Berührung der Tendenzen Gefühl auslöst, wieder die zweite Zusammenhäufung. Hieraus resultiert das bewusste Wünschen im Geist nach Wiederholung des angenehmen und Vermeidung des unangenehmen Erlebnisses, der Durst. Dieser ist ein Triebwille, ein Lechzen in eine bestimmte Richtung. Hier würde eventuell die Aktivität als Zusammenhäufung passen, denn die Aktivität ist ja eine Absicht das Angenehme zu erlangen oder zu bewahren oder das Unangenehme zu vermeiden bzw. zu beseitigen. Das Wirken in Gedanken, Worten und Taten (vierte Zusammenhäufung) sind ja die kleinen Bewegtheiten, welche aus der geistigen Bewegtheit hervorgehen; sie stellen oft das gefühlsbefriedigende Wirken dar, also das Ergreifen. Das Werdesein ist die Daseinspotenz und könnte daher z.B. als noch „unsichtbare“ Form (erste Zusammenhäufung) gesehen werden. Die Geburt ist das In-Erscheinung-Treten von Dingen, (Form, erste Zusammenhäufung) welche von den Trieben abgeschmeckt werden und welche dies mit dem Gefühl kund-tun. Alles was entsteht, also geboren wird, muss altern und dann sterben (leiden an den fünf Zusammenhäufungen). Wahrgenommenes ist der Wahn, das Falschwissen, die überzeugung, ein Ich in einer an sich bestehenden Welt zu sein.

So kann man feststellen, dass die Zusammenhäufungen in verschiedenen Gliedern der ja Nidana-Reihe vorzukommen scheinen, soweit alles richtig verstanden wurde; Nidana-Reihe und Zusammenhäufungen durchziehen sich gegenseitig, sind letztlich nichts Verschiedenes, vielleicht nur andere Seiten oder Sichtweisen.

Eingreifen können wir nur bei dem Falschwissen, um den Durst mehr und mehr zu vermindern; Wahn und Durst allmählich durch die Führung des Geistes und die daraus hervorgehenden Erfahrungen auflösen und damit auch das Ergreifen sein lassen, dem Durst also nicht mehr, wie bisher, einfach folgen. Hierdurch wird das bhava-sota, das Werdesein nicht mehr gefüllt mit neuen (alten) Inhalten und die karmischen Einflüsse verdünnen sich. Durch das neue denkerische Bewerten der fünf Zusammenhäufungen im Geist werden die Triebe, welche ja die Erscheinungsmacher der Welt sind, mehr und mehr aufgelöst, durch ihr Auflösen ist die innere Treffbarkeit gemindert und wird schließlich aufgehoben. Wenn der Wahn vollkommen aufgehoben ist, gibt es kein Innen und Außen mehr. Ohne Wahntraum, Falschwissen, können die anderen Glieder der Reihe nicht mehr bestehen, ihre Bedingung fällt weg.

Warum sie für das Lehrverständnis weiterhin eine große Hilfe bedeutet kann meines Empfindens nach unter anderem alleine an Folgendem nachvollzogen werden; die Zusammenhäufungen lassen bereits erkennen, dass diese ganze Existenz ein im wahrsten Sinne wahnsinniger psychischer Mechanismus ist, welcher lebendig erscheint, aber in Wirklichkeit lediglich tote, gesetzmäßige Geschobenheiten darstellt. Wir erkennen hierbei diese Qualität bereits sehr gut und verstehen sie auch einigermaßen. Die Nidana-Reihe und das immer tiefere Eintauchen in sie zeigt uns nochmals von einer anderen Seite her die psychische Dynamik und lässt sie auch erkennen – sie ist ja beobachtbar. Dadurch wird nochmals intensiver deutlich, wie ich und Welt beschaffen ist, wie sehr jede kleinste Kleinigkeit Teil dieses Entwurf des psychischen Getriebes ist und keine objektiv bestehende Welt. Das was hier beschrieben ist, ist beobachtbar oder zumindest ahnend vorstellbar. In unserem Fall hilft die Nidana-Reihe, die psychschen Zusammenhänge für uns lebendiger und plastischer werden zu lassen.

Abschließende Bemerkung von Frau Anders-Debes

(...) Zu den beiden letzten Seiten; Ja, avijja ist die letzte Substanz aller Glieder des Nidana-Zusammenhangs (wie Sie schreiben: "Ohne Wahntraum können die anderen Glieder nicht mehr bestehen"), und doch ist eine Bedingung zwischen avijja und den drei großen sankhara feststellbar.
Nama-rupa enthält die 6 Süchte nach Berührung (Sechsreich ist keine gute Übersetzung). Ergreifen und Werdesein bedeutet keine zeitliche Abfolge. Jedes Ergreifen hat sofort eine meist nicht offenbare Wirkung: Trieb wird gemehrt, Gewirktes geht in die Latenz.
Ja, die Nidana-Kette ist eina andere Darstellung der fünf Zusammenhäufungen. Wahrnehmung ist Wahn.
Wollensflüsse/Einflüsse haben nichts mit Aktivität zu tun. Materie gibt es an sich nicht, es ist Wahn-Inhalt, "das Herz entwirft Materie", wie Sie schreiben.
Der Triebwille ist der Luger, Lauscher usw. in den Sinnesorganen, in der zu sich gezählten Form, im Körper. Denkerische Aktivität ist die Wirksamkeit des Geistes. (...) Paul Debes: „ Wir müssen alles wissen; das was als erstes zu tun ist, und was dann zu tun ist. Wenn wir den ersten Schritt getan haben und wissen was zu tun ist, gehen wir weiter, Wenn wir es nicht wissen, bleiben wir stehen.“ Vom Wichtigsten und dessen Erörterung ausgehend können wir das bisher Verstandene durch andere Inhalte vertiefen, Inhalte, welche durch die Wahrheitsthemen „infiziert“ wurden und durch ihre Erörterung mehr Plastizität ermöglichen. Es sollte genau hierum gehen; das Wichtigste erst verstehen, dann vertiefen und dadurch verfestigen, so dass es sich in jede Faser unserer Existenz einflicht und nicht mehr verloren gehen kann. Gegenwärtig nehme ich die Reihenfolge so wahr, dass die vier Heilswahrheiten vertieft werden, im Moment also die Nidana-Reihe, welche wiederum die fünf Zusammenhäufungen nachvollziehbarer macht. Hiernach, weil es durch WW gerade zur Verfügung steht, der Weg von hier zum Nibbana, anhand der Eilpost. Diese hilft dabei, den achtgliedrigen Heilsweg näher zu verstehen, welcher ja die vierte Heilswahrheit darstellt. Die dritte Heilswahrheit regelt sich sozusagen durch das Verständnis der Nidana-Reihe.


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Lehrsicherheit?

aus einem Wochenendseminar in Roseburg

02. Mai 2016

Auch diese Auszüge verdanken wir Sandra Borkowsky, welche unserem kleinen Sangha hierdurch ein besonderes Geschenk machte; herzlichen Dank für diese wichtigen Inhalte.

Werden wir bei der Lehre bleiben - im nächsten Leben?
Werden wir, wo immer es auch sei, sie wiederfinden?

Wochenendseminar in Roseburg vom 24.11. bis 26.11.1967
Wie leben wir in der Lehre im Alltag?


Die erste Sicherheit:
"Das Sicherste ist dies, wenn wir ohne Bücher, ohne Freunde, wenn wir so für uns allein merken, dass wir uns selber der Lehre einnern - in unserem Leben, in unserem Tun und Lassen. Wenn wir nicht gerade durch Bücher oder andere, die die Lehre kennen, erinnert werden. Angenommen, wir sind ein paar Wochen für uns alleine in einem Walde, wo wir Ferien verbringen, oder auch in einer Pension mit vielen anderen Leuten, die nichts von der Lehre wissen und wir haben Neigung, öfter für uns allein zu gehen und es fallen uns wichtige Sätze der Lehre ein; nicht nur Worte und Sätze, sondern Grundhaltungen. Die Grundstruktur des Pfades. Dass uns das von selber einfällt und allmählich auch in unserem Handeln einfällt, so dass wir uns öfter vergleichen mit dem, was in der Lehre gefordert wird. Wenn es so ist, dass uns von selber die Lehre einfällt, von selber Lehrgedanken, dann haben wir es so in uns, in dem, was wir mitnehmen beim Sterben, dann fällt es uns auch drüben von selber ein. Was wir nicht im Geiste und im Herzen haben, das ist nicht ohne Weiteres drüben.

Das ist die Sache des vinnana. Was in unserem vinnana, in unserer Wahrnehmungssucht, in unserer inneren Erlebenssucht drin ist, das ist alles was sich von selber stellt, von selber in unserem Geist aufkommt, in unser Wünschen kommt.

Da ist hauptsächlich Übles - Gier, Hass und Verblendung. Aber wenn in unserem vinnana schon viel Verblendung weg gegangen ist, und viel Klarheit, Weisheit (vijja) hineingekommen ist, nicht nur in den Geist, sondern ins vinnana, d.h. dass es von selber uns wieder einfällt, von selber uns rechtzeitig wieder einfällt, z.B. morgens wenn wir aufwachen, dass wir dann sagen; "Ein neuer Tag, neue Chancen sich zu bewähren und ein Schrittchen weiter zu kommen". Einige oberflächliche oder üble Gedanken lassen und dafür einige ernstere, wahre, höhrere Gedanken aufgreifen.

Wenn einem das von selber einfällt und wenn man in dem Sinne tut, dann kann man sagen; "Bei mir mehren sich die heilsamen Dinge, mindern sich die unheilsamen Dinge. Und zwar aus meinem inneren Wesen her ist es schon so."

Unser inneres Wesen, das nehmen wir mit ins nächste Leben.

Wenn das so zugeschnitten ist, so schon geworden ist, so schon innerlich läuft, dass es von selber immer mehr zu den heilsamen Dingen greifen will, und die unheilsamen von selber abstoßen will - die sind noch in ihm, aber in diesem Wesen ist auch zugleich die höhere Kritik, die da sagt, "das ist wieder das Üble, das darf nicht sein"und mindert es.

Wenn so unser vinnana geworden ist, dann sind wir noch längst nicht heil, aber dann haben wir die Selbstmotorik in uns, dass wir zum Heil hin rollen.

Das ist eine große Sicherheit, wenn wir das von uns sagen können"

Die zweite Sicherheit: Ein weiteres Zeichen ist dieses; der Sangha, der Orden oder die Gemeinsachft derer, die die Lehre kennen und nach der Lehre ernsthaft leben, erstreckt sich nicht nur hier über die Erde, sondern ist auch in anderen Bereichen. Natürlich nicht in untermenschlichen Bereichen, sondern in übermenschlichen. Aus unseren Kreisen sind schon manche, die die Lehre gut kennen und kannten, gestorben. Ja, was heißt gestorben? Sie sind vielleicht jetzt mit bei uns. Wir sind immer umgeben von mancherlei Geistern, von Verwandten usw. aber auch von solchen Freunden, die Hunger danach haben und die sich freuen, wenn irgendwo dergleichen ist. Wir wissen, dass auch bei den Darlegungen in alter Zeit, in der Zeit des Erwachten, tausende, hunderttausende Geister dabei waren und mitgehört haben und viele die Hörerschaft gewonnen haben - so wird es berichtet. Und so ist es auch hier. Also der Sangha ist nicht nur hier in der Menschenwelt, er ist auch im Jenseits.

Ich habe vor einiger Zeit einen kleinen Text über den Sangha geschrieben, den ich jetzt vorlese: "Es gibt einen Verein dessen Mitgliedschaft berechtigt zum Eintritt in die Stätte der unvergleichlichen, unzerstörbaren, ewig todlosen Sicherheit und Freiheit. Die wirklichen Mitglieder dieses Vereins werden in aller Wahrheit und Wirklichkeit dieses Ziel erreichen und werden damit alle Sorgen und Fährnisse für dieses Leben und für alle unendlichen Zeiten darüber hinaus endgültig überwunden und aufgelöst haben. Sie sind gesichert und heil und unversehrbar. Und es ist in diesem Verein so eingerichtet, dass derjenige, der das genannte Ziel in diesem Leben noch nicht erreicht, dann über den Tod hinaus dessen Mitglied bleibt. Aber nicht nur Mitglied nach der Liste, sondern aktives Mitglied. Mitsprechend, mitwirkend, mittragend und mitgetragen über den Tod hinaus. Dieser Verein ist der Sangha. D.h. die Gemeinschaft und Bruderschaft derer, welche durch ihre Kenntnis der Lehre des Erwachten sich das Ziel gesetzt haben, dass sie mit gegenseitiger Hilfe der vom Erhabenen aufgezeigten Stätte, der unvergleichlichen, unzerstörbaren, todlosen Sicherheit und Freiheit immer näher wachsen wollen und nicht mehr davon ablassen wollen, bis sie sie ganz erreicht haben.

Woran liegt es, dass die Mitgliedschaft zum Sangha durch den Tod nicht erlischt und nicht erlöschen kann? Es liegt daran, dass dieser Verein nicht begrenzt ist, auf diese Menschenwelt, sondern wirklich und wahrhaftig drüben ebenso besteht wie hüben. So sagt der Erwachte. Und so kann man es im Laufe der Zeit selbst erfahren. Und viele der Mitglieder, welche drüben wohnen und weiter vorwärts gehen, die sind vor kürzerer oder längerer Zeit hier im Menschenbereich bereits Mitglied geworden, Mitglied gewesen. Ja, die hiesigen Mitglieder werden, wenn sie hier abscheiden, von ihren Brüdern von drüben schon gleicht begrüßt, abgeholt und weitergeleitet.

Und die Mitgliedskarte, die Mitgliedschaft - wie erwirbt man diese? Die Mitgliedschaft kostet kein Eintrittsgeld und keine Jahresgebühr. Und es gibt auch keine derartigen Mitglidskarten oder Dokumente, welche man etwa verlegen oder verlieren könnte und welche von Fremden unbefugter Weise benutzt werden könnten. Die Zeichen der Mitgliedschaft werden vielmehr auf der Haut getragen und im Antlitz, in den Augen, in der ganzen Haltung und in der Lebensführung.

Das im Umgang mit guten Freunden allmählich erarbeitete rechte Verständnis der Heilslehre des Erhabenen bringt es mit sich, dass sich dem Nachfolger allmäglich jene Zeichen der Mitgliedschaft aufprägen und einprägen. Zunächst fast unmerklich, aber allmählich immer deutlicher. Jene Zeichen, die allen denjenigen, welche auch von innen her die Mitgliedschaft erworben haben, unversehens bekannt sind und von ihnen erkannt werden."

Und da finden wir hin, auch wenn wir mit unserem vinnana noch nicht so weit sind, wie ich eben gesagt habe.
Wer mit seinem vinnana so weit ist, wie ich eben gesagt habe, der könnte beinahe schon ohne den Sangha auch weiterkommen.

Das sind also zwei Sicherheiten.

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War Paul Debes Sotapann?

aus einem Wochenendseminar in Roseburg

02. Mai 2016

Die folgenden Zeilen stammen aus einer Email von Sandra Borkowsky, welche sie mir am 01. Januar 2016 hat zukommen lassen. Da diese Frage an vielen Stellen und in vielen Situationen immer wieder einmal aufkommt und für Gesprächsstoff sorgt, erlaube ich mir an dieser Stelle, diese recht kompakten Aussagen zu Papier zu bringen und bedanke mich herzlich bei Sandra für diese wertvollen Zeilen.

Wochenendseminar in Roseburg vom 24.11. bis 26.11.1967
Wie leben wir mit der Lehre im Alltag?

-Auszüge-

Vom Vertrauen zur vollendeten Hörerschaft

(Track 26, 09:16 - 11:13)

"Gute Kenntnis der Lehre ist eine wichtige Voraussetzung für uns heutige. Wenn wir Heilige hätten, dann würden wir an deren Lebenswandel sehen, an deren wunderbarer Art würden wir sehen – und einfach blind sagen: ‚so wie der möchte ich werden‘. Das ist einfach Vertrauen, ohne große Kenntnis der Lehre. ‚Was der sagt, ja das will ich tun, denn dann werd‘ ich ja so wie der ist – das ist gut.‘ Aber auch da kann man sich täuschen.
Viele damals sind einfach aus Vertrauen zur Person des Buddha zuerst mal gefolgt. Aber der Buddha hat dieses Vertrauen nicht ausgenutzt, sondern hat ihnen dann allmählich Wahrheit gegeben, die sie verstehen konnten. Und dann wurden sie selb-ständig. Das ist wichtig. Und die werden genannt ‚die Vertrauend Erlösten‘. Das heißt beinah: ‚vom Vertrauen erlöste‘. Erst mal ‚durch Vertrauen erlöste‘. Sie sind noch längst nicht voll erlöst, aber sie sind durch Vertrauen so weit erlöst, wie man durch Vertrauen erlöst werden kann. Und dann sehen sie selber. Und dann folgen sie aus eigener Sicht.
Das A und O der Hörerschaft ist, so heißt es ausdrücklich, dass er jetzt selber gesehen hat, selber verstanden hat - die Wahrheit. Auf keinen anderen gestützt im Orden des Meisters, wird gesagt.
In der Entwicklung kommt dieser Zustand, wo man merkt, soweit Vertrauen mir helfen kann, hat es mir geholfen. Das ist wunderbar. Jetzt mache ich weiter und kann immer über das Vertrauen hinaus noch auf meine eigene Erfahrung zurückgreifen. Das ist eines der Kriterien der vollendeten Hörerschaft. Aber ohne Vertrauen können wir gar nicht daran kommen. Darum ist Vertrauen die erste Grundlage, die unabdingbare erste Grundlage."


Paul Debes - ein Sotapann?

(Track 29, 01:49 - 03:10)

"Und dann heißt es: ‚sich selber weise offenbar gemacht‘. Von dem, der die Frucht der Hörerschaft hat, heißt es, er hat selber gesehen, selber gemerkt, auf sich selber gestützt, auf keinen anderen im Orden des Meisters. Das ist saddha vimutti – vertrauend erlöst. Das ist ab vollendeter Hörerschaft. Aber vorher brauchen wir Vertrauen – je ferner wir von dem Buddha leben, also zeitlich und räumlich, umso mehr sind wir ihm wenig verwandt, umso mehr sind wir ihm fern, auch geistig fern und umso länger ist unser Anmarschweg.
Also ich habe auch lange, lange Zeit die Dinge so im Vertrauen zum Buddha gehabt und hab daraufhin weiter geprüft. Bis es eine Erkenntnis war, wo ich auf mich selber gestützt war, das hat lange, lange Jahre gedauert, Jahrzehnte gedauert. Bis dahin war es Vertrauen, bis dahin hätte ich auf diese Frage des Buddha in der 22. Lehrrede ‚Glaubt ihr es weil ich es sage, oder habt ihr es selber erfahren?‘ – da hätte ich sagen müssen: ‚ich glaube es, weil du es sagst.‘ Das galt für mich damals noch. Aber man kommt in das Stadium und muss in das Stadium kommen, wo man es dann selber weiß. Wo man dann sagen kann: ‚nein, wir haben es selber bei uns gesehen.‘ Das ergibt sich. "

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Nach dem Übergang

eine Konstruktion

04. April 2016

Paul Debes schreibt1, dass das Wesen spätestens nach dem Ablegen des groben Körperwerkzeuges erkennt, dass es einen Tod im Sinne einer Vernichtung nicht gibt und nicht geben kann, dass es mit seinen gesamten Eigenschaften und Neigungen einfach weiterhin "da ist" und dass es auch dort in der "anderen Welt" ebenso wenig allein ist wie zuvor unter Menschen. Ferner, dass der feinstoffliche Leib trotz seiner erheblich geringeren Dichte und graduellen Unsichtbarkeit alle körperlichen Eigenschaften des Fleischleibes (...) besitzt.

Wir wissen, dass es nicht nur einen möglichen Weg des Fortbestehens gibt, sondern derer unzählige. Gerade in Hinsicht darauf, dass die üblen Triebe des Herzens üble Erlebnisse mit Schmerzen und Dunkelheiten bewirken und dass die helleren Triebe hellere Erlebnisse bewirken, kann dies nachvollzogen werden2. Wie könnte sich mein Weitergehen gestalten, mein Weitererleben?
Um eine wirklichkeitsnahe Situation zu konstruieren, gehe ich davon aus, in der gegenwärtigen Zeit, vielleicht vollkommen unvorbereitet, den Fleischleib verlassen zu haben. Der berühmte Unfall in den eigenen vier Wänden könnte hierzu dienlich sein. Sollte sich dieser tatsächlich unverhofft zugetragen haben bestünde die Wahrscheinlichkeit, nach einem kurzen Moment der Irritation, welcher sich unter Umständen anfühlt wie ein heftiger Schreck, festzustellen, dass die übliche taktile Wahrnehmung sich verändet hat; ein Fassen von Gegenständen ist nicht mehr möglich, vielleicht wird der eigene, verlassene Fleischleib gesichtet.
Der Erfahrung nach reagiere ich auf solche situativen Veränderungen mit Unsicherheit und dem großen Bedürfnis, das Geschehen zu sichern und mich in diesem Sinne zu orientieren. Aufgrund der unangenehmen Erfahrungen mit Schlafparalysen und anderen bedrohenden Umständen ist bekannt, dass jetzt alles darauf ankommt, die Ruhe zu bewahren und nicht unüberlegt oder affektiv/impulsiv zu handeln. Im diesseits erreiche ich dies am wirkungsvollsten, wenn ich mit großter Achtsamkeit die zweite Zusamenhäufung, das Gefühl betrachte. Selbst recht starke Angst- und Stressgefühle lassen sich so bewältigen. Wie berichtet, gestaltet sich so einiges im für uns jenseitigen Bereich unter Beeinflussung des Gemütszustandes und der Herzensverfassung. Da wäre mir sehr daran gelegen, so unmittelbar wie möglich einen der drei heilsamen Gemütszustände zu erlangen, so wie (vorübergehende)Sinnensuchtfreiheit, Wohlwollen und Liebe, Schonen/Erbarmen/Fürsorge/Hilfsbereitschaft. Erst nach einer gelungenen Beruhigung und heilstauglich gefärbten Gemütslage (sollte ich soweit nicht unterbrochen worden sein), würde ich es wagen, die Sinne nach außen zu richten.
An dieser Stelle wird oft von Schutzgeistern3 berichtet, welche den Menschen sein ganzes Leben lang begleiten und welche er im direkten Kontakt als "Vertraute" identifiziert. Wenn es eine Angst gibt, von welcher ich behaupten sollte, dies sei die größte mir bekannte Angst, dann würde ich, wie sicherlich viele andere von uns, den Verlust des Lehrkontaktes nennen. Ich gehe gegenwärtig davon aus, dass es mir noch nicht gelungen ist, die sotapatti4, also den irreversiblen Richtungsentscheid zu verwirklichen. Ganz so würde ich auch im jenseitigen Bereich denken und, sollte mir der Kontakt möglich sein, mein Schutzwesen unmittelbar fragen nach den besten Wegen der Absicherung oder nach einem Kontakt zu jenen Wesen, welche mir hierzu kompetent Empfehlungen aussprechen könnten.
Als abschließende Information ist vorstellbar:
Mein Tendenzengewoge "zieht" in Richtung Menschentum, u.U. in einen sich etwas über dem Durchschnitt befindlichen Bereich. Auch wenn es mir gelungen ist einige Verbesserungen vorzunehmen, so reicht es nicht aus um über das Menschentum hinauszugelangen um dort sämtliche sinnliche Anliegen zufriedenzustellen. Es bestünde eventuell die Möglichkeit, sich hier im menschennahen Gespensterbereich aufzuhalten, jedoch würden die Dränge vor allem nach taktilem Erleben und Schmecken irgendwann zu stark werden, um den Zustand aufrecht zu erhalten. Somit könnte eine Inkarnation im Menschentum zwar zunächst aufgeschoben und der Lehrkontakt damit aufrecht erhalten bleiben, jedoch würde früher oder später, zu dem Zeitpunkt des schwächsten Lehrkontaktes und des stärksten sinnlichen Suchtmomentes, zwangsläufig die Entscheidung fallen, eine Kontaktstelle zu suchen. Die Erfahrung zeigt, dass die Entscheidungen welche im Rahmen starker Begierden und entsprechend intensiver Gefühle getroffen werden, nicht die zielführendsten und überlegtesten sind. Um dem vorzubeugen wäre anzuraten, im Vorfeld Opportunitäten abzuklopfen, welche einen möglichst hochwertigen Lehrkontakt in Aussicht stellen. Sollte es dann nicht so sein, dass hier enstsprechende Schutzgeister oder ähnliches Unterstützung bieten oder gar zu dieser Kontaktstelle führen, weil eben diese nicht gewirkt wurden (wovon ich in meinem Konstrukt aufgrund von Erfahrungsmangel ausgehen muss), sind eigene, möglichst durchdachte Entscheidungen vonnöten.
Gehen wir davon aus, dass sich die Bedingungen in ähnlicher Weise aufrecht erhalten wie wir sie gegenwärtig vorfinden, würde die Empfehlung dahingehend ausgesprochen werden, im Wirkensbereich des buddhistischen Seminars zu inkarnieren (eventuelle Anregungen im Bezug auf das Inkarnieren zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt (bezüglich andersartiger zeitlicher Charakteristika) sind hier aufgrund der enstehenden Realitätsferne im Konstrukt sicherlich fehl am Platze) denn hier ist der am besten zu begehende Zugang zur urtümlichen und unverfälschten Lehre des Erhabenen zu finden. So bestünde nun die Herausforderung darin, dass ein Paar gefunden werden müsste welches sich im Kontakt zum Seminar befindet, die Lehre ernsthaft verfolgt, sich im richtigen Alter befindet und darüber hinaus plant, einem Wesen den Zugang in das Menschentum zu ermöglichen. Im gegenwärtigen Leben ordne ich mich im Zusammenhang mit dem Gesetz vom Bedürfen und Gewährender Gesinnung5 zwischen den Kategorien 2: Wer viel bedarf und anderen wenig gewährt, der geht zu großem Leiden und geringem Glück und Kategorie 3: Wer viel bedarf und andern viel gewährt, der geht zu großer Mühe und großem Glück ein; die Dinge gelingen i.d.R., verlangen aber einen (meinem Empfinden nach) sehr hohen Aufwand. Oftmals gelingt es mir hierbei ebenfalls nicht, die positiven Effekte zu bewahren, viele für sehr wichtig erachtete Dinge bleiben karmisch verwährt. Übertrüge man dieses Phänomen nun auf den konstruierten Zustand, würde dies unter Umständen bedeuten, dass dieses Paar für mich kaum auffindbar wäre oder nur in Verbindung mit bestimmten Risiken.
Alternativ kann ein Paar den lehrnahen Zugang ermöglichen, welches sich im Bezug auf Religion im Allgemeinen neutral verhält und somit keine erschwerenden Impulse bei einer späteren Suche setzt. In dieser Herzensepisode war genau dies der Fall gewesen; meine Eltern brachten mich nicht mit der Lehre in Kontakt und empfinden auch heute kein Interesse hierfür. Jedoch versperrten sie mir auch den Weg nicht, um zu dieser Lehre zu finden. Wenn ich von hier aus auf den Lebensverlauf zurückblicke kann ich jedoch feststellen, dass eine intensive Suche und eine schrittweise Annäherung bis zum letztendlichen Kontakt stattgefunden haben. Wenn sich dieses Paar dann noch in einem Millieu mit Zugriffsmöglichkeiten zum Seminar befänden (Deutschland/Schweiz/Österreich), So wäre unter solchen oder so ähnlichen Umständen eine hohe Wahrscheinlichkeit gegeben, trotz eines mittelfristigen - jedoch vielleicht nicht auf subtiler Ebene stattgefundenen - Kontaktverlustes, eben diesen Kontakt wieder herzustellen.
Somit könnte, wollte man sich darauf einlassen, eine erneute Inkarnation in Deutschland, unter vielleicht etwas besseren Umständen als den gegenwärtigen, angenommen werden.

Was ist der Grund für ein solches Gedankenspiel und wozu soll es dienlich sein? Sicherlich können unterschiedliche Zwecke erkannt werden. Einer könnte sein, dass dieser kleine Text dazu beiträgt, sich von weltlichen Gedanken ein wenig zu distanzieren, etwas weiter zu blicken, mehr auf das Grundsätzliche und Zeitlose zu schauen. Frau Anders-Debes empfahl mir einst in einem Brief, mich mit dem Jenseits gedanklich auseinanderzusetzen oder auch Literatur hierzu zu lesen, so dass dieser Bereich sich lebendiger, farbintensiver und plastischer darstellen möge. Wir können uns somit diesem Bereich mehr öffnen und dadurch offenhalten für eventuelle Erfahrungen welche nur möglich sind, wenn wir in uns bereit sind, in diese Richtung zu blicken.

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1 vgl. Meditation nach dem Buddha, S. 55
2 Meditation nach dem Buddha, S. 58
3 Meditation nach dem Buddha, S. 83
4 Schäfer, S. 183
5 Dazu Wissen und Wandel 2007, 53.Jg. 1/2 S.18






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