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Mathias Weber

Bhikku Ninoslav

A VI, 10 – Die sechs Anhalte der Andacht

S 12.63 – Das Gleichnis von des Sohnes Fleisch

S 22.95 – Das Gleichnis von der Schaumkrone

postum

In Klammern

Karl Eugen Neumann - ein Leben für die Lehre

Sandra Borkowsky

Die 5-4-3-2-1-Übung

Liebevolles Sprechen und tiefes Zuhören

Christine Scholz

UFO and Buddhism - Ashin Ottama

Anonym

Bhiksuni Tenzin Wangmo - wie werde ich ein liebender Mensch?

TIERE UND DER BUDDHA

Gasteinträge

Liebe Dhamma-Freunde,

zu manchen Zeiten äußern sich liebe Wegbegleiter in Hinsicht auf die Lehre, manchmal in Gedichtform, manchmal als Beitrag bezüglich eines Themas und als Erweiterung des hier bereits Geschriebenen.
Da ich diese Beiträge als sehr wichtig und wertvoll erachte, habe ich mich entschlossen, auf cāga.eu eine neue Unterseite zu erstellen, welche ausschließlich den Beiträgen von Freunden dienen soll.
Ob die Beiträge anonym, mit Kürzel oder Namen eingestellt werden, wird in Absprache mit dem jeweiligen Autor oder Vermittler eines Inhaltes abgesprochen werden. Ich freue mich auf und über Eure Beiträge; meldet Euch für einen solchen einfach auf der Euch bekannten Emailadresse oder dem Kontaktformular.


Beiträge von Mathias Weber

Bhikkhu Ninoslav Nanamoli: Meanings - Essays and Letters on Dhamma, Path Press Publications 2014, pp. 102-103.

„,Das Leiden in seinen Erscheinungen sehen‘ bedeutet: es als Edle Wahrheit zu sehen. Viele verschiedene Dinge können der Grund unseres Leidens sein, und alle diese Dinge sind in der Tat (allerdings nur in einem ganz bestimmten Sinne) Ursachen des Leidens. Jedoch ist nur ein Ding die Ursache des Leidens in dem vom Buddha gelehrten Sinne, und dieses Ding ist der Durst (tanha). Alle übrigen Dinge sind Ursachen und Gründe unseres dukkha in einer linearen Art und Weise, das heißt: kalika. Diese Dinge kommen und gehen, sie verursachen uns mal Schmerz, mal Lust, in Abhängigkeit jeweils von unseren Anliegen und Wünschen. Einzig von der tanha kann ausgesagt werden, dass sie der allerunmittelbarste, durchgängige, stets gegenwärtige Grund unseres Leidens ist. Die Erfahrung des Dürstens ist immer unangenehm. Wenn Durst da ist, ist auch Leiden da. Es kann keinen Durst ohne Leiden geben, noch kann es irgendein Leiden ohne Durst geben. Leiden ist das notwendige Resultat des Durstes und nicht lediglich das, was auf den Durst ,folgt‘. Es ist sogleich mit ihm da, und sobald der Durst aufhört, hört auch das Leiden auf.

Man kann somit dieses oder jenes Ding in der Welt und im eigenen Erleben als ,Rechtfertigung‘ seines Leidens betrachten. Man kann auch auf ein Ding, das einem die Ursache des Schmerzes zu sein scheint, Einfluss zu nehmen versuchen, und tatsächlich verschwindet der Schmerz zuweilen, wenn man dies tut. (Streng genommen verschwindet der Schmerz, weil man aufgehört hat, jenes Ding zu begehren: danach zu ,dürsten‘.) Jedoch wird man bei all diesen Einflussnahmen auf die Dinge niemals das Leiden sehen wie es ist, also phänomenologisch. Schafft es jemand, das Leiden zu sehen, so wird dieser Mensch unausweichlich Begehren als die Ursache des Leidens sehen, das Verschwinden des Begehrens als seine Auflösung und auch den Weg, der zu seiner gänzlichen Auflösung beschritten werden muss. Eben dies meine ich mit ,das Leiden in seinen Erscheinungen sehen‘: nämlich über seine augenscheinlichen Ursachen hinauszugehen (nicht, sie zu ignorieren!) und zu sehen was da in meinem Erleben gegenwärtig ist, aufgrund dessen ich gegenwärtig leide . Wenn man diese Ursache sieht, wird man auch sehen, wie sie zu überwinden ist.“

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A VI, 10 – Die sechs Anhalte der Andacht (unter Verwendung der vorliegenden Teilübersetzungen von Paul Debes und Karl Eugen Neumann)

Einst weilte der Erhabene bei den Sakkern zu Kapilavatthu im Feigenbaumpark. Dort näherte sich der Sakker Mahanamo dem Erhabenen, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend wandte sich der Sakker Mahanamo also an den Erhabenen: „Wer da, Herr, ein erfahrener Heilsgänger, der Frucht teilhaftig und ein Kenner der Satzung geworden ist, auf welche Weise möge ein solcher im Hause Andacht hegen?“

„Wer da, Mahanamo, ein erfahrener Heilsgänger, der Frucht teilhaftig und ein Kenner der Satzung geworden ist, ein solcher möge auf eben diese Weise im Hause Andacht hegen:

Da gedenkt, Mahanamo, der erfahrene Heilsgänger also des Erhabenen: ‚Das ist der Erhabene, Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerherde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene.‘ Wann immer der Heilsgänger also des Erhabenen gedenkt ist sein Herz nicht von Gier besessen, ist sein Herz nicht von Hass besessen, ist sein Herz nicht von Irre besessen - eben auf das Rechte gerichtet ist dann sein Herz, einzig dem Erhabenen zugeneigt. Mit auf das Rechte gerichtetem Herzen erfährt er den Segen des Heiles, erfährt er den Segen der Wahrheit, erfährt er freudige Ergriffenheit durch die Wahrheit. Den freudig Ergriffenen durchdringt inniges Wohl, von innigem Wohl durchdrungen wird ihm der Leib beschwichtigt, beschwichtigten Leibes empfindet er Seligkeit und des Seligen Herz wird einig. Ein solcher, Mahanamo, wird ein erfahrener Heilsgänger genannt, der unter dem schiefgeratenen Geschlechte geradebleibt, der unter dem gehässigen Geschlechte ohne Hass bleibt, der mit dem Anhören der Satzung wohlvertraut im Angedenken an den Erhabenen sich übt.

Ferner, Mahanamo, gedenkt der erfahrene Heilsgänger also der Satzung: ‚Wohl kundgetan ist vom Erhabenen die Satzung, die klar ersichtliche, zeitlose, einladende, anregende, zum Ziel führende, dem Verständigen verständliche.‘ Wann immer der Heilsgänger also der Satzung gedenkt ist sein Herz nicht von Gier besessen, ist sein Herz nicht von Hass besessen, ist sein Herz nicht von Irre besessen - eben auf das Rechte gerichtet ist dann sein Herz, einzig der Satzung zugeneigt. Mit auf das Rechte gerichtetem Herzen erfährt er den Segen des Heiles, erfährt er den Segen der Wahrheit, erfährt er freudige Ergriffenheit durch die Wahrheit. Den freudig Ergriffenen durchdringt inniges Wohl, von innigem Wohl durchdrungen wird ihm der Leib beschwichtigt, beschwichtigten Leibes empfindet er Seligkeit und des Seligen Herz wird einig. Ein solcher, Mahanamo, wird ein erfahrener Heilsgänger genannt, der unter dem schiefgeratenen Geschlechte geradebleibt, der unter dem gehässigen Geschlechte ohne Hass bleibt, der mit dem Anhören der Satzung wohlvertraut im Angedenken an die Satzung sich übt.

Ferner, Mahanamo, gedenkt der erfahrene Heilsgänger also der Jüngerschar: ‚Wohlbewährt ist beim Erhabenen die Jüngerschar, trefflich bewährt ist beim Erhabenen die Jüngerschar, gründlich bewährt ist beim Erhabenen die Jüngerschar, treulich bewährt ist beim Erhabenen die Jüngerschar: nämlich die vier Paare der Menschen nach acht Arten von Menschen. Diese sind des Erhabenen Jüngerschar, welche Opfer und Spende, Gabe und Gruß verdient, heiligste Stätte der Welt ist.‘ Wann immer der Heilsgänger also der Jüngerschar gedenkt ist sein Herz nicht von Gier besessen, ist sein Herz nicht von Hass besessen, ist sein Herz nicht von Irre besessen - eben auf das Rechte gerichtet ist dann sein Herz, einzig der Jüngerschar zugeneigt. Mit auf das Rechte gerichtetem Herzen erfährt er den Segen des Heiles, erfährt er den Segen der Wahrheit, erfährt er freudige Ergriffenheit durch die Wahrheit. Den freudig Ergriffenen durchdringt inniges Wohl, von innigem Wohl durchdrungen wird ihm der Leib beschwichtigt, beschwichtigten Leibes empfindet er Seligkeit und des Seligen Herz wird einig. Ein solcher, Mahanamo, wird ein erfahrener Heilsgänger genannt, der unter dem schiefgeratenen Geschlechte geradebleibt, der unter dem gehässigen Geschlechte ohne Hass bleibt, der mit dem Anhören der Satzung wohlvertraut im Angedenken an die Jüngerschar sich übt.

Ferner, Mahanamo, gedenkt der erfahrene Heilsgänger also seines guten Betragens, das er sich unzerstückelt, undurchlöchert, unbemakelt, unschattiert bewahrt: als jener befreienden Art der Begegnung, wie sie Heiligen lieb, die freilich nicht selbst das Ziel, wohl aber zur Vertiefung tauglich ist. Wann immer der Heilsgänger also seines guten Betragens gedenkt ist sein Herz nicht von Gier besessen, ist sein Herz nicht von Hass besessen, ist sein Herz nicht von Irre besessen - eben auf das Rechte gerichtet ist dann sein Herz, einzig seinem guten Betragen zugeneigt. Mit auf das Rechte gerichtetem Herzen erfährt er den Segen des Heiles, erfährt er den Segen der Wahrheit, erfährt er freudige Ergriffenheit durch die Wahrheit. Den freudig Ergriffenen durchdringt inniges Wohl, von innigem Wohl durchdrungen wird ihm der Leib beschwichtigt, beschwichtigten Leibes empfindet er Seligkeit und des Seligen Herz wird einig. Ein solcher, Mahanamo, wird ein erfahrener Heilsgänger genannt, der unter dem schiefgeratenen Geschlechte geradebleibt, der unter dem gehässigen Geschlechte ohne Hass bleibt, der mit dem Anhören der Satzung wohlvertraut im Angedenken an sein gutes Betragen sich übt.

Ferner, Mahanamo, gedenkt der erfahrene Heilsgänger also seines Verzichtes: ‚Begünstigt bin ich, reichlich gesegnet bin ich, der ich unter dem von Gier und Geiz besessenen Geschlechte im Hause lebe und mich mit ganzem Herzen von Gier und Geiz abwenden, befreienden Verzicht üben, großzügig von meiner Habe abgeben, anderer Not und Bedürftigkeit sehen und nach Gebühr mit ihnen teilen darf.‘ Wann immer der Heilsgänger also seines Verzichtes gedenkt ist sein Herz nicht von Gier besessen, ist sein Herz nicht von Hass besessen, ist sein Herz nicht von Irre besessen - eben auf das Rechte gerichtet ist dann sein Herz, einzig seinem Verzichte zugeneigt. Mit auf das Rechte gerichtetem Herzen erfährt er den Segen des Heiles, erfährt er den Segen der Wahrheit, erfährt er freudige Ergriffenheit durch die Wahrheit. Den freudig Ergriffenen durchdringt inniges Wohl, von innigem Wohl durchdrungen wird ihm der Leib beschwichtigt, beschwichtigten Leibes empfindet er Seligkeit und des Seligen Herz wird einig. Ein solcher, Mahanamo, wird ein erfahrener Heilsgänger genannt, der unter dem schiefgeratenen Geschlechte geradebleibt, der unter dem gehässigen Geschlechte ohne Hass bleibt, der mit dem Anhören der Satzung wohlvertraut im Angedenken an seinen Verzicht sich übt.

Ferner, Mahanamo, gedenkt der erfahrene Heilsgänger also der Gottheiten: ‚Es gibt die Götter der Vier Großkönige, es gibt die Dreiunddreißig Götter, es gibt die Gezügelten Götter, es gibt die Stillzufriedenen Götter, es gibt die Schöpferischen Götter, es gibt die Selbstgewaltigen Götter, es gibt brahmische Gottheiten, es gibt Gottheiten noch darüber hinaus. Eine solche Gewissheit, wie sie jene nach ihrem Abscheiden hier als Gottheiten dort hat wiedererstehn lassen, eine solche Gewissheit findet sich auch bei mir. Ein solches Betragen, wie es jene nach ihrem Abscheiden hier als Gottheiten dort hat wiedererstehn lassen, ein solches Betragen findet sich auch bei mir. Ein solches Zuhören, wie es jene nach ihrem Abscheiden hier als Gottheiten dort hat wiedererstehn lassen, ein solches Zuhören findet sich auch bei mir. Ein solcher Verzicht, wie er jene nach ihrem Abscheiden hier als Gottheiten dort hat wiedererstehn lassen, ein solcher Verzicht findet sich auch bei mir. Eine solche Weisheit, wie sie jene nach ihrem Abscheiden hier als Gottheiten dort hat wiedererstehn lassen, eine solche Weisheit findet sich auch bei mir.‘ Wann immer der Heilsgänger also seiner eigenen wie der göttlichen Gewissheit, seines eigenen wie des göttlichen Betragens, seines eigenen wie des göttlichen Zuhörens, seines eigenen wie des göttlichen Verzichtes und seiner eigenen wie der göttlichen Weisheit gedenkt ist sein Herz nicht von Gier besessen, ist sein Herz nicht von Hass besessen, ist sein Herz nicht von Irre besessen - eben auf das Rechte gerichtet ist dann sein Herz, einzig den Gottheiten zugeneigt. Mit auf das Rechte gerichtetem Herzen erfährt er den Segen des Heiles, erfährt er den Segen der Wahrheit, erfährt er freudige Ergriffenheit durch die Wahrheit. Den freudig Ergriffenen durchdringt inniges Wohl, von innigem Wohl durchdrungen wird ihm der Leib beschwichtigt, beschwichtigten Leibes empfindet er Seligkeit und des Seligen Herz wird einig. Ein solcher, Mahanamo, wird ein erfahrener Heilsgänger genannt, der unter dem schiefgeratenen Geschlechte geradebleibt, der unter dem gehässigen Geschlechte ohne Hass bleibt, der mit dem Anhören der Satzung wohlvertraut im Angedenken an die Gottheiten sich übt.

Wer da, Mahanamo, ein erfahrener Heilsgänger, der Frucht teilhaftig und ein Kenner der Satzung geworden ist, ein solcher möge auf eben diese Weise im Hause Andacht hegen.“

© 2017 Mathias Weber (für dessen Teilübersetzung)

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S 12.63 – Das Gleichnis von des Sohnes Fleisch

Also vernahm ich. Einst weilte der Erhabene bei Savatthi, im Siegerwalde, in Anathapindikos Garten. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: "Viererlei Nahrung, ihr Mönche, dient den geborenen Wesen zur Erhaltung, den zur Geburt strebenden zur Entfaltung, nämlich: leibhaftige Nahrung, grob oder fein, zweitens Berührung, drittens Bestrebung, viertens Gewärtigen. Diese viererlei Nahrung, ihr Mönche, dient den geborenen Wesen zur Erhaltung, den zur Geburt strebenden zur Entfaltung.

Wie aber, ihr Mönche, wird leibhaftige Nahrung recht betrachtet? Stellt euch vor, Mönche, es müssten ein Mann und seine Frau mit knapp bemessener Wegzehrung eine abgelegene Wüste durchqueren und sie hätten ihren einzigen Sohn bei sich, der ihnen über alles lieb und teuer wäre. Auf der Reise ginge ihnen nun die knapp bemessene Wegzehrung zur Neige, wäre aufgezehrt, doch hätten sie jene Wüste noch längst nicht durchquert. Da käme den Eltern der Gedanke: ‚Unsere knappe Wegzehrung ist zur Neige gegangen, ist aufgezehrt, doch haben wir diese Wüste noch längst nicht durchquert. Ob wir da nicht unseren einzigen Sohn, der uns über alles lieb und teuer ist, schlachten und sein Fleisch einsalzen und trocknen sollten, dass zumindest wir beide, mit unseres Sohnes Fleisch als Wegzehrung, diese abgelegene Wüste durchqueren könnten, dass wir nicht alle drei hier zugrunde gehen?’ Und sie schlachteten ihren einzigen Sohn, der ihnen über alles lieb und teuer wäre, salzten sein Fleisch ein, trockneten es und erreichten mit ihres Sohnes Fleisch als Wegzehrung endlich den Rand jener Wüste. Und da sie ihres Sohnes Fleisch kauten schlügen sie sich stöhnend an die Brust: ‚Wohin denn nur, einziger Sohn, wohin denn nur, einziger Sohn?’

Was meint ihr wohl, Mönche: Nährten sich jener Mann und seine Frau von dieser Nahrung mit Appetit? Nährten sie sich von dieser Nahrung, um satt und zufrieden zu sein? Nährten sie sich von dieser Nahrung, um die Feinheiten ihres Geschmacks auszukosten? Nährten sie sich von dieser Nahrung, um kräftig und schön zu erscheinen?"

"Gewiss nicht, o Herr."

"Nährten sich wohl jener Mann und seine Frau nur gerade so lange von dieser Nahrung, bis sie schließlich den Rand der Wüste erreicht hätten?"

"Gewiss, o Herr."

"Solcherart nun, sage ich, wird leibhaftige Nahrung recht betrachtet. Indem leibhaftige Nahrung recht verstanden ist, ist fünferlei Lustspannungsreiz recht verstanden. Indem fünferlei Lustspannungsreiz recht verstanden ist, verbleibt keinerlei Verstrickung, durch welche verstrickt der Heilsgänger in diese Welt zurückkommen müsste.

Wie aber, ihr Mönche, wird die Nahrung Berührung recht betrachtet? Stellt euch vor, Mönche, es stünde eine geschundene Kuh, der man die schützende Haut abgezogen hätte, nahe einer Mauer. Welche Wesen in dieser Mauer lebten: die fräßen an ihr. Wenn sich die Kuh nun unter einen Baum stellte, so fräßen welche Wesen in dem Baume lebten an ihr. Wenn sie aber in ein Gewässer hineinstiege, so fräßen welche Wesen in dem Gewässer lebten an ihr. Wenn sie dann auf eine Lichtung hinausträte, so fräßen welche Wesen im Luftraum lebten an ihr. Wohin auch immer jene geschundene Kuh, der man die schützende Haut abgezogen hätte, sich flüchtete, es fräßen welche Wesen dort immer lebten an ihr. Solcherart nun, sage ich, wird die Nahrung Berührung recht betrachtet. Indem die Nahrung Berührung recht verstanden ist, ist dreierlei Empfindung recht verstanden. Indem dreierlei Empfindung recht verstanden ist, verbleibt dem Heilsgänger nicht mehr zu tun, sage ich.

Wie aber, ihr Mönche, wird die Nahrung Bestrebung recht betrachtet? Stellt euch vor, Mönche, es wäre eine mehr als klaftertiefe Grube mit weißglühenden Kohlen angefüllt: so heiß, dass nicht einmal Rauch von ihr aufstiege. Da käme ein Mann herbei, der leben, nicht sterben wollte, der nach Wohl strebte und vor Wehe zurückscheute. Diesen packten nun zwei andere, sehr starke Männer an Armen und Beinen und zwängen ihn auf die Grube zu, welches den Bestrebungen jenes ersten Mannes freilich ferne, seinen Wünschen ferne, seinen Erwartungen ferne wäre. Und warum wohl? Es würde ihm ja schlagartig klar: ‚In diese Grube gestürzt werde ich qualvoll verbrennen oder später an meinen Verbrennungen qualvoll sterben.’ Solcherart nun, sage ich, wird die Nahrung Bestrebung recht betrachtet. Indem die Nahrung Bestrebung recht verstanden ist, ist dreierlei Durst recht verstanden. Indem dreierlei Durst recht verstanden ist, verbleibt dem Heilsgänger nicht mehr zu tun, sage ich.

Wie aber, ihr Mönche, wird die Nahrung Gewärtigen recht betrachtet? Stellt euch vor, Mönche, man hätte einen Verbrecher seiner Taten überführt und meldete zur Morgenzeit dem König: ‚Dieser hier, Majestät, ist ein seiner Taten überführter Verbrecher: wie es Euch beliebt, so lasset ihn bestrafen.’ Und der König spräche zu seinen Leuten: ‚So gehet und lasset ihn die Gasse der einhundert Spieße laufen.’ Und sie ließen den Mann die Gasse der einhundert Spieße laufen. Zur Mittagszeit aber fragte sie der König: ‚Nun, wie steht es mit ihm?’ - ‚Noch lebt er, Majestät.’ Da spräche der König: ‚So gehet und lasset ihn noch einmal die Gasse der einhundert Spieße laufen.’ Und abermals ließen sie den Mann die Gasse der einhundert Spieße laufen. Und zur Abendzeit fragte sie der König wieder: ‚Nun, wie steht es mit ihm?’ - ‚Noch lebt er, Majestät.’ Da spräche der König: ‚So gehet und lasset ihn noch einmal die Gasse der einhundert Spieße laufen.’ Und ein drittes Mal ließen sie ihn die Gasse der einhundert Spieße laufen.

Was meint ihr wohl, Mönche: Empfände jener Mann, der zur Morgenzeit, zur Mittagszeit und zur Abendzeit die Gasse der einhundert Spieße laufen müsste, großes Wehe, litte er schlimme Schmerzen?"

"Von einem einzigen Spieße nur getroffen, o Herr, empfände jener Mann großes Wehe, litte er schlimme Schmerzen: wie da wohl von dreimal einhundert Spießen getroffen!"

"Solcherart nun, sage ich, wird die Nahrung Gewärtigen recht betrachtet. Indem die Nahrung Gewärtigen recht verstanden ist, ist Namensgefüge recht verstanden. Indem Namensgefüge recht verstanden ist, verbleibt dem Heilsgänger nicht mehr zu tun, sage ich.“

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche der Rede des Erhabenen.

© 2017 Mathias Weber (für die Übersetzung)

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S 22.95 – Das Gleichnis von der Schaumkrone (ohne abschließende Verse)

Also vernahm ich. Einst weilte der Erhabene bei Ayojjha, am Gestade des Ganges. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche:

"Stellt euch vor, ihr Mönche: Dieser Gangesstrom führte auf seinen Fluten eine große Schaumkrone heran, und ein scharfsichtiger Mann betrachtete diese Schaumkrone, wollte sie ergründen, ihren Kern erfassen. Indem er sie scharf betrachtete, sie ergründen, ihren Kern erfassen wollte, erwiese sie sich als hohl, als leer, als kernlos. Was sollte denn auch in einer Schaumkrone kernhaft sein? Eben so scharf wie jener Mann die Schaumkrone betrachtet der Mönch ein jegliches Gefüge, ob vergangen, zukünftig oder gegenwärtig, innen oder außen, grob oder fein, gemein oder erlesen, entlegen oder nahe: Er will das Gefüge ergründen, seinen Kern erfassen. Indem er es scharf betrachtet, es ergründen, seinen Kern erfassen will, erweist es sich als hohl, als leer, als kernlos. Was sollte denn auch in einem Gefüge kernhaft sein?

Stellt euch vor, ihr Mönche: Bei einem herbstlichen Gewittersturme spränge durch den Einschlag des Regens in einen Wasserspiegel eine Blase auf, und ein scharfsichtiger Mann betrachtete diese Blase, wollte sie ergründen, ihren Kern erfassen. Indem er sie scharf betrachtete, sie ergründen, ihren Kern erfassen wollte, erwiese sie sich als hohl, als leer, als kernlos. Was sollte denn auch in einer Wasserblase kernhaft sein? Eben so scharf wie jener Mann die Wasserblase betrachtet der Mönch eine jegliche Empfindung, ob vergangen, zukünftig oder gegenwärtig, innen oder außen, grob oder fein, gemein oder erlesen, entlegen oder nahe: Er will die Empfindung ergründen, ihren Kern erfassen. Indem er sie scharf betrachtet, sie ergründen, ihren Kern erfassen will, erweist sie sich als hohl, als leer, als kernlos. Was sollte denn auch in einer Empfindung kernhaft sein?

Stellt euch vor, ihr Mönche: Auf dem Höhepunkte des Sommers flimmerte in der stehenden Mittagshitze eine Luftspiegelung, und ein scharfsichtiger Mann betrachtete diese Luftspiegelung, wollte sie ergründen, ihren Kern erfassen. Indem er sie scharf betrachtete, sie ergründen, ihren Kern erfassen wollte, erwiese sie sich als hohl, als leer, als kernlos. Was sollte denn auch in einer Luftspiegelung kernhaft sein? Eben so scharf wie jener Mann die Luftspiegelung betrachtet der Mönch eine jegliche Wahrnehmung, ob vergangen, zukünftig oder gegenwärtig, innen oder außen, grob oder fein, gemein oder erlesen, entlegen oder nahe: Er will die Wahrnehmung ergründen, ihren Kern erfassen. Indem er sie scharf betrachtet, sie ergründen, ihren Kern erfassen will, erweist sie sich als hohl, als leer, als kernlos. Was sollte denn auch in einer Wahrnehmung kernhaft sein?

Stellt euch vor, ihr Mönche: Ein Mann, der Kernholz brauchte, Kernholz suchte, Kernholz begehrte, wollte sich Kernholz verschaffen und ginge, ein scharfgeschliffenes Beil ergreifend, eben um Kernholz in den Wald hinein. Dort erblickte er den starken Stamm eines hoch gewachsenen, gerade gewachsenen Bananenbaumes mit saftig grüner Blätterkrone, der ausladend, ausholend, ausgreifend dastände. Diesen Baum fällte der Mann an der Wurzel, und nachdem er ihn an der Wurzel gefällt hätte schlüge er ihm die Krone ab, und nachdem er ihm die Krone abgeschlagen hätte hiebe er die Hülle des Stammes auf, und indem er Blattscheide um Blattscheide aus dem Stamm herausschälte stieße er nicht einmal auf Grünholz, geschweige auf Kernholz. Und ein scharfsichtiger Mann betrachtete den Bananenstamm, wollte ihn ergründen, seinen Kern erfassen. Indem er ihn scharf betrachtete, ihn ergründen, seinen Kern erfassen wollte, erwiese sich der Stamm als hohl, als leer, als kernlos. Was sollte denn auch in einem Bananenstamme kernhaft sein? Eben so scharf wie jener Mann den Bananenstamm betrachtet der Mönch alle Herausbildungen, ob vergangen, zukünftig oder gegenwärtig, innen oder außen, grob oder fein, gemein oder erlesen, entlegen oder nahe: Er will die Herausbildungen ergründen, ihren Kern erfassen. Indem er sie scharf betrachtet, sie ergründen, ihren Kern erfassen will, erweisen sie sich als hohl, als leer, als kernlos. Was sollte denn auch in Herausbildungen kernhaft sein?

Stellt euch vor, ihr Mönche: Ein Taschenspieler oder sein Gehilfe ließe an dem Kreuzungspunkt vierer Straßen ein Kunststück sehen. Und ein scharfsichtiger Mann betrachtete dessen Kniff, wollte diesen ergründen, seinen Kern erfassen. Indem er ihn scharf betrachtete, ihn ergründen, seinen Kern erfassen wollte, erwiese er sich als hohl, als leer, als kernlos. Was sollte denn auch in einem Taschenspielerkniff kernhaft sein? Eben so scharf wie jener Mann den Taschenspielerkniff betrachtet der Mönch ein jegliches Gewärtigen, ob vergangen, zukünftig oder gegenwärtig, innen oder außen, grob oder fein, gemein oder erlesen, entlegen oder nahe: Er will das Gewärtigen ergründen, seinen Kern erfassen. Indem er es scharf betrachtet, es ergründen, seinen Kern erfassen will, erweist es sich als hohl, als leer, als kernlos. Was sollte denn auch im Gewärtigen kernhaft sein?

Solcherart scharf betrachtend, ihr Mönche, wird der erfahrene Heilsgänger in einem Gefüge nichts finden, in einer Empfindung nichts finden, in einer Wahrnehmung nichts finden, in Herausbildungen nichts finden, im Gewärtigen nichts finden. Worin er nichts gefunden hat: dessen Reiz verblasst ihm. Wessen Reiz ihm verblasst ist: dessen wird er frei. In dem Freigewordenen ersteht das ‚Frei bin ich’-Wissen: ‚Versiegt ist die Geburt, vollendet der läuternde Wandel, getan was zu tun war’, und er weiß: ‚Nicht mehr als dieses hier’."

Also sprach der Erhabene.

© 2017 Mathias Weber (für die Übersetzung)

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postum

Die Hafenplätze lagen fremd und ferne,
„... und alle Meere waren bittere Lauge.
Ich wurde überrascht. In meinem Auge
erschienen klein und kalt die falschen Sterne.

Gen Mitternacht verließen mich die Kräfte.
Die Jahre fielen von mir ab, und da war leise
Gewissheit der Bestimmung meiner Reise
jenseits des Kaufmanns und seiner Geschäfte.

Und wäret ihr zu finden mich imstande,
so fändet ihr mich auf der alten Stelle:
nur immer Robinson im Niemandslande -

dort wo ich um ihr Kernholz Bäume fälle,
dort wo ich nach dem echten Erze schürfe.“
Dem Untergang verfallen sind Entwürfe.

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In Klammern

Immer noch Geschichten schreiben
müssen und auch dessen müde
werden dürfen. Ob die alten Eltern
wohl richtig liebten? diese Frage
verliert an Wichtigkeit. Bald 50
Jahre eines kleinen Lebens und
sich vieler Dinge weniger
gewiss sein als zuvor -

Dann gegen Ende März die endlich
besänftigt weiche Luft eratmen und
im Hof die Elstern schäckern hören,
an einem stillen Samstagnachmittag
Gefühle prüfen. Mehr als jemals auf
dem Wege sein, noch immer nicht
gefasst auf schon das nächste
Hindernis und wieder neu -

Kommen und Gehen sehen und
sich freuen und tief innen spüren
was doch nun standhält. Unter
dem Strich nicht unzufrieden sein.
Gefährten, Treue, wortlos, mühelos.
Und wenn man dem noch kühlen Wind
lange genug getrotzt hat Sonne
plötzlich lachend im Gesicht -

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Karl Eugen Neumann - ein Leben für die Lehre

Vortrag, gehalten am 30. April 2015 in der Schopenhauer-Gesellschaft Frankfurt a.M.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, für unsere heutige Veranstaltung gibt es zwei konkrete Anlässe, die ich zunächst einmal rekapitulieren möchte.
Erstens: Am 18. Oktober dieses Jahres jährt sich zum 150. Mal der Geburtstag und jährt sich zum 100. Mal der Todestag Karl Eugen Neumanns, des im deutschsprachigen Raum wohl bekanntesten Übersetzers der Lehrreden des Buddha. Ja, Sie haben die Daten richtig gehört: Neumann starb tatsächlich mit der Vollendung seines 50. Lebensjahres genau an seinem Geburtstag, in Wien, der Stadt seiner Geburt.
Der zweite Anlass: Zu Beginn des gegenwärtigen Neumann-Gedenkjahres 2015 ist in dem buddhistischen Verlag Beyerlein und Steinschulte der fünfte Band der Reihe „Die Reden des Buddha“ erschienen. Diese Reihe stellt die wichtigsten Schriften aus dem buddhistischen Pali-Kanon in ihren klassischen deutschen Übersetzungen vor. Der Pali-Kanon ist im Kern eine Sammlung der Lehrreden des Buddha, wie sie in der altindischen Pali-Sprache überliefert worden sind. Der jüngst erschienene fünfte Band schließt die Reihe ab und enthält die wichtigsten der kürzeren Lehrreden, die der Buddha überwiegend in Versen gesprochen hat. Und diese Verse hat Karl Eugen Neumann, der „Musiker und Poet“ unter den Übersetzern des Erhabenen, auf eine geradezu kongeniale Art und Weise ins Deutsche gebracht (wie zumindest Neumanns Verehrer meinen).
Gerade der Schopenhauer-Gesellschaft steht es gut zu Gesicht, in diesem Gedenkjahr die Erinnerung an Karl Eugen Neumann zu pflegen. Denn der Buddha-Jünger Neumann war und blieb zeit seines Lebens ein begeisterter Anhänger auch der Philosophie Arthur Schopenhauers. Namentlich Schopenhauer war es, durch den der 19-jährige Neumann mit der Lehre des Erhabenen in Berührung kam. Da zu einem angemessenen Verständnis sowohl des Menschen als auch des Übersetzers Neumann Schopenhauer buchstäblich „unverzichtbar“ ist, werde ich an so einigen Stellen meines Vortrags auf den deutschen Philosophen zu sprechen kommen. Zwar durchlief Neumann mit den Jahren eine ganz eigene philosophische und spirituelle Entwicklung, die ihn von einigen Lehrsätzen Schopenhauers Abstand nehmen ließ. Nichtsdestotrotz blieb dieser bis ganz zum Schluss für Neumann der „Alles-Erheller“, der „herrlichste Philosoph“, wie Neumann wörtlich an seinen Mitbuddhisten Georg Grimm (1868-1945) schrieb, der ebenfalls über Schopenhauer zur Lehre des Buddha gelangt war.
Bei meiner Vorbereitung auf den heutigen Abend hat mich vor allem eine Frage beschäftigt, und zwar die folgende: Wie kann ich Ihnen, verehrte Zuhörer, die geistige Gestalt eines Mannes nahe bringen, dessen Namen einige von Ihnen vielleicht noch nie gehört haben, dessen Werk wiederum anderen unter Ihnen schon wohlbekannt ist? Mit diesem Problem konfrontiert habe ich auf eine Zweiteilung nach dem „klassischen“ Schema zurückgegriffen: Ich werde demgemäß versuchen, das Leben und das Werk unseres Jubilars voneinander getrennt zu behandeln. In diesem ersten Teil meiner Darbietung möchte ich also zunächst einmal Karl Eugen Neumanns äußeres und inneres Leben schlaglichtartig nachzeichnen. Im Anschluss hieran können wir uns dann gemeinsam, in der Diskussionsrunde, dem Werk Neumanns nähern. Es ist mir nämlich ein Anliegen, Ihnen zumindest einen allerersten Eindruck seiner Übersetzungskunst zu vermitteln, der Sie dann zu einer weiteren Beschäftigung mit seinem Werk anregen mag. Wichtig ist mir heute abend vor allem eines: Ihnen die Einzigartigkeit, die „Unverwechselbarkeit“ Neumanns als Übersetzer und Erklärer der Buddhalehre – des Dharma – plausibel zu machen. Karl Eugen Neumann besitzt jedenfalls – und dies haben auch seine Gegner „ex negatione“ zugestanden – ein „Alleinstellungsmerkmal“ unter den deutschen Übersetzern des Buddha. Er war nicht nur der erste Österreicher, der sich zur Lehre des Buddha bekannte, er war nicht nur der erste Buddhist deutscher Zunge, der sich in seinem Bekenntnis zur Lehre auf den kompletten Pali-Kanon stützen konnte – er ist auch und vor allem der bis heute unübertroffene Schöpfer des deutschen buddhistischen Schriftenkanons und damit der wohl einflussreichste Wegbereiter des Dharma im deutschen Sprachraum. Was an seinen Texten sogleich auffällt, ist deren stilistische Virtuosität. Neumann war, ebenso wie sein „Meister“ Schopenhauer, ein großer Sprachkünstler. Wie sein Freund, Mitarbeiter und Nachlassverwalter Ernst Reinhold (1886-1962) einmal treffend bemerkte, schrieb und übersetzte Neumann in einem „außerordentlichen persönlichen Stil“. Dieser Stil besticht durch sein poetisches Melos, seinen hohen Grad an Musikalität. Es ist der durchgehende Wohlklang der Sprache Neumanns, der schon bei erster Lektüre oder beim ersten Anhören unmittelbar ins Ohr „eingeht“ und viele Passagen der Lehrreden des Buddha wie Mantren im Gedächtnis haften bleiben lässt. Kein Geringerer als Hugo von Hofmannsthal bezeichnete Neumanns Stil als „den besten, den ein deutscher Gelehrter seit Schopenhauer geschrieben“. Vor allem seinen Übertragungen buddhistischer Verse merkt der Leser sofort an, dass Neumann eine ausgeprägte poetische Begabung hatte: Er war selbst ein „deutscher Dichter und Denker“ im besten Sinne dieses Wortes. Damit Sie sich von der ganz eigenen Sprachgestalt der Neumannschen Texte, von dem typischen Neumann-“SOUND“ eine Vorstellung machen können, sollten wir nachher unbedingt noch ein oder zwei seiner Stücke hören.
Wenn wir uns dem Leben Karl Eugen Neumanns „in Zahlen und Fakten“ nähern, ist vorweg ein Kommentar zu der Überlieferung der biographischen Informationen angebracht. Grundsätzlich ist festzuhalten: Es gibt zahlreiche – meiner Ansicht nach auffallend zahlreiche – Lücken in Neumanns Lebenslauf. Über Neumanns Kindheits- und Jugendjahre wissen wir so gut wie nichts; auch für die letzte Dekade seines Lebens werden die Dokumente wieder spärlicher. Ein wichtiger Grund hierfür ist in dem Umstand zu sehen, dass jede biographische Annäherung an Neumann wesentlich auf dessen Briefe zurückgreifen muss: Neumann war ein recht fleißiger Briefeschreiber. Nicht wenige seiner Briefe scheinen allerdings vernichtet worden oder in den 100 Jahren seit seinem Tod „verloren“ gegangen zu sein. Veröffentlicht liegen uns übrigens lediglich ausgewählte Briefe von Neumanns Hand vor, die noch dazu häufig gekürzt und über mehrere Einzelausgaben „verstreut“ publiziert worden sind. In diesem Zusammenhang sollten wir uns die Tatsache bewusst machen, dass die überlieferte Dokumentation zu Neumann und damit dessen auf uns gekommenes Lebensbild maßgeblich von den Vorstellungen seines schon erwähnten Freundes Ernst Reinhold bestimmt worden sind. Reinhold hat bis zu seinem Tode 1962 als Verwalter des Nachlasses alle postumen Editionen der Werke Neumanns alleinverantwortlich besorgt. Im Zuge seiner – unbestrittenermaßen sehr gewissenhaften und verdienstvollen – Arbeit an Neumanns Werk hat Reinhold allerdings der Nachwelt ein ganz spezifisches Charakterbild seines Freundes vorgezeichnet. Reinholds „Vorgaben“ von damals liegen noch heute unserem Bild des Menschen Karl Eugen Neumann zugrunde. Neumanns bis dato gründlichster Biograph, Hellmuth Hecker, hatte 1953 die Gelegenheit, Ernst Reinhold noch persönlich zu Neumann zu befragen. Hecker schreibt, Reinhold habe ausschließlich das Werk Neumanns gelten lassen wollen und daher einen „eisernen Vorhang“ über dessen Privatleben gebreitet. So war bis zum Erscheinen der Gesamtausgabe der Werke 1956-1957 nur wenigen „Eingeweihten“ bekannt, dass Neumann verheiratet gewesen war. Mehr noch: Es gibt biographische Quellen, denen zufolge Neumann sogar Vater eines Sohnes war. Reinholds Aussparungen vermeintlich allzu „banaler“ Details aus Neumanns Leben geschahen also „in bester Absicht“, im Interesse des Werkes. Allerdings begründete Reinhold damit zugleich eine Art „Hagiographie“ Neumanns: Er überlieferte nämlich der Nachwelt das Bild eines asketisch lebenden Buddhisten und Philologen, der, fernab des Alltags der „breiten Masse“, unter großen äußeren Entbehrungen hingebungsvoll an einem einzigartigen Werk schuf, eines Mannes, der zwar nicht Mönch geworden war, der aber an „Gemein-Weltlichem“ keinerlei Interesse hatte, vielmehr den Zweck seines Lebens ausschließlich darin sah, dem deutschen Volk die Lehre des Buddha „darzubringen“. Wenn wir dann – quasi von Reinholds „redaktorischen Gnaden“ – aus einer Briefstelle beiläufig erfahren dürfen, dass Neumann und seine Frau Kamilla auch einmal in einem Wiener Kaffeehaus saßen, so könnten wir fast schon den Verdacht bekommen, dass diese einigermaßen „verräterische“ Passage aus Versehen mitabgedruckt worden ist.
Nach dieser grundsätzlichen „Vorwarnung“ komme ich nun zu den biographischen Fakten:
Karl Eugen Neumanns Vater Angelo Neumann war jüdischer Abkunft. Am 18. August 1838 als Josef Neumann in einem Dorf nördlich von Preßburg (heute Bratislava) geboren, ließ er sich als junger Mann in Wien zum Opernsänger ausbilden. Seine Stimmlage war Bariton und Bass. 1862 wurde er an die Wiener Hofoper verpflichtet und legte sich den Künstlernamen „Angelo Neumann“ zu. Er sang besonders gerne Partien in Opern Richard Wagners. Aufgrund eines Herzleidens musste er das Singen 1876 aufgeben. In der Folge wurde er Operndirektor in Leipzig, leitete danach zwei Jahre lang das Opernhaus in Bremen und war von 1885 bis zu seinem Tode am 20. Dezember 1910 Intendant des Deutschen Landestheaters in Prag. In der heutigen Prager Staatsoper ist ein Saal nach ihm benannt. Angelo Neumann soll eine durch vielseitige geistige Interessen und einen großen Enthusiasmus beeindruckende, kurz: eine illustre Persönlichkeit gewesen sein. So wechselte er gleich zweimal sein religiöses Bekenntnis: 1860 konvertierte er zum Katholizismus (möglicherweise um seine erste Frau heiraten zu können), 1876 dann zum Protestantismus. Als Impresario war er ein ausgewiesener Entdecker und Förderer junger Talente auf allen Gebieten der Kunst. Lebenslang ein begeisterter Wagnerianer, durfte er als erster Intendant überhaupt Wagners Ring des Nibelungen und den Parsifal außerhalb Bayreuths aufführen. Im Alter veröffentlichte Angelo Neumann seine Memoiren unter dem bezeichnenden Titel Erinnerungen an Richard Wagner (Erstausgabe Leipzig 1907). Bei all seiner Begeisterungsfähigkeit und Umtriebigkeit hatte er aber offensichtlich auch asketische Züge an sich: Er rauchte nämlich nicht und trank keinen Alkohol, noch nicht einmal Kaffee. Hierzu berichtet er selbst eine hübsche Anekdote aus dem Hause Wagner: Als sich Cosima Wagner von Angelos disziplinierter Zurückhaltung angesichts der genannten Genussmittel einmal sichtlich beeindruckt zeigte, konterte ihr Ehemann Richard recht trocken: „Da ist gar nichts zu bewundern: Neumann lebt offenbar sehr gern; da er sich einbildet, dass ihm Wein, Kaffee und Zigarren schaden, so entsagt er dem. Das beweist nur, dass er gern lebt.“ Bereits Angelo Neumann scheint, ebenso wie später sein Sohn Karl Eugen, ein Bewunderer auch Arthur Schopenhauers gewesen zu sein. Bei seinem Besuch in „Wahnfried“, der Villa Wagners in Bayreuth, beeindruckten ihn besonders zwei Porträts an der Wand: „[Ich] wurde in den seither so bekannten großen Arbeitssaal des Meisters geführt, in welchem meine Aufmerksamkeit zumal von zwei Gemälden gefesselt wurde: den Bildnissen der Frau, Cosima Wagners, und […] Schopenhauers.“
In erster Ehe war Angelo Neumann mit Pauline Aurelie von Mihalovic, der Mutter Karl Eugens, verheiratet. Ihre Ehe wurde (wohl) 1887 geschieden. 1887 jedenfalls heiratete Angelo Neumann in zweiter Ehe die Schauspielerin Johanna Buska. Sie gebar noch in dem selben Jahr eine Tochter, die spätere Schauspielerin Isolde Milde.
Über Karl Eugen Neumanns Mutter, die „Paula“ gerufen wurde, ist nahezu nichts bekannt; nicht einmal ihr Geburtsdatum, ihr Geburtsort, das Datum ihrer Eheschließung oder eine Fotografie von ihr sind überliefert. Sie soll väterlicherseits dem ungarischen Kleinadel angehört haben und die Tochter einer Freifrau von Ransonnet gewesen sein. Ihr Geburtsjahr wird auf 1842 geschätzt. Nach ihrer Scheidung von Angelo Neumann wohnte sie in Wien offenbar (zumindest zeitweise) mit ihrem Sohn und dessen Frau zusammen. Paula Neumann starb 1925 in einem Alter von wohl über achtzig Jahren. Sie soll sich – vielleicht unter dem Einfluss ihres Sohnes – für indische Literatur interessiert haben. Seiner Mutter zuliebe übertrug Karl Eugen Neumann 1899 das Stück Krischnas Weltengang aus einem altindischen Heldenepos, dem Vischnupuranam, aus dem Sanskrit ins Deutsche. 1905 veröffentlichte er diese Übersetzung unter dem Pseudonym A. Paul, welches kryptogrammisch für „Paula“ steht. Mit dieser Anspielung eignete er seiner Mutter das Werk zu.
Alles in allem scheint die Atmosphäre in Neumanns Elternhaus zuvörderst von der Musik geprägt gewesen zu sein, eine Atmosphäre, die den Sohn merklich in eine bestimmte Richtung prädisponierte. Ob Neumann das Spielen auf einem Musikinstrument erlernte, welche Art musikalischer Ausbildung er überhaupt genoss, ist allerdings wiederum nicht dokumentiert. Eines zumindest scheint gewiss: Auf seinen ferneren Lebensweg ideell hinausgeleitet wurde Karl Eugen Neumann von einem „hellen Zweigestirn“: Wagner und Schopenhauer.
Wie über das ganze Leben seiner Mutter wissen wir über Karl Eugens Kindheits- und Jugendjahre nur sehr wenig. In den bereits zitierten Lebenserinnerungen seines Vaters wird der Sohn lediglich ein einziges Mal explizit erwähnt. Bei seiner katholischen Taufe erhielt er die Namen „Karl Eugen Joseph“. Später wurde er von seinen Eltern „Karl“ gerufen und zeichnete selbst als „Karl Eugen Neumann“. Nachdem die Familie Neumann nach Leipzig umgezogen war, kam Karl Eugen 1876 auf die dortige Thomasschule: Deren altehrwürdige musische Tradition dürfte seiner persönlichen Prädisposition am meisten entsprochen haben. Ab 1879 besuchte Karl Eugen nicht etwa das altsprachliche Gymnasium, sondern die höhere Handelsschule in Leipzig, um hier die modernen Fremdsprachen erlernen zu können, welche er zu jener Zeit bevorzugt haben soll. Wir dürfen annehmen, dass er auf der Handelsschule die Grundlagen für sein in späteren Jahren ausgezeichnetes Italienisch legte. Möglicherweise war der Besuch der Handelsschule (statt des Gymnasiums) auch schon als Vorbereitung auf eine danach zu absolvierende kaufmännische Lehre gedacht. Nach dem Abschluss der Handelsschule verbrachte Karl Eugen die Sommerferien des Jahres 1882 in England und Italien, vermutlich um seine Fertigkeiten in den Landessprachen vor Ort zu üben. Im August 1882 trat er dann bei der Deutschen Volksbank in Berlin eine dreijährige Bankausbildung an. Die genauen Gründe für diese Berufswahl – sie wirkt angesichts der ausgeprägten musischen, sprachlichen und philosophischen Interessen Neumanns (gelinde gesagt) „befremdlich“ – können wir nur erahnen. Hellmuth Hecker vermutet, dass es Angelo Neumann gewesen sei, der seinen Sohn zu dem Bankberuf bewog, um in der Familie einen Finanzfachmann zu haben.
Über Karl Eugens berufliche Tätigkeit sowie seine äußeren Fährten in dieser frühen Berliner Zeit sind ebenfalls keine Details überliefert. Neumann selbst machte hierzu später – in einem Brief an seinen italienischen Freund und buddhistischen Weggefährten Giuseppe de Lorenzo (1871-1957) – nur einige vage Andeutungen: „Ich sehne mich danach, dir einmal auch dies und das meiner persönlichen Miserabilität mitzuteilen, über meine Jugend, die recht bewegt war, über meinen bunten Erziehungsgang, der mich schon im 20. Jahre mehr erfahrene Weltkenntnis gelehrt hatte, als mancher sie im 40. hat, und über gar manche verschiedene Einzelheit, lustig und traurig anzuhören.“ Neumanns Wort von der „erfahrenen Weltkenntnis“ lässt vielleicht manchen von Ihnen an den Lebenslauf Schopenhauers denken. Dieser schrieb einmal, dass er schon früh in seinem Leben gelernt habe, was und wie die Dinge selbst seien, bevor er noch bloß „fortgepflanzte Meinungen“ über sie aufgenommen hatte: „Mein Sohn soll im Buche der Welt lesen, so sagte mein Vater, der Kaufmann“. Und eine besonders prominente Stelle der Erinnerungen Schopenhauers lautet: „In meinem 17. Jahre, ohne alle gelehrte Schulbildung, wurde ich vom Jammer des Lebens […] ergriffen.“
Ähnlich wie Schopenhauers waren auch Neumanns Kindheit und Jugend offenbar nicht durchweg unbeschwert. An der von Neumann selbst angesprochenen „Miserabilität“ dieser Jahre dürften nicht zuletzt die unglückliche Ehe der Eltern (die vermutlich schon damals stark „kriselte“) sowie der ungeliebte Bankberuf schuld gewesen sein. Die Schopenhauer-Kenner unter Ihnen werden in dieser „unseligen“ familiären und beruflichen Konstellation wiederum biographische Parallelen erkennen: Auch Schopenhauer wurde ja von seinem Vater dazu gebracht, eine kaufmännische Lehre zu absolvieren, obwohl der junge Arthur selbst einem Studium der Philosophie zuneigte. In seinen Lehrjahren dann, die er bei einem Kaufmann in Hamburg ableisten musste, war Schopenhauer sehr unglücklich, ja oft geradezu depressiv. Und auch die Ehe der Eltern Schopenhauers scheint zum Schluß keine glückliche gewesen zu sein. Es ist bis heute nicht erwiesen, ob der Tod des Vaters, der wohl von Phobien und Depressionen gequält wurde, ein Unfall oder ein Selbstmord war.

Doch zurück zu Neumann: Das Jahr 1884 wurde zu dessen eigentlichem „Schicksalsjahr“, zum Jahr der „Kehre“ auf seinem äußeren wie auch auf seinem inneren Lebensweg. Zunächst lernte er in Berlin seine spätere Ehefrau Kamilla Nordmann kennen. Sie war die Tochter des österreichischen Journalisten und Schriftstellers Johannes Nordmann (1820-1887) und einer italienischen Mutter. Bereits nach kurzer Bekanntschaft verlobte sich Neumann mit ihr. Leider ist auch über die Halbitalienerin Kamilla außer ihren Lebensdaten fast nichts bekannt: Am 12. Januar 1861 in Wien geboren, starb sie eben dort am 21. Januar 1930 mit 69 Jahren. Ernst Reinhold beschreibt sie – bezeichnenderweise nur in einer kurzen Fußnote zu Neumanns Briefen – als eine „feinsinnige Pianistin und seelengute Frau“. Kamilla scheint also das Italienische und das Musikalische in sich vereinigt zu haben: beides Elemente, die Neumann besonders angezogen haben dürften. Auch von dieser für Neumann so wichtigen Frau ist bedauerlicherweise keine Fotografie erhalten geblieben.
Ein zweites Ereignis bewirkte im Mai 1884 eine (es ist tatsächlich nicht übertrieben zu sagen) existentielle Wandlung Neumanns: die Lektüre der Welt als Wille und Vorstellung Schopenhauers. Sie wurde dem jungen Neumann zu einem wahrhaft „grundstürzenden“ Erlebnis, zu einem philosophisch-spirituellen „Weckruf“. In einem Brief an de Lorenzo beschrieb er, viele Jahre später, jenen unvergesslichen „Frühling seines Lebens“ folgendermaßen: „Die fünf Jahre, die zwischen der Bekanntschaft und [der] Verheiratung mit meiner Frau liegen, waren die sonderbarsten und köstlichsten, blühendsten meines Lebens. Ich habe diese Jahre in völliger Keuschheit, allein für mich lebend zugebracht. Damals […] ist mir eine Sonne aufgegangen, die auch dir, Teurer, leuchtet: Schopenhauer. Ich wurde so innig ergriffen, dass ich mit meinem ganzen bisherigen Leben brach, innerlich brach. Die romantische Jugendschwärmerei zerschmolz wie Blei auf der Opferplatte. Ich griff zu indischen Übersetzungen, und obzwar bei Tag in der Bank durch meinen Beruf völlig absorbiert, versenkte ich mich bei Nacht, oft bis um 3 Uhr morgens und später, in philosophische Studien. Endlich brach ich auch außen durch. Ich studierte wieder praktisch, trat aus der Bank aus, ins Obergymnasium ein, das ich nach zwei schönen Jahren absolvierte, und zog dann zur Universität, nach Berlin, im Sommer 1887.“ Besonders vielsagend ist diese Briefstelle, weil Neumann hier seine nachgeholte Gymnasialzeit als „praktisches Studium“ charakterisiert: Der Bankberuf stellt sich im Umkehrschluss als „unpraktisch“ dar.
Den „innig ergriffenen“ Neumann faszinierte an Schopenhauer vor allem dessen Erklärung der Welt als eines letztlich geistigen Phänomens: „dass diese Welt, in der wir leben und sind, ihrem ganzen Wesen nach, durch und durch Wille und zugleich durch und durch Vorstellung ist“. In eben diesem Verständnis sah Neumann die innere Verwandtschaft der Lehre Schopenhauers mit der Lehre des Buddha. Besonders im zweiten Band der Welt als Wille und Vorstellung verweist Schopenhauer selbst explizit auf einige klassische Schriften zur Orientalistik und zum Buddhismus. So las denn Neumann „auf Schopenhauers Empfehlung hin“ (wie er wörtlich schrieb) begierig die einschlägigen Publikationen Spence Hardys, Eugène Burnoufs und Paul Deussens, außerdem Hermann Oldenbergs 1881 erschienene Monographie Buddha: Sein Leben. Seine Lehre. Seine Gemeinde, die erste ausführliche deutsche Studie über den Dharma des Pali-Kanons.
Aus der Bank ausgetreten besuchte Neumann von 1885 bis 1887 das k.u.k. Deutsche Gymnasium in Prag, wo sein Vater ja gerade Opernintendant geworden war. 1887 legte Karl Eugen die Reifeprüfung ab und studierte danach in Berlin fünf Semester Indologie (bei Hermann Oldenberg und Albrecht Weber), Vergleichende Religionswissenschaft (bei Paul Deussen) und Philosophie (bei ???). Noch als Student heiratete Neumann 1889 seine Verlobte Kamilla. Zum Sommersemester 1890 wechselte er nach Halle an der Saale, um sein Studium bei dem von ihm besonders geschätzten Indologen Richard Pischel fortzusetzen. Im Januar 1891 wurde Neumann in Leipzig aufgrund seiner Dissertationsschrift über einen Pali-Traktat des 14. Jahrhunderts zum Dr. phil. promoviert. Der Anhang seiner Doktorarbeit enthielt die allererste Lehrrede des Buddha, die Neumann aus dem Pali ins Deutsche übersetzte: die Nr. 55 der Mittleren Sammlung, Jivako. Noch im Jahre 1891 sowie zu Anfang des Jahres 1892 brachte Neumann zwei Bücher mit Übertragungen ausgewählter Buddha-Reden heraus. Das erste Buch erschien in Leipzig, das zweite in der holländischen Universitätsstadt Leiden. Aus einem seiner Briefe geht hervor, dass Neumann 1891 sechs Wochen in Holland gelebt hatte. Die näheren Umstände dieses Auslandsaufenthaltes liegen leider (wieder einmal) im Dunkeln.
In jenen Jahren wollte Neumann unbedingt auf längere Zeit nach Indien gehen. Er bemühte sich um eine Anstellung als Beamter des britischen Civil Service bzw. als persönlicher Sekretär eines indischen Maharaja, jedoch letztlich vergebens: „Ich habe mich in vergangenen Jahren – 1890 bis 1893 – in England um eine feste Anstellung in Indien beworben, [sie] aber nicht erhalten. Wäre mir eine solche angeboten worden, ich wäre sofort hingegangen, auf 20 Jahre [...]. So war es mir eben nur gegönnt ein halbes Jahr in Indien zu leben; ein Gesuch an einen märchenhaft reichen indischen König um Gewährung der Mittel zum dauernden Aufenthalte wurde nicht beantwortet. Es war also nicht an mir gelegen, wenn ich mein Leben hier in Europa, im Zeitalter der Elektrizität, verarbeite.“ Vom Frühjahr 1893 bis zum Frühjahr 1894 lebte Neumann in London. Hier bereitete er sich auf seine Indienfahrt vor, die er nunmehr auf eigene Faust – und dies hieß auch: aus eigenen Mitteln – zu unternehmen gedachte. Er machte sich insbesondere mit den Veröffentlichungen der Pali Text Society vertraut. In diesem Londoner Jahr übersetzte er auch den größten Teil des ersten Bandes der Mittleren Sammlung des Pali-Kanons. Ob seine Frau Kamilla mit ihm in London lebte, ist wiederum nicht bekannt.
Im Mai 1894 reiste Neumann (allein) mit dem Schiff zuerst auf die Insel Ceylon und danach auf das indische Festland. Auf Ceylon hielt er sich in Colombo, Kandy, Peradeniya, Anuradhapuram, Mahintale, Matale, Nuwara Eliya und Kalutara auf. Im August 1894 fuhr er dann von Colombo aus über Madras nach Kalkutta und mit der Eisenbahn weiter ins indische Hochland nach Darjeeling. Er reiste zurück nach Kalkutta, um von dort aus einige Orte in der Gangesebene zu besuchen, die direkt mit dem Leben und der Lehre des Buddha verknüpft sind: zuerst Buddhagaya bei Uruvela, den historischen Ort der Erwachung des Buddha. Die weiteren Stationen der Reise waren dann Benares (Hindi: Varanasi) und Sarnath: der Ort, an dem der Buddha laut dem Pali-Kanon seine erste Lehrrede (die Lehrradingangsetzungsrede) gehalten hatte. Über Faizabad gelangte Neumann nach Saketam und Ayodhya, uralte Städte, in welchen der Buddha Lehrreden gehalten hatte, namentlich die berühmte Lehrrede von der Schaumkrone (S 22.95). Diese war unter den ersten von Neumann übersetzten Texten des Pali-Kanons gewesen. Über Lakhanam, Kanhapur, Agra, Gwalior, Sanchi und Bhilsa reiste Neumann dann nach Bombay weiter, von wo aus sein Schiff zurück nach Europa ablegte.
Seine Eindrücke auf dieser Reise waren, was die Überlieferung des Dharma anbetraf, zwiespältig. Einerseits war Neumann von der großen Gelehrsamkeit der Theravada-Mönche Ceylons, die viele der alten Pali-Texte auswendig rezitieren konnten, positiv überrascht. Andererseits bemerkte er bald, dass die meisten Mönche die Lehrreden des Buddha im Sinne der späteren Kommentare des Buddhaghoso auslegten: Dieser, ein Mönchsgelehrter, hatte rund 1000 Jahre nach dem Buddha auf Ceylon gewirkt. Neumann tat die von Buddhaghoso geprägte Theravada-Doktrin als „wässerige Prädestinationslehre“ ab: Als solche war sie ihm mit der wahren Lehre des Buddha unvereinbar. Über den Leiter einer Klosterschule in Colombo, einen der damals berühmtesten buddhistischen Geistlichen Ceylons, urteilte Neumann: „Er versteht die alten Texte, wie der gute Aquin das Neue Testament verstand“. Besonders die aus diesem scholastischen Lehrverständnis resultierende spirituelle „Resignation“ der Theravada-Mönche ging dem von der Lehre höchst inspirierten Buddha-Jünger Neumann gegen den Strich: „Kein Nibbanam, keine Heiligkeit, ja nicht einmal Sotapatti ist jetzt mehr zu erreichen, nur Himmel und Hölle und Tierreich und Menschenreich, je nach den Taten; so ist's 1000 Jahre nach dem Buddho, und wer die Erlöschung erreichen will, muß auf den künftigen Buddho Metteyo warten, dann gibt’s wieder Heiligkeit und Erlösung, in einigen 1000 Jahren – recht bequem, einstweilen, zur Beschönigung der bestia trionfante.“
Nachdem er im September 1894 nach Wien zurückgekehrt war, arbeitete Neumann vier Jahre lang am Orientalischen Institut der Universität. Er war dort wissenschaftlicher Mitarbeiter des Indologen Johann Georg Bühler, der selbst fast 20 Jahre lang als Professor in Indien gelehrt hatte und dessen intellektuelle Integrität Neumann außerordentlich beeindruckte. Anfang 1895 stellte Neumann seine Übersetzung des ersten Bandes der Mittleren Sammlung fertig. Nachdem er insgesamt 30 Verleger mit der Bitte um Veröffentlichung angeschrieben hatte, erschien dieser erste Band 1896 erneut in einem Leipziger Verlag.
Wenn wir der von Rudolf Vierhaus herausgegebenen Deutschen Biographischen Enzyklopädie (München ²2007, Band 7, Seite 424) Glauben schenken dürfen, so wurde dem Ehepaar Neumann im Jahre 1897 ein Sohn namens Karl August geboren: „Neumann, Karl August, Sänger (Bariton), * 1897, gest. 18.9.1947 in Berlin. Der Sohn Karl Eugen Neumanns erhielt seine Gesangsausbildung bei Carl Beines, sang 1917-1918 am Stadttheater in Mainz, 1918-1920 in Elberfeld und 1920-1921 am Stadttheater in Halle an der Saale. Danach war er an der Wiener Volksoper engagiert, 1924-1928 an der Oper in Breslau und 1928-1933 am Opernhaus in Leipzig. Seit 1933 gehörte er zum Ensemble der Berliner Staatsoper.“ Der Eintrag zu „Neumann, Karl Eugen“ auf der selben Seite der Deutschen Biographischen Enzyklopädie bestätigt dessen Vaterschaft: "Karl Eugen Neumann [österr. Indologe und Übersetzer der Reden Gotamo Buddhos] war der Vater des Sängers Karl August Neumann.“ Bemerkenswerterweise wird die Existenz eines Sohnes Karl Eugen Neumanns in den biographischen Darstellungen bisher (soweit ich feststellen konnte) nirgends erwähnt.
Im April 1898 ertrank Karl Eugen Neumanns indologischer Mentor Bühler bei einer allein unternommenen Ruderpartie im Bodensee. Nach diesem Schicksalsschlag, der ihn fachlich und menschlich schwer erschütterte, hielt es Neumann nicht länger in der akademischen Indologie aus, und es zog ihn auch aus seiner Vaterstadt fort: Er ging wieder nach Berlin, kehrte aber bereits 1899 nach Wien zurück. Seit dieser Zeit widmete er sich bis zu seinem Tode voll und ganz seiner eigentlichen Lebensaufgabe (wie er sie selbst auffasste): der Übersetzung der Pali-Lehrreden des Buddha ins Deutsche.
Ab einem Alter von dreiunddreißig Jahren also lebte Karl Eugen Neumann – sozusagen nach dem „Modell“ Schopenhauers – als Privatgelehrter hauptsächlich von einem kleinen ererbten Vermögen. Seine Übersetzungen sowie seine wenigen sonstigen Veröffentlichungen warfen keine solchen Tantiemen ab, die ihm und seiner Familie auch nur ansatzweise einen Lebensunterhalt hätten bieten können. Da Neumann sehr zurückgezogen lebte und in äußeren Dingen anspruchslos war, reichte jenes Vermögen, soweit wir wissen, irgendwie hin. Bis zu einem Alter von etwa 40 Jahren klagte er jedenfalls nicht ernstlich über seine finanzielle Situation. In den „reifen“ Wiener Jahren von 1896 bis 1915 lebte Neumann in einer Wohnung in der Gentzgasse Nr. 42 in dem Stadtteil Währing (XVIII. Bezirk). Es sind noch zwei weitere Adressen Neumanns in eben diesem Stadtteil dokumentiert: 1894-1895 hatte er in der unweit gelegenen Cottagegasse Nr. 13 gelebt. Außerdem wohnte er, während er seinen Hauptwohnsitz in der Gentzgasse 42 hatte, mindestens zweimal eine Zeitlang in der ebenfalls benachbarten Schulgasse Nr. 79: Diese Wohnung hatte, nach Neumanns eigenen Worten, ein „ungemein“ kleines Schlafzimmer – es könnte sich hierbei um die Wohnung seiner Mutter gehandelt haben. Der Totenschein gibt die Schulgasse 79 als Neumanns Sterbeadresse an.
Gegen Ende des Jahres 1906 veränderte sich seine finanzielle Situation dann aber abrupt, und zwar zum denkbar Schlechtesten: Bei dem Zusammenbruch seiner Hausbank verlor Neumann praktisch sein ganzes dort angelegtes Geld. Schopenhauer hatte es in genau der gleichen Lage ja durch jahrelanges hartnäckiges Verhandeln geschafft, sein gefährdetes Vermögen aus der Konkursmasse des Danziger Bankhauses Muhl ungeschmälert zu retten. Neumann war dieses Glück leider nicht vergönnt: In der Folge musste er, wie er in einem Brief schreibt, „nach und nach alles verkaufen“, darunter auch seine umfangreiche Bibliothek, die etwa 4000 Bände umfasste. Besonders schmerzlich kam es ihn an, dass er seinen geliebten Pali-Kanon in dessen siamesischer Ausgabe versetzen musste: Dieser war ein persönliches Geschenk des Königs von Siam an ihn, dazu eine bibliophile Rarität. Neumanns finanzielle Lage war zeitweise derart prekär, dass ihm sein Brieffreund Georg Grimm verschiedentlich Geld zuschicken musste (wahrscheinlich taten dies auch noch andere Freunde). Die scheinbar ausweglose Situation schlug auch auf Neumanns Gemüt, so dass er vier Jahre lang des Übersetzens nicht fähig war. Erst als Angelo Neumann Ende 1910 starb und seinem Sohn sein gesamtes Vermögen hinterließ, war dessen materielles Auskommen wieder gesichert: Karl Eugen Neumann konnte schließlich auch seinen siamesischen Pali-Kanon wieder zurückkaufen und seine Arbeit an der Übertragung der Längeren Sammlung der Reden des Buddha fortsetzen.
1911 unterstützte Neumann den von Paul Deussen initiierten Aufruf zur Gründung einer Schopenhauer-Gesellschaft, den auch sein Freund und Förderer Georg Grimm mit unterschrieb. 1912 veröffentlichte Neumann die Übersetzung des zweiten Bandes der Längeren Reden des Buddha – es war dies die letzte Publikation von seiner Hand. In den ihm verbleibenden drei Jahren übersetzte Neumann noch den ausstehenden dritten Band der Längeren Sammlung und verfasste vor allem einen dicken Kommentarband, der jenen dritten Textband an Umfang weit übertrifft (beide erst postum veröffentlicht). In dem Kommentarband verarbeitete Neumann vor allem die Früchte seiner stupenden Belesenheit: In insgesamt 1074 Anmerkungen, die oftmals in sich abgeschlossene kleine Aufsätze über bestimmte Begriffe der Lehre des Buddha sind, zitierte er im Original aus philosophischen, religiösen und poetischen Texten der Weltliteratur. Hiermit wollte er dem Leser demonstrieren, dass dem Dharma verwandte Ideen oder zumindest Anklänge an diesen auch außerhalb Indiens und auch in Europa zu finden sind. Immer aber beharrte Neumann nachdrücklich auf der Einzigartigkeit der für ihn – was die „letzten Fragen“ der Existenz anbetrifft – unvergleichlichen Lehre des Erhabenen: Diese gehe, so Neumann, sogar über die tiefe Welterkenntnis eines Schopenhauer, eines Meister Eckhart oder eines Laotse noch hinaus. An seinen Anmerkungen zu den Lehrreden hat Neumann, mit der Unterstützung Ernst Reinholds, bis wenige Tage vor seinem Tod gearbeitet.
Einerseits war sich Neumann über seinen Pionierstatus als Pali-Übersetzer wie auch über die besondere Qualität seiner Texte sehr wohl im klaren. Das stolze Bewusstsein, mit diesen Übertragungen den Zweck seines Lebens erfüllt zu haben, erhielt ihn gerade in der düsteren Phase seiner finanziellen Mittellosigkeit seelisch aufrecht. Es verbindet ihn übrigens erneut mit Schopenhauer, dem die Abfassung der Welt als Wille und Vorstellung der eigentliche Sinn seines Daseins war. Auf der anderen Seite erlag Neumann jedoch nie irgendeiner Form der Selbstüberschätzung. Gerade in seinen Anmerkungen zur Längeren Sammlung machte er selbst an vielen Stellen Vorschläge für Verbesserungen seiner Übersetzungen wichtiger Pali-Begriffe. Freimütig gestand er ein, dass es hier im Zuge des Fortschreitens der indologischen Forschung für spätere Generationen vieles zu klären und zu verbessern gebe.
Wie eingangs schon erwähnt war Karl Eugen Neumann als der Erste im deutschen Sprachraum mit dem ganzen Pali-Kanon im Original vertraut und konnte sich daher „aus philologisch fundierter Überzeugung“ einen Buddhisten nennen. Der selbsterklärte „Buddhaist“ Schopenhauer hingegen kannte zu seiner Zeit von den Pali-Primärtexten lediglich das Dhammapadam (den Wahrheitpfad), welches die Lehre „breitenwirksam“ in Versen darstellt. Auch las Schopenhauer diesen Text lediglich in dessen lateinischer Übersetzung. Und in einem wirklich kategorialen Unterschied zu allen seinen Vorläufern und Zeitgenossen war Neumann in einer Person akademisch ausgebildeter Indologe und ein der Lehre des Erhabenen selbst nachlebender Buddhist, der sich ernsthaft bemühte, diese Lehre als „Hausner“ – d.h. nicht als ordinierter Mönch – in die Praxis umzusetzen. So befolgte er seit seinem „Schicksalsjahr“ 1884 die Anregungen des Buddha zu einem ethisch einwandfreien Lebenswandel des buddhistischen Laien (in Asien als „des Hausners Regel“ populär). Wie schon sein Vater rauchte Neumann nicht und enthielt sich des Alkoholgenusses. Zur Stärkung seines Körpers bei Krankheit trank er viel Milch und Lebertran („vom Dorsch“). Der Tradition folgend beging Neumann auch den wöchentlichen Feiertag der Nachfolger im Hause, den Uposatho: Dieser fällt jeweils auf den Tag des Höhepunktes einer der vier Mondphasen. Am Uposatho orientiert sich der Hausner noch stärker an den Verhaltensregeln des Buddha für Mönche und Nonnen und ist zu besonders intensiver Andacht aufgefordert. Freilich gab es Zeitgenossen Neumanns, die sich auch mit dem Dharma auseinandersetzten und aus dem Pali-Kanon übersetzten. Sie blieben aber „einseitige Persönlichkeiten“: Entweder nämlich waren sie am Buddhismus rein akademisch interessiert, wie die Indologieprofessoren Hermann Oldenberg (in Berlin und Hamburg) oder Rudolf Otto Franke (in Göttingen und Königsberg). Oder aber sie wurden nach „existentieller Erschütterung“ durch die Lehre deren überzeugte Nachfolger und erlernten die Pali-Sprache als Nicht-Philologen, wie Paul Dahlke in Berlin oder Georg Grimm in München.
Ähnlich wie er seine übersetzerischen Leistungen für verbesserungswürdig hielt, so beurteilte Karl Eugen Neumann seine „Fortschritte“ in der buddhistischen Lehrnachfolge nüchtern und realistisch. In den buddhistischen Mönchsorden einzutreten, dazu fühlte er sich nach eigener Aussage nicht reif genug, dafür erschien ihm die mönchische Nachfolge der Lehre als noch zu anspruchsvoll. „Ich bin leider nur Übersetzer geblieben, ein simpler neugieriger Sprachforscher, und ansonsten ein Teufelsbraten“ – so charakterisierte er sich selbst im Jahre 1910. Er scheint also recht klar erkannt zu haben, wo er selbst auf dem vom Erhabenen gewiesenen Heilsweg „stand“, und wusste wohl um jene „Daseinsverstrickungen“, die ihn in dieser Welt noch an das Leben im Hause banden. Allerdings ging seine tiefste Sehnsucht doch immer nach dem höchsten Heilsziel und nach dem direkten Wege zu diesem Ziel: Denn einmal äußerte er, daß er, falls ihm das Erreichen eines hohen Alters beschieden sein sollte, dann dazu neige, ein Wandermönch zu werden, ein „buddhistischer Kapuziner“.
Leider bestimmte ihm sein Karma einen anderen Lebensweg und ein anderes Lebensende. Als grobstofflich inkarniertes Wesen hatte Neumann mit chronischen körperlichen Beschwerden zu kämpfen. So litt er an einer – wohl von seinem Vater ererbten – Herzschwäche. Damit zusammenhängend waren insbesondere seine Atemwege und Lungen für Krankheiten überaus anfällig. Er erkältete sich häufig und litt öfter an Bronchialkatarrhen, worüber er in seinen Briefen anschaulich Bericht erstattet, ohne sich allerdings in hypochondrischen Klagen zu ergehen. Er wusste um die angeborene Schwäche seines Herzens und die Angreifbarkeit seiner Lungen und machte sich daher über seine voraussichtliche Lebensdauer keine Illusionen. Kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, im Juli 1914, stellte er sich selbst fast „hellseherisch“ die schonungslose Prognose: „Ich glaube Herz und Lunge haltens nicht mehr lange aus.“ Bis ganz zum Schluß galt Neumanns Sorge aber weniger seiner irdischen Existenz als vielmehr seinem großen Werk, das nach seinem Tod die Rezeption des ursprünglichen Buddhismus in Deutschland so nachhaltig prägen sollte.
Nachdem Italien der k.u.k Monarchie im Mai 1915 den Krieg erklärt hatte, erhielt Neumann im Juni kurioserweise noch einen Musterungsbescheid zur österreichischen Armee. Vier Monate später, in den frühen Morgenstunden des 18. Oktober 1915 (es war ein Montag), starb er an Herzversagen infolge einer Lungenentzündung. Wie seine Frau Kamilla berichtete, war die zum Tode führende Krankheit eine kurze. Am Todestag Neumanns begannen die italienischen Truppen an dem Fluss Isonzo (in Slowenien) gegen die österreichisch-ungarischen Stellungen eine neue Offensive, die als „dritte Isonzo-Schlacht“ in die Geschichtsbücher eingehen sollte.
Am 20. Oktober 1915 wurden Neumanns sterbliche Überreste auf dem Wiener Zentralfriedhof bestattet. Sein Grab ist das achtzehnte in der zweiten Reihe der Gräbergruppe 82 B. Die Grabstelle geriet nach seinem Tod allmählich in Vergessenheit. Als sie im Jahre 1955 wieder identifiziert wurde, war das Grab seit Jahren ungepflegt und völlig verwahrlost. Heute ist es, auf Betreiben der Buddhistischen Gesellschaft Wien, ein Ehrengrab der Vaterstadt Neumanns.

© 2015 Mathias Weber

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Beiträge von Sandra Borkowsky

Die 5-4-3-2-1-Übung

Die "5-4-3-2-1-Übung" beschreibt eine Möglichkeit, sich im Hier und Jetzt zu beruhigen und zu sammeln und eignet sich, für den der diese Übung für sich annehmen kann, sehr gut um sich z.B. auf eine Meditation vorzubereiten oder auch im Alltag wieder etwas mehr zu sich zu kommen. Diese Übung ist sehr einfach und lässt sich an (so gut wie) jedem Ort durchführen. Notwendig ist lediglich, dass ein Ort der Zurückgezogenheit gefunden werden kann. Wer sich gerade auf der Arbeit befindet, kann hierzu auch die Toilette benutzen: fünf Minuten können bereits eine angenehme Wirkung entfalten.
Um diese Übung durchzuführen setze oder lege man sich an eine dafür geeignete Stelle, am besten ruhig und bequem. Nun geht es darum, 5,4,3,2 oder einen Sinneseindruck zu finden, auf welchen die Achtsamkeit und die Beobachtung ruhen sollen. Hierbei können verschiedene Sinne verwendet werden oder auch gleiche Sinne. Man kann z.B. die Augen schließen und sich auf die Druckbelastung am Gesäß, die vorbeiziehende Luft an der Nasenspitze und die wärmende Sonne auf dem Rücken konzentrieren; alles Tastererfahrungen. Oder man konzentriert sich auf die Druckbelastung am Gesäß, den Geruch im Zimmer, das Geräusch der Heizung und die Farbe hinter den geschlossenen Augenliedern; Tastererfahrung, Geruchserfahrung, Lauschererfahrung und Lugererfahrung.
Dies führt man nun über wenigere (oder auch mehrere) Minuten lang durch. In aller Regel beginnen wir, sämtliche Dinge aus dem Randbereich zu "vergessen", ebenso auch ziehen sich die Gedankengänge etwas (mehr) zurück und wir erfahren eine deutliche Beruhigung des Körpers und des Geistes.

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Liebevolles Sprechen und tiefes Zuhören

In diesem Video spricht Thomas Barth von der Bedeutung des liebevollen Sprechens und dann im direkten Rückblick darauf, vom tiefen Zuhören. Hierbei thematisiert er eine Grundproblematik, welcher jeder von uns tagtäglich begegnet und von Möglichkeiten, hiermit langfristig umzugehen.

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Beiträge von Christine Scholz

UFO and Buddhism - Ashin Ottama

Ashin Ottama spricht in diesem Video über den Gedanken bezüglich außerirdischen Lebens und möglichen Erklärungen zur buddhistischen Sichtweise. Hierbei geht er ebenfalls auf Möglichkeiten anderer Dimensionen ein.

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Beiträge anonymer Nachfolger

Bhiksuni Tenzin Wangmo - Wie werde ich ein liebender Mensch?

Bhiksuni Tenzin Wangmo erzählt in diesem Video über Möglichkeiten, wie wir unseren Alltag mit Gedanken und Meditationsinhalten anreichern können, um hiermit dafür Sorge zu tragen, dass sich mehr und mehr ein liebendes Gemüt in unserem Alltag, unserem Leben entfalten kann. Spannend ist hierbei, welche Strategien sie nutzt, um an bestimmten, von uns selbst ausgewählten Gegenständen oder Zeitpunkten Anker für liebene Gedanken zu setzen. Wollen wir dies, kann eben diese Technik ebenfalls für weitere Lehrinhalte und Erinnerungen verwendet werden. So können wir unter anderem Objekte und Zeitpunkte nutzen, um hieran Erinnerungen an die Vergänglichkeit, die Leidhaftigkeit u.v.m. zu knüpfen.

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TIERE UND DER BUDDHA

Der Youtubekanal dharmavoices foranimals geht in seinem Video "ANIMALS AND THE BUDDHA" auf den gegenwärtigen, weit verbreiteten Umgang mit Tieren ein und darüber hinaus darauf, wie die Lehre des Buddha hierzu im Kontrast steht. Bezug wird zum Beispiel auf die fünf Grundtugenden genommen, in welchen zum einen das Töten, welches im Zusammenhang mit unseren Tieren offensichtlich stattfindet, ein. Ferner aber wird auch das Nehmen von Nicht-Gegebenem angesprochen, welches uns oft viel weniger im Bewusstsein ist; Egal ob Milch, Eier bis hin zum frisch geborenen Kalb; dies alles wird den Tieren genommen, ohne dass es für uns bestimmt war.
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